Montag, 23. Februar 2015

Vojvodina, nächster Pseudo-Staat in Europa?

Die Vereinigten Staaten und die Europäische Union sind bereit, den Krieg den sie im Jahr 1999 gegen Serbien unternommen haben zu beenden. Nachdem sie den Kosovo von Serbien abgetrennt haben, dürften sie jetzt die Vojvodina abtrennen. Hierzu verändern sie jetzt die Bevölkerung, setzen ein neues Team im benachbarten Kroatien an die Macht und kaufen alle Medien in Serbien.
von Wayne Madsen

Die Vojvodina war bei der letzten Volkszählung
zu 70 % serbisch und orthodox
Karte entnommen Voltaire Netzwerk
Wenn die Europäische Union (EU) und die NATO ihre Zwecke erreichen, wird die serbische Provinz Vojvodina, als nächster Ersatz [im englischen Text] eines unabhängigen Staates auf dem Balkan, den Weg des Kosovo gehen, der zuvor von der Europäischen Union und der NATO von Serbien abgetrennt wurde, um ein ethnisch albanischer, von den Terroristen der Befreiungsarmee des Kosovo (ASL) regierter Staat zu werden.

Nach der Sezession der serbischen Provinz Kosovo durch die NATO Truppen dank der Machenschaften der Europäischen Union, wird Serbien nun seine fruchtbare Provinz Vojvodina des Donaubeckens an die „Neugestalter der Grenzen“ von Brüssel verlieren. Wenn die jüngsten Kommentare des ehemaligen stellvertretenden NATO-Generalsekretärs für öffentliche Diplomatie sowie der zukünftigen Präsidentin von Kroatien Kolinda Grabar-Kitarović als Leitfaden dienen können, wird Kroatien bald die Bastionsrolle der NATO-Pläne spielen, um diese Region der serbischen Kontrolle zu entziehen. Sie wird zur multiethnischen und mehrsprachigen Provinz erklärt werden, zur unabhängigen "Heimat" von Ungarn, Roma, Slowaken, Kroaten, Rumänen, sowie albanischen Flüchtlingen, die von der EU aus dem südlichen Teil des ehemaligen Jugoslawien per Bus in diese Region transportiert werden.

Mit größter Diskretion hat der KKR Investment Fund im Januar 2015 die wichtigsten großen Medien und Fernsehen Serbiens aufgekauft. KKR hat dem ehemaligen Direktor der CIA, General David Petraeus, die Leitung seiner Denkfabrik anvertraut.

Die Vojvodina wird bereits von den Medien und den von George Soros finanzierten NGOs als der "ungarische Kosovo" bezeichnet, obwohl 66 % der Provinzeinwohner Serben sind. Mit 25 verschiedenen ethnischen Gruppen ist sie eine der ethnisch vielfältigsten Regionen Europas. Für die NATO-Strategen und Soros‘schen Demographie-Ingenieure ist die Vojvodina ein fruchtbarer Boden für ethnische Konflikte und weitere Zersplitterung des Balkans.

Die Ungarn sind nur 13 % der Bevölkerung, während die Kroaten sich auf 2,7 % belaufen und die Slowaken auf 2,6 %. Soros und die neokonservativen Manipulator Medien haben die Vojvodina bestimmt, die Heimat der Roma (ein "Zigeuner" Volk) zu werden. Die Roma sind jedoch nicht mehr als 2,1 % der Bevölkerung. Die irredentistischen Bestrebungen der Rumänen auf diese Provinz sind lächerlich, wenn man bedenkt, dass sie nur einen winzigen 1,3 % Teil der Bevölkerung der Vojvodina darstellen. Die Bunjewatzen (die Kroaten gleichgesetzt werden) und die Russländer stellen einen noch geringeren Anteil an der Gesamtbevölkerung dar.

Kolinda Grabar-Kitarović verbrachte ihre ganze Kindheit in den Vereinigten Staaten. 1993 trat sie dem kroatischen Ministerium für auswärtige Angelegenheiten bei und wurde 2003 zum Mitglied des Parlaments gewählt. Sie wurde Minister für europäische Integration, dann Botschafterin in den Vereinigten Staaten und schließlich stellvertretende Generalsekretärin der NATO. Sie wird zum Präsidenten von Kroatien gewählt, Funktion welche sie ab dem 15. Februar 2015 ausübt. Sie ist Mitglied der Trilaterale Kommission.

Nach ihrem sehr knappen Sieg über den derzeitigen kroatischen Präsident Ivo Josipović mit fragwürdigem Vorsprung, manche würden sagen so etwas wie ein 50-49 von Soros ausgearbeiteter Prozentsatz, hat Grabar-Kitarović keine Zeit verschwendet, um in ihrer Wahlsiegrede Serbien den Fehdehandschuh zuzuwerfen. Sie sagte, dass sie für die Autonomie der Kroaten in der Vojvodina kämpfen werde, in ’codierter Sprache’, d.h., dass sie die Sezession des Gebietes von Serbien unterstützen wird. Grabar-Kitarović hat auch angekündigt, sie würde die Beziehungen mit Deutschland wieder herstellen, was nicht sehr verwunderlich ist angesichts der historischen Wechselwirkungen von ihrer Partei, der kroatischen demokratischen Gemeinschaft (HDZ), Partei der kroatischen Ustaschi, die einen Marionetten Staat unter dem ’Dritten Reich’ geschaffen haben. Der Irredentismus von Grabar-Kitarović hinsichtlich der Vojvodina-Kroaten, vor allem im kroatischen Mehrheits-Umkreis von Sirmium und in Herzegowina, im aktuellen Bosnien und Herzegowina, stellt dar, was man als Neo-Ustaschismus (Nationalsozialismus) im aktuellen Kroatien bezeichnet.

Grabar-Kitarović reagierte zudem negativ auf die jüngste Entscheidung des Internationalen Gerichtshofs (IGH) in Den Haag, der die gegen Serbien eingereichte Klage für Völkermord während des Krieges von 1991-1995 zwischen Kroatien und der damals von Serbien dominierten Bundesrepublik Jugoslawien zurückwies. Der IGH lehnte auch die Gegenanklage von Serbien wegen Völkermord gegen Kroatien ab, Völkermord der von kroatischen Truppen, unterstützt von US-Söldnern, während der Operation "Tempest" begangen worden wäre. Dieser Blitz-Krieg der kroatischen Truppen und ihrer US-Berater gegen die Serbische Republik Krajina im Osten Kroatiens, wurde durchgeführt, um die östlichen kroatischen Regionen von Serben ethnisch zu säubern.

Jadranka Jureško-Kero sollte zum Premierminister von Kroatien ernannt werden

Und um ein neues Beispiel für die engen Verbindungen zwischen Neonazismus und Zionismus aufzuzeigen, ist die politische Beraterin von Grabar-Kitarović, Leiterin der Übergangs-Macht, und Dokumentarfilmer Jadranka Jureško-Kero, ebenfalls ein US-Implantat in den Regierungs-Strukturen von Osteuropa, welche Israel und die zionistische Sache leidenschaftlich unterstützt. Jureško-Kero hat im Upper East-Side in Manhattan seit 1999 gewohnt und ist mit Domagoj Kero verheiratet. Man weiß, dass falls die HDZ in den bevorstehenden Parlamentswahlen triumphiert, Grabar-Kitarović Frau Juresko zu ihrem Premierminister machen wird, was der Nation ein weibliches Regierungs-Duett geben wird. Als sie Botschafterin in den Vereinigten Staaten war, hat Grabar-Kitarović ein Handelsabkommen zwischen der großen kroatischen Nahrungs-Firma Podravka und den US-Vertreibern für kroatisches Rindsgulasch und Huhn Pastete abgeschlossen. Es trifft sich gut, dass die nordamerikanischen Aktivitäten von Podravka von dem Ehemann von Jadranka Jureško-Kero, Domagoj Kero, dem ehemaligen Kroatischen Generalkonsul in New York geleitet werden.

Grabar-Kitarović und ihre neokonservativen Verbündeten wiederholen den jetzt häufiger in der Vojvodina hörbaren Refrain, wonach die Region historisch nie serbisch gewesen sei, sondern vor dem ersten Weltkrieg dem österreichisch-ungarischen Reich angehörte. Und in einem Remake des in der östlichen Ukraine Geschehenen, nach dem gemeinsam von den Zionisten und Neonazis geführten Putsch gegen den demokratisch gewählten Präsidenten, Viktor Janukowitsch, wird die serbische Sprache und das kyrillische Alphabet in der Vojvodina auf Wunsch der nicht-Serben überschattet, um diese Region in eine deutsch-ungarische Nation mit lateinischem Alphabet umzubauen. Dabei haben die Separatisten der Vojvodina die offene Unterstützung von Victor Orban und von dem neuen deutsch-stämmigen Präsidenten Rumäniens, Klaus Iohannis.

