Sonntag, 28. August 2016

Der religiöse Zionismus hat Israel nichts als Unruhe beschert

Eine Antwort an Ari Shavit
Gideon Levy جدعون ليفي גדעון לוי
Übersetzt von Ellen Rohlfs اِلِن رُلفس
Der Kommentar meines Kollegen Ari Shavit, dass die Siedlerbewegung aufregend ist, zeigt, dass auch der "radikale Zentrist" des Landes unaufgeklärt ist.
Man muss sich ungläubig die Augen reiben. Ein israelischer Journalist, der sich selbst als weder religiös noch nationalistisch definiert, schrieb: „Die Leute von Mercaz Harav und Gush Emunin haben von niemandem etwas gestohlen. Was sie während der letzten 49 Jahre getan haben, war erziehen - was eindrucksvoll ist - und mobilisieren und anwerben, was aufregend ist.“( Ari Shavit 11. August)

Es ist das Jahr 2016 und das Verbrechen ist schöngeredet worden; es ist sogar zum pädagogischen Vorbild geworden. Der Sieg ist erklärt worden.

Eine Bewegung, die fast nichts getan hat, außer zu stehlen, nur stehlen, wird von einer Person bewundert, die sich selbst als „radikale Mitte“ definiert. Eine Bewegung, deren Existenz sich auf Vertreibung gründet, auf Betrug und Korruption, wird nun nicht nur legitimiert, sondern „aufregend“ und „eindrucksvoll“ von einer Person genannt, die sich selbst als aufgeklärt betrachtet. Eine Bewegung, die sich auf Manipulation des religiösen Glaubens gründet, wird von einer Person bewundert, die sich selbst als säkular betrachtet.

Grafik entnommen Tlaxcala

Man kann dies natürlich für den Schreiber dieser Illusion übersehen; es ist kaum zu glauben, dass dies ernst gemeint war. Man kann nicht säkular sein und an das biblische Recht auf Shilo und Itamar glauben; man kann kein Nicht-Nationalist sein und von der Bildungsarbeit des Gush Etzion-Siedlungsblocks und der Merkaz Harav Yeshiva beeindruckt sein.

Was ist dies genau für eine Bildung? Man kann nicht moralisch sein und das kriminellste Unternehmen in der Geschichte des Landes unterstützen. Aber die Tatsache, dass diese Dinge fast nebenbei geschrieben wurden, als ob sie selbstverständlich wären, zeigt das Ausmaß, in wieweit Israel abgefallen ist.

Ein Projekt, das von Dieben in der Nacht begonnen wurde, entwickelte sich zu einem Projekt eines Raubes bei Tageslicht und es wurde nicht nur legitimiert, sondern zu einem Objekt der Bewunderung.

Was gibt es bei Gush Emunin zu bewundern? Was gibt es dort, um begeistert zu sein? Shavit ist von Israel Harel begeistert, der die Siedlung Ofra gründete, von der mindestens 58 % ihrer Wohnstätten auf gestohlenem privatem Land gebaut wurde; und der Rest auf gestohlenem nationalen Land.

Begreift man dies? Land zu stehlen, ist aufregend. Könnte Shavit sich vorstellen, was sich ereignen würde, wenn sein Land gestohlen würde und auf diesem Ausländer gewaltsam angesiedelt würden? Shavit schrieb, Harel sei der einzige von Haaretz-Kolumnisten, der die Realität verändert hat. Es stimmt, dass er die Realität bis ins Innerste entstellt hat (und heute lebt er in Tel Aviv). Ohne seine und seiner Freunde Aktionen würde Israel ein anderer Ort sein – sicherlich moralischer und offensichtlich auch sicherer.

Es ist in Ordnung, über Ofra sich aufzuregen. Verbrechen hat für einige Leute immer geleuchtet. Man mag sich auch über die religiöse-zionistische Übernahme von Machtzentren wundern und nicht realisieren, dass dies eine feindliche Machtergreifung ist. Aber nachdem man das gemacht hat, kann man sich nicht des Säkularismus und Liberalismus rühmen.

Nein Ari, dies passt nicht zusammen. Mit deinen Worten hast du dich als nationalistisch, religiös und als nicht aufgeklärt erklärt. Du kannst nicht in beiden Welten leben.

Dieses Unternehmen, das du so bewunderst, hat dem Staat fast nichts gebracht. Was hat es gebracht? Eine größere Anzahl von Soldaten, die sich in der Armee freiwillig melden?

Na, hör mal! Es hat uns mit den größten Katastrophen bedacht. Was hat der religiöse Zionismus uns genau gebracht? Die Projekte des Siedler-Führers Zeev Hever und seiner Organisation Amana und seine Tricks?

Was ist in den Furchen der Siedlungen und auf dem Boden der Außenposten gewachsen? Nur bewaffnete und beschützte Schlafgemeinden mit vollkommen unbedeutender Industrie und Landwirtschaft und Außenbezirke, die nur dank der irrsinnigen Geldbeträge, die ihnen zugeleitet werden, künstlich existieren. Was den intellektuellen Geist angeht, so kam fast nichts von dort. Das ist keine Überraschung. Eine korrupte Bewegung kann nicht kreativ sein.

