Freitag, 3. Februar 2017

Unternehmen Barbarosa II: Jetzt lassen die Yankees ihre Panzer rollen

von Christopher Black
New Eastern Outlook, 18.01.17

Der in Kanada lebende Strafrechtsexperte Christopher Black sieht im Aufmarsch der USA und der NATO in Osteuropa die Vorbereitung auf ein Unternehmen Barbarossa II..

Als ich vor einigen Monaten ein Dossier über die Kriegsverbrechen in den Angriffskriegen der NATO zusammenstellte, habe ich schon einmal auf den Aufmarsch von NATO- und US-Truppen in Osteuropa und die bereits angelaufenen hybriden Kriegshandlungen in den baltischen Staaten und in der Ukraine hingewiesen, die auf einen geplanten großen Krieg gegen Russland schließen lassen. Die Truppenverlegung und die sie begleitenden Maßnahmen habe ich als Unternehmen Barbarossa II bezeichnet, weil sie bemerkenswerte Ähnlichkeiten mit der Bereitstellung von Truppen aufweisen, die Nazi-Deutschland 1941 für das Unternehmen Barbarossa, den Überfall auf die Sowjetunion, vorgenommen hat. Seither eingetretene Ereignisse haben mich in meiner Ansicht bestärkt.

Atompilz von „Fat Man“ über Nagasaki, public domain.
In den USA scheint sich der Abbau der Demokratie vor unseren Augen unaufhaltsam fortzusetzen – mit den immer noch andauernden, geradezu hysterischen Anschuldigungen gegen Russland und dem Versuch, Donald Trump jetzt auch noch als „Marionette Putins“ zu diskreditieren. Mit dieser Kampagne werden zwei Hauptziele verfolgt: Ersten sollen mit den behaupteten russischen Angriffen auf das Internet und die Demokratie im gesamten Westen antirussische Emotionen geschürt und Stimmung für einen Krieg gegen Russland gemacht werden, und zweitens soll Trump entweder seines Amtes enthoben oder dazu gebracht werden, auf die angekündigte Annäherung an Russland zu verzichten und sich den Kriegstreibern anzuschließen.

Diese Strategie scheint erfolgversprechend zu sein. (Nach einem Briefing durch die US-Geheimdienste) hat Trump in einer Pressekonferenz gesagt, er glaube jetzt auch, dass Russland hinter den Cyber-Angriffen stecke (s. hier). Er ging sogar noch weiter und verkündete, seine Kritiker würden bald feststellen, dass er mit Russland viel härter verhandeln werde, als Hillary Clinton das jemals getan hätte. Die Hoffnung vieler US-Bürger, Trump werde eine neue Politik des Dialogs mit Russland beginnen, könnte sich damit schon erledigt haben. Das sollte auch niemand überraschen, denn schon am Tag nach seiner Wahl hat er schwere Vorwürfe gegen China erhoben, und die Aussagen seiner künftigen Minister in den Anhörungen vor dem US-Kongress lassen darauf schließen, dass nach der abgetretenen Obama-Regierung auch die Trump-Regierung Krieg als bevorzugtes Mittel zur Beherrschung der Welt einsetzen wird.

Trump hat zwar gesagt, es sei besser, gute Beziehungen zu Russland zu haben, und nur Narren könnten dagegen sein. Das heißt aber nicht, dass er von der bisher verfolgten Linie abweichen wird; falls Russland nicht tut, was die USA wollen, wird natürlich auch.Trump Gewalt anwenden. Ein „ehemaliger“ führender CIA-Mitarbeiter, der am Donnerstag, dem 12.07.16, im Programm Newshour des US-TV-Senders PBS gefragt wurde, was er von Trumps Wunsch nach besseren Beziehungen zu Russland halte, lachte und antwortete: „Die USA sollten sich nicht um bessere Beziehungen zu irgendwelchen Staaten bemühen. Wir sollten uns ausschließlich um die Durchsetzung unserer nationalen Interessen kümmern, und wenn uns das nicht mit diplomatischen Mitteln gelingt, müssen wir eben Gewalt anwenden.“ So argumentieren nur Gangster.

Der Welt wird gerade eine Zirkusvorstellung besonderer Art geboten: In den USA kämpfen zwei Fraktionen der herrschenden Kaste um die Macht. In ihrer ideologischen Ausrichtung und in der Innen- und Außenpolitik, die sie betreiben wollen, unterscheiden sie sich kaum. Sie führen eigentlich nur einen Bandenkrieg.