Die Zeichen, die darauf hinweisen, dass die Vojvodina das nächste Ziel der Allianz der Neokonservativen und von Soros ist, sind klar. Die Europäische Union verlegt die Albaner vom Kosovo, aus Mazedonien und Montenegro in diese Region. Wenn sie in Novi Sad ankommen, der "Hauptstadt" der Vojvodina, geben Gesprächspartner der EU den Albanern 35 Euro für ein Taxi, damit sie sich in der Provinz irgendwo niederlassen und einen Antrag für den ständigen Aufenthalt einreichen. Die letzte Volkszählung ergab nur 3360 Muslime in der Provinz. Die Transplantation von albanischen Muslimen aus anderen Teilen des ehemaligen Jugoslawien durch die EU wird jedoch Öl ins Feuer gießen, um eine pro-Unabhängigkeit-Rebellion im Stil des damaligen Kosovo auszulösen.

Die verschiedenen Agenturen von Soros und der Neocons sind hochaktiv in der Vojvodina. Es sind die National Endowment for Democracy [NED] und das Open Society Institute, von Soros. Bojan Pajtić, der Präsident der provinziellen Regierung von Vojvodina, der fließend Ungarisch und Englisch spricht, ist mit den Führungskräften der von Soros und der CIA finanzierten NGOs in gutem Verhältnis. Diese NGOs arbeiten mit der stellvertretenden Staatssekretärin für Europäische Angelegenheiten, Victoria Nuland, eng zusammen, welche Grabar-Kitarović in Kroatien zum Sieg verholfen hatte und bereit ist, mit der Komplizenschaft von professionellen Provokateuren, die vor kurzem aus Rumänien, Ungarn, Albanien und aus Roma-Lagern im Balkan gekommen sind, einen Krieg für die Unabhängigkeit der Vojvodina zu entfesseln.

Wenn die Ukraine irgendwie ein Modell dafür wäre, was Nuland und ihre Neo-konservativen mit der Vojvodina vorhaben, dann wird es die ethnische Reinigung der Provinz von den Serben sein und ein für westliche Öl- und Gasgesellschaften befreundetes Land schaffen, um die vorhandenen Kohlenwasserstoffreserven in der östlichen Vojvodina, einer Region namens Banat, auszunutzen.

Genauso wie der Kosovo Serbien entrissen wurde, um den Durchgang der Transbalkan-Pipeline zur erleichtern und den Vereinigten Staaten einen permanenten Militär-Stützpunkt im Camp Bondsteel zu liefern, soll eine unabhängige Vojvodina die NATO mit verfügbaren Erdöl und Erdgas Ressourcen im Banat versorgen und das fruchtbare Donaubecken der Herstellung von gentechnisch veränderten Lebensmitteln dienen. So wie die Ukraine ist die Vojvodina das Ziel des westlichen Militär-kommerziellen Komplexes für die Ausbeutung von Kohlenwasserstoffen und das Agro-Business von Monsanto.

Was derzeit in der Vojvodina passiert, ist nichts anderes als eine demographische Manipulation; ein Versuch, die serbische Bevölkerung in der Weise auszugrenzen, wie die in Enklaven lebenden Serben in Zubin Potok, Zvečan und Kosovska Mitrovica und Leposavić im Norden des Kosovo ganz vergessen wurden, als die EU in Überstürzung den Kosovo zu einem unabhängigen albanischen Staat deklarierte.

Derzeit haben die NATO und andere westliche Provokateure die ukrainischen Städte von Lugansk, Donezk und Mariupol auf die Titelseite der Weltpresse als Konflikt-Zonen gesetzt. Wenn die neokonservativen Dämonen wie Grabar-Kitarović, Jureško-Kero und Nuland ihr Ziel erreichen, werden bald Geschichten über Blutvergießen aus Novi Sad, Sremska Mitrovica, Kanjiza und Subotica gemeldet werden, aus Städten, die auf der ethnischen Trennungslinie in der Vojvodina liegen.

Voltaire Netzwerk

Übersetzung
Horst Frohlich

Quelle
Strategic Culture Foundation (Russland)

Mittwoch, 18. Februar 2015

Unser Terror wird uns mit Terror heimgezahlt

Von Chris Hedges
thruthdig, 08.02.15
Wir verbrennen Familien in ihren Häusern – mit Raketen, die wir vom Himmel auf sie abfeuern. Die ISIS-Kämpfer verbrennen einen gefangenen Piloten, der in einem Käfig kauert. Wir foltern in unseren "Black Sites" (geheimen Kerkern) Gefangene zu Tode, indem wir ihnen Lumpen in die Hälse stopfen [s. hier]. Sie foltern Geiseln in schmutzigen Schuppen und enthaupten sie. Wir organisieren schiitische Killertrupps, die Sunniten töten. Sie organisieren sunnitische Killertrupps, die Schiiten töten. Wir produzieren für viel Geld Filme wie "American Sniper", um unsere Kriegsverbrechen zu verherrlichen. Sie drehen grausame Videos, um ihre obskure Version des Dschihad zu glorifizieren.

Die Barbarei, die wir verurteilen, ist die Barbarei, die wir selbst begehen. Wir benutzen nur eine andere Technologie als der ISIS, der Islamische Staat im Irak und in Syrien, sind moralisch aber nicht besser als er. Wir sind genau so schlimm, wie diejenigen, die wir bekämpfen.

"Gewalt gebiert immer nur neue Gewalt," schrieb Primo Levi, "und wie ein Pendel, das immer weiter ausschlägt, nimmt auch die Gewalt stets zu."

Die von ISIS-Kämpfern zu verantwortende Verbrennung des Leutnants Muath Al-Kaseasbeh der jordanischen Luftwaffe, der mit seiner F-16 in der Nähe von Rakka in Syrien abgestürzt ist, war ebenso grausam, wie die Tötung eines Gladiators in einem römischen Amphitheater. Und das sollte sie auch sein. Spektakuläre Tötungen gehören nun einmal zum Krieg. Wenn der ISIS Kampfjets, Raketen, Drohnen und schwere Artillerie hätte und Städte in den USA bombardieren könnte, hätte er vermutlich keinen festgenommenen Piloten verbrannt. Dann würde auch der ISIS – wie wir – Menschen aus mehreren tausend Fuß Höhe anzünden und verbrennen. Da der ISIS aber nicht über solche Hightech-Waffen verfügt, zeigt er der Welt im Kleinen, was wir den Menschen im Mittleren Osten in viel größerem Ausmaß seit Jahren antun. Das ISIS-Verfahren ist direkter. Das Ergebnis ist aber das gleiche.

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
Wenn Terror wirken soll, muss er choreografiert werden. Erinnern Sie sich noch an den "Shock and Awe" (Schock und Entsetzen) verbreitenden Überfall auf den Irak? Terror muss gesehen und gefühlt werden, damit er seine volle Wirkung entfalten kann. Terror braucht grauenhafte Bilder. Terror muss lähmende Angst hervorrufen. Terror verlangt leidende Familien, Berge verstümmelter Leichen. Terror braucht flehende Appelle hilfloser Geiseln und Gefangener. Der Dialog des Krieges besteht aus zwischen den Gegnern ausgetauschten Terrorbotschaften. Terror soll eine Welle aus Wut, Entsetzen, Rachedurst, Schmerz, Ekel, Mitgefühl, Frustration und Ohnmacht auslösen. Terror soll Zivilisten und Kämpfer schockieren. Terror erhebt die Gewalt zur Tugend und versucht sie mit hohen Idealen zu rechtfertigen. Terror soll einen Totentanz auslösen und die Gesellschaft in einen irrsinnigen Blutrausch stürzen.

Während des Bosnien-Krieges in den 1990er Jahren bezahlten Verwandte Unsummen, um die Körper ihrer getöteten Söhne oder Männer wiederzubekommen, die Leichenhändler der anderen Seite feilboten. Sie zahlten sogar noch mehr, um ihre gefangenen Söhne oder Männer lebend freizukaufen. Dieser Menschenhandel ist so alt wie der Krieg selbst. Auch die Menschen in unseren "Black Sides" oder in den Händen der IS-Kämpfer sind Faustpfänder des Krieges.