Die Siedler haben bis jetzt gewonnen. Sie zu verehren illustriert, wie wahr dies ist. Das Land ist voll von ihren Leuten mit gehäkelten Käppchen in jeder Machtposition, religiöser Eifer brennt in jeder Ecke. Dies könnte ein Sieg sein, der das Land verändert. – was schon geschehen ist – aber dieser Tiger könnte noch sich als Papiertiger erweisen.

Dies geschah einmal, in Gaza 2005. Als alles auf Fäulnis aufgebaut wurde, ist dies selten von Dauer. Aber für dieses benötigt man Gegenkräfte. Diese existieren jedoch nicht und können auch am Horizont nicht gesehen werden. Nichts illustriert dies eindeutiger als Ari Shavits Artikel.

 Danke Tlaxcala
Quelle: http://www.haaretz.com/opinion/.premium-1.736726
Erscheinungsdatum des Originalartikels: 14/08/2016
Artikel in Tlaxcala veröffentlicht: http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=18710

Dienstag, 23. August 2016

Merkel Seit an Seit mit der zentralen Aktionsplattform für Terror und fundamentalistischen Islam

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de

Die Solidarität der Kanzlerin mit Erdogan ist so »uneingeschränkt« wie einst die ihres Vorgängers Gerhard Schröder mit George W. Bush. Am Montag ließ Angela Merkel jedenfalls ihren Regierungssprecher ausrichten: »Im Kampf gegen den Terrorismus stehen Deutschland und die Türkei Seite an Seite.« Der Zynismus nach dem Attentat gegen Kurden und Oppositionspolitiker in Gaziantep am Samstag abend kommt dem von 2001, als mit der Schröderschen Formel die deutsche Beteiligung am Afghanistan-Krieg in Gang gesetzt wurde, gleich. Der regierende Muslimbruder in Ankara hat allerdings nicht das politische Gewicht des damaligen Kriegsverbrechers im Weißen Haus. Laut BND ist er Chef der »zentralen Aktionsplattform« für Terror und fundamentalistischen Islam im Nahen und Mittleren Osten. Das wurde mit dem Anschlag in Gaziantep, der mehr als 50 Tote zur Folge hatte, erneut belegt.

Sie und die anderen im Terror Verbündeten »schaffen« es zur Zeit, anders als zeitweilig im vergangenen Jahr, dass der Weg für Flüchtlinge in der Türkei versperrt wird. Erdogan ist aber nicht nur Terrorhelfer, er lenkt ihn regional an vorderster Stelle mit. An George W. Bush kommt er damit nicht heran. Der US-Präsident eröffnete 2001 mit Bomben auf Afghanistan, mit dem globalen »War on Terror«, endgültig das Zeitalter des westlichen Staatsterrorismus, eine Art Weltkrieg niedriger Intensität. Dem galt 2001 die uneingeschränkte deutsche Solidarität. Sie findet in der von 2016 ihre konsequente Fortsetzung..........

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Sonntag, 21. August 2016

Warum die westdeutsche Regierung keinen Friedensvertrag wollte und lieber den Zwei-plus-Vier-Vertrag bevorzugte

Bundestag erinnert an den Überfall auf Sowjetunion vor 75 Jahren
Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de

Hans Modrow, zwischen November 1989 bis April 1990 letzter DDR-Ministerpräsident mit der Amtsbezeichnung Vorsitzender des Ministerrates, am Ende eines Gespräches mit der jungen Welt über den Putschversuch im August 1991 in Moskau :
"Beide, Jelzin und Gorbatschow, hatten den Zerfall der Sowjetunion vorangetrieben. Das aber lag allein im Interesse des Westens.

Im August 1991 wurde eine Entwicklung eingeleitet, die zu der heutigen Situation in den deutsch-russischen Beziehungen geführt hat. Ich hätte mir noch vor wenigen Jahren nicht träumen lassen, dass eine deutsche Bundeskanzlerin führend daran beteiligt ist, gegen Russland, den Nachfolgestaat der Siegermacht des Zweiten Weltkrieges, mit Druck, Militärmanövern und Drohungen vorzugehen. Die Welt steht heute wieder am Rand eines heißen Krieges. Hätte es 1990 einen Friedensvertrag und nicht das Kompromisspapier Zwei-plus-vier gegeben, wäre vieles anders gelaufen, stünde die deutsche Politik rechtlich ganz anders in Verantwortung für Frieden und Krieg."
Einen Friedensvertrag wollte aber die westdeutsche Bundesregierung aus Angst vor Reparationsforderungen von über 50 Ländern nicht, die sich im Kriegszustand mit dem Nazi-Regime befanden. Horst Teltschik, damaliger Berater von Bundeskanzler Helmut Kohl, erläuterte im März 2015: "Stellen Sie sich vor, wir hätten im Rahmen eines Friedensvertrages Reparationsforderungen von über 50 Staaten auf dem Tisch gehabt."

Das habe man vermeiden wollen. Allerdings hat Bonn damit zugleich die "endgültige[...] Regelung der Reparationsfrage", die im Londoner Schuldenabkommen vorgesehen und von der Bundesregierung jahrzehntelang mit einem förmlichen Friedensvertrag verknüpft worden war, lediglich weiter in die Zukunft verschoben.

FH