Die infamen Anschuldigungen gegen Trump, die den Eindruck erwecken sollen, er sei erpressbar und deshalb ein williges Werkzeug Russlands, scheinen von einem ehemaligen führenden MI6-Agenten namens Christopher Steele zu stammen; sie erinnern an das Komplott, mit dem der MI5 und der MI6 in den 1970er Jahren den britischen Premierminister Harold Wilson stürzen wollten. Schon 1924 hatten die britischen Geheimdienste eine Regierung der Labour Party mit der Fälschung und Veröffentlichung eines angeblich von (dem russischen Politiker) Sinowjew an die britische kommunistische Partei gerichteten Brief, in dem zu einem Massenaufstand in Großbritannien (unter Beteiligung der Labour Party) aufgerufen wurde, in Schwierigkeiten und zu Fall gebracht (s. hier). Auch Wilson sollte mit vom MI5 und MI6 mit Hilfe der CIA gefälschten Dokumenten, die willfährige Medien in Umlauf brachten, als russischer Agent „enttarnt“ werden. Später hat er selbst berichtet, dass britische Militärs außerdem zwei Staatsstreiche gegen ihn geplant hätten. Auch die Ermordung (des US-Präsidenten) John F. Kennedy im Jahr 1963 ist wohl erfolgt, weil ihm vorgeworfen wurde, den Kommunismus – damit waren auch damals schon die Russen gemeint – nicht energisch genug zu bekämpfen.

Ob man Trump durch einen Staatsreich „beseitigt“, durch ein Amtsenthebungsverfahren zum Rücktritt zwingt – was die Washington Post vorgeschlagen hat – oder ihn als kaltgestellte Galionsfigur im Amt bleiben lässt, wie alle anderen US-Präsidenten seit der Ermordung Kennedys, ist unerheblich und führt zum gleichen Ergebnis: der Fortführung (eines vom Militär und den Geheimdiensten dominierten) US-Regimes, das ständig Krieg führt. Die US-Bevölkerung wurde nach dem Kennedy-Mord im Jahr 1963 einer Gehirnwäsche unterzogen; deshalb wäre niemand überrascht, wenn ein weiterer Präsidentenmord stattfände, denn die US-Geheimdienste, Trumps politische Gegner, die US-Medien und einige Hollywood-Stars haben ja schon ganz offen zu einem Staatsstreich aufgerufen. Wen kümmert die Demokratie oder das Wahlergebnis? Sollte es dann zu einem Aufstand der Trump-Anhänger kommen, müsste der eben in Kauf genommen (und niedergeschlagen) werden. Die laufenden Vorbereitungen für einen Krieg gegen Russland müssen weitergehen; deshalb ist die Anti-Trump-Kampagne der US-Geheimdienste eigentlich nur ein wichtiger Bestandteil des Propagandakrieges gegen Russland und seinen Präsidenten Putin.

Während die US-Medien und Obamas Anhänger die US-Bevölkerung mit gefakten Skandalnachrichten über Trump ablenken, wird der Aufmarsch der US-Streitkräfte gegen Russland und China ohne Unterbrechung fortgesetzt. Die Kriegsvorbereitungen sind wohl nicht mehr aufzuhalten. In Europa hat die U.S. Army mit der Verlegung der 3. Panzerbrigade (s. hier und hier) nach Polen und an die russische Grenze den Druck auf Russland gerade noch einmal verstärkt. Russland sieht seine.Sicherheit also zur Recht bedroht. Diese (kampferprobte) Einheit war 1944 schon an der Landung in der Normandie und 2003 am Überfall auf den Irak beteiligt. Sie ist für ihre schnellen Angriffe bekannt und wird von Polen aus eine lange Frontlinie bilden, die von Estland bis nach Rumänien reicht – mit Kampfpanzern, Artillerie und mit Infanterie, die über Schützenpanzer verfügt. Es handelt sich also nicht um eine Schutztruppe, sondern um eine Sturmtruppe.

US-General Scaparrotti, der Kommandeur aller US-Streitkräfte in Europa und Oberkommandierende der NATO stellte dazu (in einer Pressemitteilung des Pentagons) fest: „Die Ankunft der 3. Panzerbrigade in Polen ist ein bedeutenden Beitrag zur Abschreckung und zur Verteidigung Europas.

Die Nutzung der europäischen Infrastruktur und die Unterstützung, die wir hier erhalten, ermöglicht es unseren Streitkräften, schnell präsent zu sein und damit einen „russischen Angriff“ zu verhindern. Da es keinen „russischen Angriff“ geben wird, die US-Militärs aber ständig von hybriden russischen Kriegshandlungen in Osteuropa faseln, können wir ziemlich sicher sein, dass man mit Hilfe von US-Spezialeinheiten Zwischenfälle unter falscher Flagge inszenieren wird, die man Russland in die Schuhe schieben kann, um damit einen Angriff der USA und der Nato auf Russland zu rechtfertigen. Wenn Trump keine diplomatische Annäherung gelingt, was trotz Putins Entgegenkommen ziemlich wahrscheinlich ist, dürfte ein provozierter Krieg nur eine Frage der Zeit sein.