Nicht alle Geiseln oder Gefangenen rufen die gleiche nationale Empörung hervor. Nicht alle haben den gleichen Preis, und nicht alle werden freigekauft. Die kolumbianischen FARC-Kämpfer haben das Kidnapping von Geiseln und die Erpressung von Lösegeld zu einem einträglichen Geschäft gemacht und zu diesem Zweck Hunderte von Geiseln genommen. Bei sehr Prominenten wie Ingrid Betancourt [s. hier], die als Geisel genommen wurde, während sie sich um die kolumbianische Präsidentschaft bewarb und erst sechs Jahre später vom kolumbianischen Militär befreit werden konnte, geht es häufig nicht um Geld. Ihr Geld erpressten die FARC mit mittelpreisigen Geiseln – meist Polizisten oder Soldaten – und preiswerten Geiseln, unter denen sogar Bauern waren. Prominente Geiseln sind in einem Konflikt für beide Seiten oft wertvoller, wenn sie in Geiselhaft bleiben. Prominente Geiseln wie der ehemalige italienische Premierminister Aldo Moro, der 1978 von den Roten Brigaden gekidnappt und exekutiert worden sein soll, spielten auch schon im Kalten Krieg eine wichtige Rolle [weitere Infos hier und hier] Auch der in einem Erdloch aufgestöberte Saddam Hussein diente einem ähnlichen Zweck. Weil die Lösegeldforderungen für prominente Geiseln meist astronomisch hoch ausfallen, sind sie eigentlich schon vor ihrer Entführung zum Tod verurteilt. Ich vermute, das war auch bei dem US-Journalisten James Foley der Fall, der in Gefangenschaft enthauptet wurde. Die Forderungen seiner Entführer waren mit 100 Millionen Euro Lösegeld und der verlangten Freilassung zahlreicher von den USA festgehaltener radikaler Muslime so hoch, dass nicht mit deren Erfüllung gerechnet werden konnte.

Die jordanische Regierung hat es mit einer kleinen, aber gefährlichen islamistischen Bewegung im eigenen Land zu tun. Deshalb gibt es in der jordanischen Bevölkerung wie in den USA selbst große Besorgnis über die von den USA angeführten Luftangriffe auf den ISIS. Durch die Verbrennung des jordanischen Piloten wird nun die Behauptung der Regierungen der USA und Jordaniens gestützt, der Kampf gegen den ISIS sei ein Krieg zwischen friedlichen demokratischen Staaten und brutalen Dschihadisten – dabei ist Jordanien überhaupt keine Demokratie. Um die Unsicherheit in der Bevölkerung zu überwinden, wurde der Konflikt am Mittwoch dadurch verschärft, dass in Jordanien zwei Al-Qaida-Leute gehenkt wurden und jordanische Kampfjets die De-Facto-Hauptstadt des ISIS in Syrien bombardiert haben.

Sajida al-Rishawi, die gehenkte Frau, war bereits 2005 zum Tod verurteilt worden, weil sie an Anschlägen auf Hotels in Amman beteiligt war, bei denen 60 Menschen starben. Sie war eine Partnerin des in Jordanien geborenen Al-Qaida-Führers Abu Musab al-Zarkawi, der bereits 2006 im Irak getötet wurde. Der ISIS hat den jordanischen Piloten als Vergeltung für jordanische Luftangriffe verbrannt, und Jordanien hat mit der Vollstreckung von Todesurteilen und neuen Luftangriffen reagiert; das ist ein gutes Beispiel für die endlose Spirale, die entsteht, wenn Terror mit Terror vergolten wird. Die Mär, dass es dabei um einen Kampf des Guten gegen das Böse geht, wird als Begründung für die Fortsetzung der Kriegsgräuel unbedingt gebraucht. Der Feind muss unmenschlich erscheinen, damit die Bevölkerung die Fortsetzung des Blutvergießens akzeptiert. Terror ist ein bewährtes Mittel zur Erzeugung von Angst.

Frankreich und die meisten anderen europäischen Staaten verhalten sich ganz anders als die USA; sie verhandeln mit den Entführern und kaufen die Geiseln frei. Diese Praxis hat sich eingebürgert und es dem ISIS ermöglicht, mit Kidnapping viele Millionen Dollars zu ergattern – vermutlich sogar die Hälfte seiner Einnahmen. Die New York Times hat im Juli 2014 berichtet: "Al-Qaida und ihre direkten Ableger haben seit 2008 durch Kidnapping mindestens 125 Millionen Dollar eingenommen – allein im letzten Jahr 66 Millionen." Aber das Aushandeln und Zahlen von Lösegeldern hat Folgen. Weil man Franzosen und andere Europäer freikauft, werden sie auch häufiger als Geiseln genommen. Frankreich bleibt aber von den schrecklichen Bildern verschont, mit denen die zahlungsunwilligen USA leben müssen. Deshalb ist Frankreichs (bis zu dem Anschlag auf Charlie Hebdo) auch relativ vernünftig geblieben.

Terror dient den Interessen der Kriegstreiber auf beiden Seiten. Das war auch schon so während der 444-tägigen Geisel-Krise im Iran, die sich von 1979 bis 1981 hinzog. Jordanien hat den Zorn seiner Bevölkerung sofort ausgenutzt, um Vergeltung zu üben; Japan tat das (bisher) nicht, obwohl sogar zwei japanische Geiseln umgebracht wurden, weil es (noch) nicht militärisch in die Bekämpfung des ISIS involviert ist. Die Kriegstreiber in den USA haben die Ermordung Foleys genutzt, um die Ausweitung der Bombenangriffe gegen den ISIS durchzusetzen.

Der Terror, den wir selbst ausüben und der Terror der gegen uns ausgeübt wird, fördern beide die Bereitschaft zum Krieg. Mit Terrorakten lassen sich auch Rekruten für neue Kriege gewinnen. Wenn der ISIS nicht schon brutal wäre, hätte man ihn unbedingt brutalisieren müssen. Seine Brutalität können sowohl die Fanatiker, die wir bekämpfen, als auch die Fanatiker in unserer Mitte für ihre jeweilige Kriegspropaganda ausschlachten. Die Tragödie besteht darin, dass dabei so viele Unschuldige leiden müssen.

Mit dem Westen verbündete Regierungen im Mittleren Osten – wie die Jordaniens, des Iraks und Saudi-Arabiens – haben entsetzt registriert, wie sich der ISIS große Teile Syriens und des Iraks angeeignet und zu einem selbständigen Kalifat erklärt hat, das so groß wie Texas ist. Der ISIS hat es geschafft, sich durch Ölexporte und das Geschäft mit Geiseln finanziell unabhängig zu machen. Das von ihm kontrollierte Gebiet ist zum Mekka für Dschihadisten geworden. Der ISIS soll insgesamt über 12.000 ausländische Kämpfer, darunter 2.000 Europäer, verfügen.

Je länger sich das skrupellose Kalifat halten kann, desto bedrohlicher wird es für die mit dem Westen verbündeten Ländern in der Region. Der ISIS wird nicht in Staaten wie Saudi-Arabien und Jordanien einfallen, aber seine Existenz könnte Unzufriedene und Radikale in arabischen Ländern mit wirtschaftlichen Problemen zu Aufständen anstacheln. Deshalb sind die USA und ihre Verbündeten in der Region entschlossen, den ISIS von der Karte zu tilgen, bevor er zu destabilisierend wird. Terrordramen wird es so lange geben, wie der ISIS existiert, weil sie sowohl dem ISIS als auch den Staaten nützen, die ihn zerstören wollen.

Terror ist der Motor des Krieges. Deshalb produzieren alle an diesem Konflikt Beteiligten ständig neuen Terror.

Übersetzung: Luftpost-kl.de

Montag, 16. Februar 2015

Was ist Verschwörungstheorie, was ist Wahrheit?

Von Prof. Michel Chossudovsky
Global Research, 05.02.15
Obama ist auf dem Kriegspfad. Angeblich ist die westliche Zivilisation durch den Islamischen Staat "bedroht".

Der "Globale Krieg gegen den Terrorismus" wird als humanitäre Aktion verklärt.

Wegen der "Verpflichtung zum Schützen" wird "im Namen der Humanität" Krieg geführt.

"Wir müssen die üblen Burschen, die überall lauern, eliminieren," forderte George W. Bush.

Obamas militärische Planung wird mit einem riesigen Propagandaaufwand umgesetzt.

Eines der Hauptziele der Kriegspropaganda ist die "Erzeugung eines Feindbildes". Weil die politische Legitimation der Obama-Administration schwindet, müssen die aufkommenden Zweifel an der Existenz des von der CIA geschaffenen "äußeren Feindes" Al-Qaida und seines Netzwerkes von Ablegern zerstreut werden.

Durch bis zum Erbrechen in den Medien wiederholte Unterstellungen wird den Menschen ins Unterbewusstsein eingeträufelt, dass die Muslime die Sicherheit der westlichen Welt bedrohen.

"Humanitäre Kriege" werden an mehreren Fronten geführt: Russland, China und der Mittlere Osten sind derzeit die Hauptziele.

Fremdenfeindlichkeit und militärische Planung

Mit der Welle der Fremdenfeindlichkeit, die gegen die Muslime gerichtet ist und gerade über Westeuropa schwappt, werden geopolitische Absichten verfolgt. Sie ist Teil der militärischen Planung und soll den "Feind" dämonisieren.
Die islamischen Staaten besitzen mehr als 60 Prozent der Ölreserven der Welt, die USA hingegen kaum 2 Prozent. Der Irak hat fünfmal mehr Öl als die USA. [. hier]
Ein großer Teil der Ölreserven der Welt liegt in islamischen Ländern. Die USA führen Krieg gegen diese Länder, weil sie deren Öl stehlen und es selbst ausbeuten wollen. Dieses Ziel soll dadurch erreicht werden, dass diese Länder mit verdeckten Operationen angegriffen, wirtschaftlich destabilisiert und mit Krieg überzogen werden, damit ein Regimewechsel herbeigeführt werden kann.

Eine von den USA ausgehende Inquisition

Die Einstimmung auf einen Krieg gleicht dem Vorgehen bei der spanischen Inquisition. Die Bevölkerung muss die jeweils verfolgten Ziele widerstandslos akzeptieren. Deshalb propagiert die heutige Inquisition den Krieg als Mittel zum Verbreiten westlicher Werte und der Demokratie.

Das Gute muss das Böse besiegen. Deshalb müssen wir diese üblen Burschen bekämpfen.

Krieg ist Frieden. (s. hier)

Die "große Lüge" wird zur Wahrheit verklärt, und die Wahrheit wird als "Verschwörungstheorie" diffamiert.

Wer der Wahrheit verpflichtet ist, wird als "Sympathisant von Terroristen" abgestempelt.

Paul Craig Roberts hat schon 2011 festgestellt, das Wort "Verschwörungstheorie" sei im Stile Orwells umdefiniert worden:
"Verschwörungstheorie" wird nicht mehr als mögliche Erklärung eines Komplotts verstanden; als Verschwörungstheorien werden jetzt alle Erklärungen und sogar Tatsachen abqualifiziert, die nicht mit Erklärungen der Regierung oder von der Regierung in die Medien lancierten Meldungen übereinstimmen.

Mit anderen Worten, wenn die Wahrheit der Regierung und deren Propagandisten in den Medien nicht passt, wird sie als absurde "Verschwörungstheorie" diffamiert, über die man nur lachen kann und die man ignorieren sollte.
Fiktionen werden zu Tatsachen.

Recherchierende Journalisten sind unerwünscht.

Eine auf Tatsachen basierende Analyse sozialer, politischer und wirtschaftlicher Probleme wird als "Verschwörungstheorie" abgetan, weil sie eine Übereinkunft stört, die auf Lügen basiert.

Was ist die Wahrheit?

Die wirkliche Bedrohung für die globale Sicherheit geht von der Allianz aus USA, Nato und Israel aus. In einer von der Inquisition geprägten westlichen Welt wird jedoch alles auf den Kopf gestellt: Die Kriegstreiber verkleiden sich als Friedenstauben, und den Kriegsopfern wird die Schuld am Krieg zugeschoben.

Wer soll eigentlich den Westen bedrohen?

Medien, Intellektuelle, Wissenschaftler und Politiker bestreiten im Chor die offensichtliche Wahrheit, dass die Menschheit vor allem durch die Kriege der USA und der NATO gefährdet wird.

Wenn die Lüge zur Wahrheit erhoben wird, ist eine Umkehr nicht mehr möglich.

Wenn Krieg als humanitäre Aktion verkauft werden kann, haben die Gerechtigkeit und das internationale Rechtssystem ausgespielt: Der Pazifismus und die Antikriegsbewegung können dann kriminalisiert werden. Widerstand gegen den Krieg wird zum Verbrechen, und die Kriegsverbrecher in hohen Ämtern können eine Hexenjagd auf diejenigen veranstalten, die sich ihnen in den Weg stellen.

Die große Lüge Krieg muss als das entlarvt werden, was sie ist und was sie anrichtet.

Sie erlaubt die unterschiedslose Ermordung von Kindern, Frauen und Männern.

Sie zerstört Familien und Völker. Sie zerstört die Solidarität unter den Menschen.

Sie hindert die Menschen daran, Mitleid mit denen zu haben, die leiden. Sie lässt die Unterdrückung und den Polizeistaat als alternativlos erscheinen.

Sie zerstört sowohl den Zusammenhalt eines Volkes als auch die Partnerschaft der Völker untereinander.

Wenn wir die große Lüge Krieg entlarven, stoppen wir das verbrecherische Projekt der globalen Zerstörung, in dem nur der Profit zählt.

Die nur auf Profit ausgerichtete militärische Planung zerstört alle menschlichen Werte und macht die Menschen zu gefühllosen Monstern.

Lasst uns für eine Zeitenwende eintreten!

Lasst uns die Kriegsverbrecher in den hohen Ämtern und die mächtigen Lobbyisten der Konzerne, die sie stützen, aufhalten!

Lasst uns die militärischen Kreuzzüge der USA, der NATO und Israels stoppen!

Lasst uns die Waffenfabriken und Militärbasen schließen!

Lasst uns alle Soldaten nach Hause holen!

Soldaten, verweigert die Befehle und lasst euch nicht länger für verbrecherische Kriege missbrauchen!

Übersetzung: Luftpost-kl.de

Bedrohlich ist das Volk für die Herrschenden, wenn es ohne Furcht ist. (Tacitus)

Mittwoch, 11. Februar 2015

Der Kapitalismus tötet die Erde und ihre Bewohner

Finian Cunningham
Press TV, 31.01.15
Der britische Wissenschaftler und Autor Finian Cunningham untersucht die verheerenden Folgen des Frackings und anderer kapitalistischer Ausbeutungspraktiken.

"I see a bad moon rising                               (Ich sehe einen bösen Mond aufgehen,  
I see trouble on the way ich sehe,                 dass sich Unheil ankündigt,
I see earthquakes and lightning                     ich sehe, wie die Erde bebt und Blitze einschlagen,   
I see hard times today"                                  ich sehe schlimme Zeiten heraufziehen.)


John Fogerty / Creedence Clearwater Revival, Bad Moon Rising, 1969

John Fogertys klassischer Rocksong "Bad Moon Rising" aus den 1960er Jahren wirkt wie ein vorweggenommener Soundtrack für das, was sich heute im Mittlerem Westen der USA abspielt.

In Oklahoma und anderen Staaten des Mittleren Westens sind Erdbeben zu alltäglichen Vorkommnissen geworden. In der Vergangenheit gab es höchstens ein oder zwei Beben pro Jahr. Nach offiziellen seismologischen Aufzeichnungen bebt die Erde in dieser Region jetzt mehr als 500 mal im Jahr. Bis jetzt hat noch kein großes Beben stattgefunden. Die meisten Beben haben die Stärke 3 bis 5 auf der Richterskala. Es scheint aber nur eine Frage der Zeit zu sein, bis die Erde mit einem todbringenden großen Beben zurückschlägt.

In dieser Woche hat die Washington Post von weit verbreiteten strukturellen Schäden und zahlreichen Verletzten berichtet, die auf die vielen Erdbeben in Oklahoma zurückzuführen sind. Die Angst der Bewohner Oklahomas vor einer großen Katastrophe nimmt ständig zu.

"Erdbeben gibt es jetzt fast jeden Tag, die Wände kriegen Risse, die Bodenfliesen zerspringen und das Geschirr in den Schränken scheppert. Am Montag bebte die Erde in 24 Stunden in Guthrie (der Stadt, die durch den Run auf eigentlich den Indianern gehörendes Land bekannt wurde (s. hier), dreimal hintereinander so heftig, als wolle sie untergehen," berichtete Lori Montgomery für die Washington Post.