Am Freitag, dem 13. Januar, wurde berichtet, dass Mr. Tillerson, Trumps Kandidat für das Außenministerium, am 11. Januar in seiner Anhörung vor dem Kongress erklärt habe, die USA sollten Peking den Zugang zu den Inseln im Südchinesischen Meer verweigern. Die staatlichen chinesischen Medien reagierten sofort mit der Drohung, jeder Versuch, das zu tun, werde einen umfassenden Krieg auslösen. Schon am 5. Januar, also vor Tillersons Äußerung, hatte das Pentagon mitgeteilt, der US-Flugzeugträger „Carl Vinson“ mit seinen Begleitschiffen laufe bald von San Diego in den westlichen Pazifik aus; strategische US-Bomber der Typen B-1 und B-2, die Marschflugkörper mit Atomsprengköpfen tragen können, seien bereits auf die Insel Guam verlegt worden. (S. hier).

Ein weiteres Vorkommnis im Propagandakrieg war die von der niederländischen Polizei vorgenommene widerrechtliche Beschlagnahme von Beweismaterial zum Abschuss des Fluges MH-17 der Malaysian Airlines im Juli 2014, bei dem 298 Menschen starben; niederländische Journalisten hatten im Donbass recherchiert und Belege dafür gefunden, dass die ukrainische Regierung in Kiew mit Wissen der US-Regierung die Maschine abschießen ließ. Ich selbst bin kürzlich in einem Essay zu dem Schluss gekommen, dass ein ukrainischer Kampfjet das Verkehrsflugzeug abgeschossen hat, nahm aber an, dass es eine Suchoi-25 war; nach neueren Erkenntnisse muss es sich aber um eine Mig-29 gehandelt haben. Auf jeden Fall haben die NATO-Mächte vertuscht, dass die Ukraine den Abschuss zu verantworten hat und ihn aus Propagandagründen Russland angelastet.

Die Situation ist auf jeden Fall so ernst, dass die Zeiger der Atomkriegsuhr jetzt ganz kurz vor 12 Uhr stehen. Die Rufe nach der Friedensbewegung werden deshalb auch in den USA immer lauter, sie ist aber so zerstritten, dass sie sich nicht zu gemeinsamem Widerstand aufraffen kann; viele „US-Friedensaktivisten“ haben die Angriffskriege der USA und der NATO sogar unterstützt, und die gesamte Linke, die angeblich alle imperialistischen Krieg ablehnt, ist so mit sich selbst beschäftigt, dass sie kaum in Erscheinung tritt. Es scheint fast so, als sei im gesamten Westen fast jeder Widerstand gegen die Kriegstreiber erlahmt.

Wenn wir jetzt nicht aufstehen und uns wehren wird es bald zu spät sein. Mein Freund Harold Pinter hat bei einem Mittagessen in London einmal zu mir gesagt, die Welt sei voller nur in sich selbst verliebter Leute, die sich nur um sich selbst kümmern und denen es völlig egal ist, wenn auch die größten Kriegsverbrecher ungeschoren davonkommen. Ich kann meine Verachtung selbst nicht so gut ausdrücken, wie Harold Pinter in einem Gedicht, das er mir einmal zugeschickt hat und das vor Kurzem in einer kleinen Sammlung mit dem Titel „War“ veröffentlicht wurde (s. hier). Wenn er noch lebte oder es noch mehr solche Gedichte gäbe, die auch gelesen und verstanden würden, stünden vielleicht mehr Leute mit Rückgrat auf, um sich gegen die Kriegstreiber zur Wehr zu setzen. In der naiven Hoffnung, dass dieses Gedicht auch Sie aufrüttelt, drucke ich es hier ab.

antikriegsgedicht

Christopher Black ist Anwalt für internationales Strafrecht und lebt in Toronto. Er hat in wichtigen Prozessen mitgewirkt, in denen es um Kriegsverbrechen ging. Kürzlich hat er den Roman "Beneath the Clouds" (Unter den Wolken) veröffentlicht (der über Amazon zu beziehen ist). Er schreibt Artikel über das Völkerrecht, über Politik und wichtige Ereignisse, hauptsächlich für die Website New Eastern Outlook.

Übersetzung: luftpost-kl.de

Weitere Informationen über den Autor sind hier nachzulesen.

Auch die von eitlen Selbstdarstellern, bezahlten Spalter und einer total desorientierten LINKEN [s. dazu auch hier] gelähmte deutsche Friedensbewegung sieht der Vorbereitung des Unternehmens Barbarossa II fast tatenlos zu)