"Man kann schon nicht mehr unterscheiden, ob es sich um ein Vor- oder Nachbeben handelt. Der Boden ist ständig in Bewegung," erzählte ein Einwohner. "Die Leute sind sehr frustriert und leben ständig in Angst."

Die Öl- und Gasindustrie sieht natürlich keinerlei Zusammenhang zwischen ihrer ständigen Bohrtätigkeit und dem neuen geologischen Phänomen. Die nur auf ihren Profit bedachten Kapitalisten sind allerdings keine vertrauenswürdige Quelle. Sie behaupten, die derzeit im Mittleren Westen gehäuft auftretenden seismologischen Beben träten im Rahmen "zyklisch wechselnder auf- und abschwellender Bewegungen der Erdoberfläche" auf. Das ist kein Trost für die Millionen Menschen in Städten und Dörfern mit dichter Bebauung, deren (einsturzgefährdete) Häuser durch hohe Hypotheken belastet sind, und die zu einem großen Teil in Hochhäusern arbeiten.

Unabhängig davon, was die kapitalistischen Auftraggeber und die von ihnen bestochenen Politiker sagen, bebt die Erde zweifellos wegen der neuen Fördermethode des "Hydraulic Fracturing" (Fracking). Dabei werden flüssige Chemikalien unter extrem hohem Druck in tiefe Bohrlöcher eingepresst, um Schiefertonschichten aufzubrechen und das darin eingeschlossene Erdgas oder Erdöl freizusetzen.

Die Bohrlöcher sind bis zu 10.000 Fuß (3.048 m) tief, und die Hochdruck-Frackingflüssigkeit enthält Hunderte organischer Chemikalien, die das Rohöl aus den Spalten drücken. Während die Kohlenwasserstoffe und die Gewinne für die US-Energiekonzerne sprudeln, erleiden die Menschen und die Umwelt irreparable "Kollateralschäden".
Fracking ist zum neuen El Dorado für die Öl- und Gasindustrie geworden; es verspricht lukrative Gewinne und die Wiederbelebung der stagnierenden Wirtschaft. Die in dieser neuen Fördertechnik weltweit führenden USA wollen damit das kapitalistische Wirtschaftssystem und ihre globale Vorherrschaft retten.
Die Ukraine-Krise wurde zum Beispiel hauptsächlich deshalb provoziert, weil die USA Russland als wichtigsten Energielieferanten Europas ablösen wollen. Fracking ist so etwas wie der "Heilige Gral" für Washingtons globalen Machtanspruch.

Aber wie die meisten hochfliegenden Pläne hat auch dieser nicht nur einen, sondern gleich mehrere fatale Haken. Durch das Fracking werden nicht nur Erdbeben ausgelöst, auch das Grundwasser wird verunreinigt. Die Fracking-Flüssigkeit enthält bis zu 600 verschiedene Chemikalien wie Quecksilber und Äthylen-Glykol; einige Chemikalien sind sogar krebserregend.

Millionen Barrels flüssiger Chemikalien müssen in die Erde gepresst werden, um die gleiche Menge Gas oder Erdöl freizusetzen. Diese Chemikalien sickern natürlich auch ins Grundwasser und gelangen von dort in die Trinkwasserversorgung. Das natürliche Methangas, das beim Fracking entweicht, wird nicht vollständig aufgefangen. Es dringt auch ins Grundwasser und von dort bis in den häuslichen Wasserhahn vor; im Mittleren Westen der USA gibt es Haushalte, in denen man das aus dem Hahn strömende Wasser anzünden kann.

In den USA und besonders in Oklahoma, Texas, Ohio und Arkansas gibt es bereits 500.000 dieser tiefen Bohrlöcher. Bis jetzt konnte die Öl- und Gasindustrie hohe Profite und Aktiengewinne erzielen, und in den genannten Staaten sind auch neue Jobs entstanden und Einkommenszuwächse zu verzeichnen. Aber die schwerwiegenden Folgen für die Menschen und die Umwelt werden immer offensichtlicher. Die Millionen Menschen, die in gefährdeten Häusern und Büros leben und arbeiten, müssen mit riesigen Folgekosten rechnen.

So ist das eben im Kapitalismus. Der Erzielung privater Profite, haben sich alle anderen Bedürfnisse unterzuordnen. Dass die Menschen durch das vergiftete Trinkwasser erkranken und ganze Ökosysteme zerstört werden, ist im Kapitalismus irrelevant. Nur der Profit zählt – dabei ist es gleichgültig, wie irrsinnig, ungerecht und zerstörerisch sich der Kapitalismus gebärdet.

In Oklahoma wurden 2014 über 550 Erdbeben registriert. In den 1930er Jahren erlebte dieser in der "Dust Bowl" (Staubschüssel,) gelegene US-Staat mit den roten Staubstürmen schon einmal eine ökologische Katastrophe. Damals verloren Millionen Familien ihr Ackerland und wurden zu entwurzelten Wanderarbeitern, weil jahrelanger landwirtschaftlicher Raubbau den Boden so ausgelaugt hatte, dass ihn der Wind in riesigen Staubwolken wegblies. Die Banken nahmen den zahlungsunfähigen Familien ihre Farmen weg. Die industriell betriebene Landwirtschaft und das kapitalistische Profitstreben waren die primären Ursachen für die Erosion des Ackerbodens.

In seinem 1939 veröffentlichten Roman "Die Früchte des Zorns" hat (Nobelpreisträger) John Steinbeck die Existenzangst und das Leiden der Menschen in Oklahoma und anderen Staaten im Mittlerem Westen beschrieben, die sich während der Weltwirtschaftskrise in Kalifornien als Landarbeiter durchschlagen mussten. Total verarmt und krank vor Hunger erlitten viele einen qualvollen Tod. Und die Überlebenden wurden immer wieder von brutalen Polizisten verprügelt.
Acht Jahrzehnte danach haben die USA noch immer keine Lehren daraus gezogen. Der Kapitalismus tötet auch heute noch die Erde und ihre Bewohner. Wie viele Katastrophen bringt dieses barbarische, irrsinnige Wirtschaftssystem noch hervor? Werden wir es noch rechtzeitig abschaffen, bevor es uns alle umbringt?
Aber es geht ja nicht nur um die rücksichtslose Ausbeutung der Öl- und Gasvorkommen oder (die Genmanipulation in) der Landwirtschaft. Der Kapitalismus hat auch den Imperialismus mit all seinen Konflikten und Kriegen geschaffen. Jeder kann den Konfrontationskurs erkennen, den die USA gegen Russland steuern. Die Ukraine-Krise wurde von US-Imperialisten und ihren europäischen Vasallen provoziert. Der Kapitalismus und das ungebremste imperialistische Expansionsstreben könnten einen Atomkrieg auslösen; die US-Imperialisten haben sich in ihrer kapitalistischen Logik ja schon 1945 nicht vom Abwurf von Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki zurückhalten lassen.

Der Angriff auf die Ostukraine ist ja nur deshalb erfolgt, weil auch in Neurussland Erdöl und Gas durch Fracking gewonnen werden sollen – von der Burisma Company, deren Vorstand auch Hunter Biden, der Sohn des US-Vizepräsidenten Joe Biden, angehört.

Damit schließt sich der Kreis. Für ein paar lausige Dollars bringen US-Kapitalisten zu Hause und auf der ganzen Welt Menschen um. Warum lassen sich die Menschen das gefallen?

Finian Cunningham wurde 1963 geboren und hat in mehreren Sprachen viele Artikel über internationale Angelegenheiten veröffentlicht. Er ist Master der Agrarchemie und hat – bevor er für Zeitungen zu schreiben begann – als wissenschaftlicher Redakteur für die Royal Society of Chemistry im englischen Cambridge gearbeitet. Er ist auch Musiker und Songschreiber. Fast 20 Jahre lang hat er als Redakteur und Autor für The Mirror, die Irish Times und The Independent gearbeitet. Er stammt aus der nordirischen Hauptstadt Belfast, lebt und arbeitet jetzt aber als unabhängiger Journalist in Ostafrika und schreibt Kolumnen für (die iranische Webseite) Press TV und die Moskauer Strategic Culture Foundation.

Übersetzung: Luftpost-kl.de

Montag, 9. Februar 2015

Die Rede des russischen Außenministers Sergej Lawrow bei der 51. Münchner Sicherheitskonferenz am 7. Februar 2015

Bild: Wikimedia, CC BY 3.0 de
Fotograf: Tobias Kleinschmidt
Sehr geehrte Damen und Herren,

Herr Wolfgang Ischinger hat das Thema „Kollaps der Weltentwicklung“ auf die Tagesordnung gesetzt. Man muss zustimmen, dass die Ereignisse bei weitem nicht nach einem optimistischen Szenario verlaufen. Aber die Argumentation mancher unserer Kollegen, es sei zu einem plötzlichen und schnellen Zusammenbruch der seit Jahrzehnten herrschenden Weltordnung gekommen, können so nicht hingenommen werden.

Es ist eher umgekehrt – die Ereignisse des letzten Jahres haben gezeigt, dass unsere Warnungen hinsichtlich der Existenz von tiefen Systemproblemen bei der Organisation der europäischen Sicherheit und in den internationalen Beziehungen im Ganzen gerechtfertigt waren. Ich möchte an die Rede des russischen Präsidenten Wladimir Putin erinnern, die er von dieser Tribüne vor acht Jahren gehalten hat.

Die Konstruktion der Stabilität, die sich auf die UN-Satzung und die Prinzipien von Helsinki gestützt hat, ist schon lange untergraben worden – durch die Handlungen der USA und ihrer Verbündeten in Jugoslawien (die Bombardements dort), im Irak, in Libyen, mit der Erweiterung der Nato nach Osten und der Schaffung von neuen Demarkationslinien. Das Projekt der Errichtung eines „europäischen Hauses“ ist gerade deshalb nicht umgesetzt worden, weil unsere Partner im Westen sich nicht von den Interessen der Schaffung einer offenen Sicherheitsarchitektur bei geneseitiger Achtung der Interessen leiten ließen, sondern von den Illusionen und Überzeugungen der Sieger im Kalten Krieg. Die im Rahmen der OSZE und des Russland-Nato-Rates feierlich angenommenen Verpflichtungen, die eigene Sicherheit nicht auf Kosten der Sicherheit der anderen zu gewährleisten, wurden in der Praxis ignoriert.

Das Problem der Raketenabwehr ist ein schillerndes Beispiel für den destruktiven Einfluss einseitiger Schritte auf dem Gebiet militärischer Aktivitäten, die den elementaren Interessen anderer Staaten zuwiderlaufen. Unsere Angebote zur gemeinsamen Arbeit bei der Raketenabwehr wurden zurückgewiesen. Stattdessen wurde uns vorgeschlagen, bei der Schaffung der globalen amerikanischen Raketenabwehr mitzumachen, streng nach den Richtlinien aus Washington. Wie wir schon mehrmals betont und anhand von Tatsachen erklärt haben, birgt diese Raketenabwehr reelle Risiken für die russischen Kräfte der atomaren Eindämmung.

Jede beliebige Handlung, die die strategische Stabilität untergräbt, zieht unweigerlich Gegenmaßnahmen nach sich. Damit wird dem gesamten System der internationalen Verträge auf dem Gebiet der Waffen-Kontrolle, deren Lebensfähigkeit unmittelbar vom Faktor der Raketenabwehr abhängt, ein langfristiger Schaden zugefügt.

Wir verstehen nicht einmal, womit diese amerikanische Obsession, eine globale Raketenabwehr zu schaffen, zusammenhängt. Mit dem Streben nach unanfechtbarer militärischer Vorherrschaft? Mit dem Glauben an die Möglichkeit, Probleme technisch zu lösen, die ihrem Wesen nach politische sind? Wie dem auch sei: die Raketengefahren haben nicht abgenommen, aber im Euro-Atlantik ist ein starker Reizfaktor entstanden, den zu überwinden sehr viel Zeit brauchen wird. Wir sind dazu bereit. Ein anderer destabilisierender Faktor war die Weigerung der USA und anderer Nato-Mitglieder, die Vereinbarung über die Anpassung des Vertrags über Konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE) zu ratifizieren, und das hat diesen Vertrag begraben.

Dabei versuchen unsere amerikanischen Kollegen in jeder von ihnen selbst geschaffenen schwierigen Situation, die Schuld auf Russland abzuwälzen. Nehmen wir die in letzter Zeit aufgelebten Diskussionen um den Vertrag über nukleare Mittelstreckensysteme (INF). Die Experten sind gut mit den Handlungen der USA vertraut, die dem Geist und den Buchstaben dieses Dokuments entgegenlaufen. So hat Washington im Rahmen der Errichtung eines globalen Raketenabwehrsystems ein großangelegtes Programm zur Schaffung von Zielflugkörpern entfaltet, deren Charakteristiken analog mit durch den INF-Vertrag verbotenen landgestützten ballistischen Raketen sind oder diesen sehr nahe kommen. Die von den USA breit verwendeten Kampfdrohnen fallen unter die vertraglich festgelegte Definition von landgestützten Flügelraketen mittlerer Reichweite. Der Vertrag verbietet ausdrücklich Abschussvorrichtungen für Abfangflugkörper, die bald in Rumänien und Polen aufgestellt werden sollen, denn von ihnen können Flügelraketen mittlerer Reichweite gestartet werden.

Die amerikanischen Kollegen weigern sich, diese Fakten anzuerkennen und behaupten, sie hätten „begründete“ Vorwürfe gegen Russland hinsichtlich des INF-Vertrags, aber sie bemühen sich, Konkretes außen vor zu lassen.

Unter Berücksichtigung dieser und vieler anderer Faktoren zu versuchen, die jetzige Krise mit den Ereignissen des letzten Jahres in Zusammenhang zu bringen, bedeutet unserer Meinung nach, sich einer gefährlichen Selbsttäuschung hinzugeben.

Es kommt zur Kulmination des im letzten Vierteljahrhundert von unseren westlichen Kollegen gefahrenen Kurses auf die Bewahrung ihrer dominanten Stellung in den Weltangelegenheiten und die Ergreifung des geopolitischen Raums in Europa mit allen Mitteln. Von den GUS-Staaten – unseren nächsten Nachbarn, die mit uns seit Jahrhunderten wirtschaftlich, humanitär, historisch, kulturell und sogar familiär verbunden sind – wird die Wahl gefordert: „entweder mit dem Westen oder gegen den Westen“. Das ist die Logik eines Spiels mit Null-Resultat, das alle doch eigentlich als Teil der Vergangenheit hinter sich lassen wollten.

Auch die strategische Partnerschaft zwischen Russland und der Europäischen Union, die der Entwicklung von Mechanismen den Weg der Konfrontation des gegenseitig vorteilhaften Handelns vorgezogen hat, hat die Härteprüfungen nicht überstanden. Da muss man natürlich an die nicht wahrgenommene Möglichkeit der Umsetzung der im Juni 2010 in Merseburg von Kanzlerin Merkel vorgeschlagenen Initiative zur Einrichtung eines Russland-EU-Ausschusses zu außenpolitischen und Sicherheitsfragen auf der Ebene der Außenminister denken. Russland hat diese Idee unterstützt, die Europäische Union hat sie aber verworfen. Ein solcher Mechanismus des ständigen Dialogs (wenn er denn geschaffen worden wäre) hätte es erlaubt, operativer und effektiver Probleme anzugehen und rechtzeitig gegenseitige Besorgtheiten aus dem Weg zu räumen.

Was die Ukraine betrifft, haben unsere amerikanischen Kollegen und unter ihrem Einfluss auch die Europäische Union in jeder Etappe der Entwicklung der Krise Schritte unternommen, die zur Eskalation führten. So war es, als die EU sich weigerte, unter Beteiligung Russlands die Folgen der Einführung des Wirtschaftsteils des Assoziierungsabkommens mit der Ukraine zu erörtern, und davor ging es um die gegen die Regierung gerichteten Unruhen. So war es auch, als die westlichen Partner den Kiewer Behörden ein ums andere Mal „Ablassbriefe“ erteilten, und Kiew statt das Versprechen zu erfüllen, einen gesamtnationalen Dialog aufzunehmen, eine großangelegte Militäroperation begann, wobei es die eigenen Bürger, die mit dem verfassungswidrigen Machtwechsel und den ultranationalen Exzessen nicht einverstanden waren, zu „Terroristen“ stempelte.

Wir können uns nur sehr schwer erklären, warum sich die universellen Prinzipien der Regelung von inneren Konflikten, die vor allem einen inklusiven politischen Dialog zwischen den Protagonisten vorsehen, im Bewusstsein vieler unserer Kollegen nicht auf die Ukraine erstrecken. Warum unsere Partner zum Beispiel hinsichtlich Afghanistan, Libyen, Irak, Jemen, Mali und Südsudan die Regierungen hartnäckig dazu aufrufen, sich mit der Opposition, mit Aufständischen und in manchen Fällen auch mit Extremisten zu einigen – und bezüglich der Krise in der Ukraine anders auftreten, indem sie bei der Gewaltoperation Kiews Nachsicht zeigen, bis hin zur Rechtfertigung der Anwendung von Kassettenbomben.

Leider sind unsere westlichen Kollegen geneigt, vor allem die Augen zu verschließen, was die Kiewer Behörden sagen und machen, das Entfachen von fremdenfeindlichen Stimmungen eingeschlossen. Ich erlaube mir ein Zitat: „Der ukrainische Sozialnationalismus sieht die ukrainische Nation als Blut- und Rassegemeinschaft.“ Und weiter: „Die Frage der totalen Ukrainisierung im künftigen sozialnationalistischen Staat wird im Laufe von drei bis sechs Monaten mit Hilfe einer harten und ausgewogenen Staatspolitik gelöst werden.“ Autor ist der Abgeordnete der Obersten Rada Andrej Bilezki – Befehlshaber des Regiments „Asow“, das aktiv an den Kampfhandlungen im Donbass teilnimmt. Auch andere in die Politik und an die Macht gestürmten Leute wie D. Jarosch, O. Tjagnibok und O. Ljaschko, der Leiter der in der Obersten Rada vertretenen Radikalen Partei, traten in der Öffentlichkeit wiederholt für eine ethnische Säuberung der Ukraine und die Vernichtung von Russen und Juden ein. Diese Äußerungen haben in den westlichen Hauptstädten überhaupt keine Reaktion hervorgerufen. Ich denke nicht, dass das heutige Europa sich erlauben kann, die Gefahr der Verbreitung des neonazistischen Virus zu ignorieren.

Die ukrainische Krise kann nicht mit militärischer Gewalt geregelt werden. Das wurde im letzten Sommer deutlich, als die Situation auf dem Kriegsschauplatz dazu zwang, die Minsker Vereinbarungen zu unterzeichnen. Das zeigt sich auch jetzt, wo der nächste Versuch, einen militärischen Sieg zu erringen, zum Erliegen kommt. Aber ungeachtet dessen ertönen in einer Reihe westlicher Länder immer lauter Appelle, die Unterstützung für den Kurs Kiews hin zur Militarisierung der Gesellschaft und des Staates zu verstärken, die Ukraine mit todbringenden Waffen „vollzupumpen“ und in die Nato zu ziehen. Hoffnung macht die immer stärker werdende Opposition gegen diese Pläne in Europa, die die Tragödie des ukrainischen Volkes nur noch verschlimmern können.

Russland wird auch in Zukunft für eine Friedensregelung einstehen. Wir treten konsequent für die Einstellung der Kampfhandlungen, den Abzug schwerer Waffen und die Aufnahme von direkten Verhandlungen zwischen Kiew und Donezk und Lugansk ein, um konkrete Wege zur Wiederherstellung des gemeinsamen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Raumes im Rahmen der territorialen Integrität der Ukraine zu finden. Genau darum ging es bei den vielfältigen Initiativen von Wladimir Putin im Rahmen des „Normandie-Formats“, die es erlaubten, den Minsker Prozess und unsere weiteren Anstrengungen zu seiner Entwicklung, einschließlich der gestrigen Verhandlungen der Staatschefs von Russland, Deutschland und Frankreich im Kreml, in die Wege zu leiten. Wie Sie wissen, werden diese Verhandlungen fortgesetzt. Wir sind der Meinung, dass es alle Möglichkeiten gibt, Ergebnisse zu erzielen und Empfehlungen abzustimmen, die es den Seiten erlauben werden, diesen Konfliktknoten zu lösen.

Es ist wichtig, dass alle die Ausmaße der Risiken erkannt haben. Es ist an der Zeit, von der Gewohnheit zu lassen, jedes Problem einzeln zu betrachten, „ohne hinter den Bäumen den Wald zu sehen“. Es ist Zeit, die Lage komplex einzuschätzen. Die Welt befindet sich heute an einem radikalen Wendepunkt, der mit dem Wechsel der historischen Epochen zusammenhängt. Die „Geburtswehen“ der neuen Weltordnung machen sich durch das Anwachsen von Konfliktsituationen in den internationalen Beziehungen bemerkbar. Wenn statt einer strategischen globalen Sichtweise Gelegenheitsentscheidungen von Politikern im Hinblick auf die nächsten Wahlen bei ihnen zu Hause triumphieren sollten, wird die Gefahr auftauchen, die Kontrolle über die Hebel der globalen Lenkung zu verlieren.

Ich erinnere daran, dass zu Beginn des Konflikts in Syrien viele im Westen dazu aufriefen, die Bedrohung durch Extremismus und Terrorismus nicht zu übertreiben, wobei sie behaupteten, die würde sich irgendwie „selbst geben“, das Wichtigste sei aber, den Machtwechsel in Damaskus zu erreichen. Wir sehen, was sich daraus ergeben hat. Riesige Gebiete im Nahen Osten, in Afrika und in der afghanisch-pakistanischen Zone entziehen sich immer mehr der Kontrolle durch die legitimen Regierungen. Der Extremismus schwappt in andere Regionen über, Europa eingeschlossen. Die Risiken der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen nehmen zu. Die Situation bei der Nahost-Regelung und in anderen Zonen regionaler Konflikte nimmt einen explosiven Charakter an. Bisher wurde keine adäquate Strategie zur Eindämmung dieser Herausforderungen entwickelt.

Ich möchte hoffen, dass die Diskussionen heute und morgen in München uns im Verstehen dessen näherbringt, auf welchem Niveau sich die Anstrengungen bei der Suche nach kollektiven Antworten auf die für alle gemeinsamen Bedrohungen befinden. Wenn man ein ernsthaftes Ergebnis will, darf das Gespräch nur gleichberechtigt geführt werden – ohne Ultimaten und Drohungen.

Wir sind weiterhin davon überzeugt, dass es viel einfacher wäre, den ganzen Komplex an Problemen anzugehen, wenn sich die größten Akteure auf die strategischen Richtlinien ihrer Beziehungen einigen könnten. Unlängst sagte die ständige Sekretärin der Französischen Akademie, Helene Carrere d´Encausse, die ich sehr verehre, dass „es kein richtiges Europa ohne Russland geben kann“. Wir würden gern verstehen, ob unsere Partner diese Sichtweise teilen oder ob sie geneigt sind, den Kurs auf die Vertiefung der Spaltung des allgemein-europäischen Raumes und die gegenseitige Konfrontation seiner Fragmente fortzusetzen. Wollen sie eine Sicherheitsarchitektur zusammen mit Russland, ohne Russland oder gegen Russland schaffen? Natürlich müssen auch unsere amerikanischen Partner diese Frage beantworten.

Wir schlagen schon lange vor, mit dem Bau eines wirtschaftlichen und humanitären Einheitsraumes von Lissabon bis Wladiwostok zu beginnen, der sich auf die Prinzipien einer paritätischen und unteilbaren Sicherheit stützen würde und sowohl die Mitglieder von Integrations-Bündnissen als auch nichtgebundene Länder umfassen würde. Besonders aktuell ist die Schaffung von verlässlichen Mechanismen bei der Zusammenarbeit zwischen der Eurasischen Wirtschaftsunion und der EU. Wir begrüßen die sich andeutende Unterstützung dieser Idee durch verantwortungsbewusste europäische Staatsführer.

Im 40. Jubiläumsjahr der Helsinki-Abschlussakte und dem 25. Jahrestag der Charta von Paris tritt Russland dafür ein, diese Dokumente mit realem Leben zu füllen, die dort verankerten Prinzipien zu wahren und die Stabilität und Prosperität im gesamten euro-atlantischen Raum auf der Basis von echter Gleichberechtigung, gegenseitiger Achtung und Berücksichtigung der Interessen aller zu gewährleisten. Wir wünschen der im Rahmen der OSZE gebildeten „Gruppe der Weisen“, die in Form von Empfehlungen zu einem Konsens kommen soll, viel Erfolg.

Wenn wir den 70. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs begehen, sollten wir uns der Verantwortung bewusst sein, die auf uns allen liegt.

Ich danke für die Aufmerksamkeit.



(Übersetzung-Susanne Brammerloh/russland.RU)


Samstag, 7. Februar 2015

Neues aus der Anstalt - Analyse Pepe Escobar

Russische Aggression +++ Russische Aggression +++ Russische Aggression +++ Russische Aggression +++ Russische Aggression +++ Russische Aggression +++

Von Pepe Escobar
Vom angespannten Dreier um Medusa Merkel/General Hollande/Putin in Moskau drang nicht viel nach außen. Trotzdem lügt John Kerry wie immer nach Strich und Faden über deren Besuch im Kreml. Er sagte, Putin habe »ein paar Ideen« nach Frankreich und Deutschland geschickt und Merkel/Hollande würden nun antworten.

Schwachsinn. Merkel/Hollande fuhren in ihrer Verzweiflung nach Moskau, um mit Putin zu reden, denn Putin hat den einzigen möglichen Plan zur Stabilisierung der Ukraine — und das schon seit Monaten. Ansonsten wird es Krieg geben. Also genau das, was die Drahtzieher vom Empire of Chaos in Washington wollen.

Kerry setzte mit seiner Lüge noch einen oben drauf, als er sagte, die USA wollten eine diplomatische Lösung. Aber danach kam das übliche Geschwätz über das »Offenhalten aller Optionen« einschließlich der »Möglichkeit der Lieferung von Verteidigungswaffen in die Ukraine«. Ab dafür — die russische Antwort wird verheerend sein.

Es wundert nicht, daß die absolute Mehrheit in der EU (von den Spinnern in Litauen abgesehen) gegen eine Bewaffnung der Kiewer Vollpfosten ist.

Die Süddeutsche Zeitung, ein ganz anständiges Blatt, veröffentlichte letzten Sonntag die Warnung des russischen Militärexperten Jewgeni Buschinski: Wenn das passiere, »wird Rußland intervenieren müssen und dann, offen gesprochen, Kiew einnehmen müssen. Die Nato wäre dann in einer schwierigen Lage. Ihr müßtet dann den Dritten Weltkrieg anfangen, was niemand will.«

Das mag nun etwas zuviel von Dr. Seltsam sein, aber die Süddeutsche wollte um jeden Preis betonen, daß die Bewaffnung der Kiewer Vollpfosten durch Washington von Rußland als Kriegserklärung aufgefaßt würde. Medusa Merkel sprach sich offen dagegen aus. Aber Schokolatschenko ist, was sonst, hysterisch: »Ich habe keine Zweifel daran, daß die USA und unsere anderen Partner Hilfe mit tödlichen Waffen leisten wird, damit die Ukraine in der Lage sein wird, sich zu verteidigen.«

Sollte das passieren, wird die Hölle losbrechen. Rußland wird agieren. Und das Empire of Chaos wird es als »weitere Aggression« verdrehen. Die Eskalation wird unausweichlich sein. Und alles möglich.

Die Verdrehung der westlichen Konzernpresse dieses ganzen Debakels aufgrund der Angst vorm Dämon — namentlich Putin — war vorhersehbar. Die Angst grassiert offenkundig in Brüssel und ausgewählten europäischen Hauptstädten (wohlgemerkt unter den Politkaspern; nicht auf den Straßen). Die Rhetorik ist jenseits von gefährlich.

Carl Bildt, ehemaliger schwedischer Außenminister, sagte, der Krieg »zwischen Rußland und dem Westen« sei nun denkbar. General Hollande sprach offen von einer Gefahr eines »totalen Krieges«. General Sir Richard Shirreff, Britanniens oberster Depp — Verzeihung: Nato-»Kommandeur« — bis vorigen März, meinte, eine »starke Botschaft« sollte an Putin gerichtet werden, wenn »Kontinentaleuropa« (!!!) einen »totalen Krieg« abwenden wolle. Fogh of War Rasmussen — die Wiederkunft der lebendigen Toten! — sagte, Putin könne »sowjetischen Revisionismus« auf die Nato und die EU ausdehnen. Im Baltikum, so weiter, könne Putin eine kleine Übung in Sachen »hybrider Kriegsführung« abhalten.

Am Montag wird es weitere (kleine) EU-Sanktionen geben. Die harten wirtschaftlichen Sanktionen gegen russische Banken und Unternehmen laufen nur bis Juli. Italien und Griechenland könnten diese endgültig torpedieren, sollte es zu neuen Sanktionen kommen. Sogar EU-Bürokraten geben hinter vorgehaltener Hand zu, daß die Sanktionen lächerlich sind, sanktionieren sie eigentlich die EU um mindestens 15 Prozent der Exporte nach Rußland. Geradezu vorhersehbar, daß die Briten — die Totengeister des Great Game verschwinden nie — die Gruppe der Sanktionsbefürworter anführen.

Irgend ein Idiot im Grauniad [Guardian], der sich »Europaredakteur« schimpft (wo zur Hölle finden die diese Leute? Beim Besäufnis in einem Pub nach einem Arsenal-Spiel?), schrieb: »Putin wird immer öfter als draufgängerischer Zocker gesehen. Einer, der blufft und Risiken eingeht und dabei rätselhaft, paranoid und unberechenbar ist.« Riecht nach dem Phantomgeschreibsel eines Schmierfinkens des U.S. State Department. Und weitere Lumpe torkeln auf gleicher Straße in dieselbe Richtung: Das wahre Schreckgespenst Europas ist nicht die Ukraine, sondern der böse Putin.

NIEMAND wagt es auch nur, das Empire of Chaos zu kritisieren.

Und damit zurück zur…

Russian Aggression +++ Russian Aggression +++ Russian Aggression +++ Russian Aggression +++ Russian Aggression +++ Russian Aggression +++ Russian Aggression

Quelle: The Vineyard Saker - Deutsche Version

Montag, 2. Februar 2015

Erschreckende Enthüllung: IS-Kommandeur gesteht, Geld aus den USA erhalten zu haben

Ein in Pakistan festgenommener IS-Kommandeur, behauptet, für jeden Kämpfer, den er für Syrien geworben hat, 600 US-Dollar bekommen zu haben.

Von Naveed Miraj
THE EXPRESS TRIBUNE, 28.01.15

ISLAMABAD – Yousaf al Salafi, der Kommandeur des auch als DAISH bezeichneten Islamischen Staates in Pakistan sein soll, hat während eines Verhörs gestanden, dass er Geld aus den USA bekommen hat.

Die Strafverfolgungsbehörden haben mitgeteilt, Al Salafi sei am 22. Januar mit zwei Begleitern bei einer Razzia in Lahore festgenommen worden. Aus anderen Quellen sickerte durch, dass die Verhaftung Al Salafis bereits im Dezember 2014 erfolgte, aber erst am 22.01.2015 bekannt gegeben wurde.

"Während der Vernehmungen gab Yousaf al Salafi zu, aus US-amerikanischen Quellen Geld für den Aufbau einer Organisation in Pakistan erhalten zu haben, die junge Männer für den Kampf in Syrien rekrutieren sollte," teilte ein in die Verhöre eingeweihter Informant, der anonym bleiben wollte, dem Daily Express mit.

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
Al Salafi, ein aus Pakistan stammender Syrer, war vor fünf Monaten über die Türkei nach Pakistan gekommen. Vorher soll er aus Syrien in die Türkei eingereist und dort festgenommen worden sein. Er schaffte es jedoch, aus der Türkei nach Pakistan zu entfliehen und wollte dort einen Ableger des Islamischen Staates / IS gründen.

Wie verlautet, wurde US-Außenminister John Kerry bei seinem jüngsten Besuch in Islamabad über das Geständnis Al Salafis informiert. "Auch CENTCOM-Chef (s. hier) General Lloyd Austin wurde über den Sachverhalt unterrichtet, als er Anfang Januar in Islamabad weilte," teilte ein Infomant mit.

Al Salafi gestand auch, er habe gemeinsam mit einem pakistanischen Komplizen, der Imam einer Moschee sein soll, Kämpfer für Syrien rekrutiert und für jeden Angeworbenen aus Syrien 600 Dollar bekommen.

"Obwohl die USA die Aktivitäten des IS öffentlich verurteilen, haben sie die Finanzierung dieser Organisation durch US-Geldgeber nicht gestoppt," behauptete ein Informant.

"Die USA mussten den Eindruck zerstreuen, dass sie den IS zur Durchsetzung eigener Interessen finanzieren; deshalb bekämpfen sie ihn im Irak, aber nicht in Syrien," fügte er hinzu.

Es gibt Berichte, dass auch in Libyen, Afghanistan, Pakistan, Indien und anderen Staaten Kämpfer für Syrien rekrutiert werden. In verschiedenen pakistanischen Städten wurde mit Plakaten und Wandbildern für den IS geworben.

Übersetzung: Wolfgang Jung, luftpost-kl.de

Bedrohlich ist das Volk für die Herrschenden, wenn es ohne Furcht ist. (Tacitus)