Montag, 20. Oktober 2014

"Verzeihen Sie uns, dass unser Land inmitten Ihrer Militärbasen liegt" Zur Rede des russischen Außenministers vor der UN-Generalversammlung

Übersetzung eines Kommentars der beim US-Außenministerium und bei den Vereinten Nationen akkreditierten US-Journalistin Carla Stea zur Rede des russischen Außenministers Sergej Lawrow vom 27. September 2014, vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen.

UN-Flag­ge auf dem
Kie­ler Lan­des­haus
Foto: Hen­drik Wohl­fahrt
Von Carla Stea
Global Research, 14.10.14

In seiner mutigen und brillanten Rede, die er am 27. September 2014 vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen gehalten hat, zerriss der russischer Außenminister Sergej Lawrow den Verdunklungsschleier, der so viele Reden vor der UNO charakterisiert; in einer schonungslosen Analyse klagte er den westlichen Imperialismus an, der korrekt nur als globaler Raubzug zu beschreiben ist. Im Auftrag der Russischen Föderation warnte Lawrow die USA und die NATO davor, mit ihrer unerbittlichen und skrupellosen Kampagne zur Aneignung und Beherrschung riesiger Territorien, die letztlich nur dazu dienen soll, Russland zu erobern und zu unterwerfen, einen globalen Krieg zu riskieren. Der Westen hat offensichtlich nichts aus der Geschichte gelernt und vergessen, dass Napoleons Feldzug gegen Russland zum Zusammenbruch des französischen Kaiserreichs führte und Hitlers Versuch, Russland zu unterjochen, mit dem Untergang seines Dritten Reiches endete.

Der dritte Versuch, Russland zu besiegen und zu unterjochen, könnte nicht nur einen Krieg auslösen, der riesige Gebiete der Erde verwüsten würde, dialektisch betrachtet, könnte er auch der Katalysator zum endgültigen Niedergang des Kapitalismus werden. Dieses Wirtschaftssystem, das nur im Imperialismus gedeihen kann, erlebt möglicherweise gerade seine letzte Krise, die der französischen Wirtschaftswissenschaftler Thomas Piketty bereits in seinem Bestseller "Das Kapital im 21. Jahrhundert" beschrieben hat. (Das Buch ist im Verlag C. H. Beck auch in deutscher Übersetzung erschienen.) In seiner verzweifelten Lage schlägt der sich selbst zerstörende westliche Kapitalismus skrupellos und völlig irrational um sich und scheint dabei unfähig zu sein, die desaströsen Folgen seiner kurzsichtigen Politik zu erkennen. Eine der möglichen Folgen der gegenwärtigen Politik der USA und der NATO könnte ein (finaler) Atomkrieg sein.
(In dem Kommentar folgt jetzt eine längere Passage aus der Lawrow-Rede, die von mit rot markierten "Die westliche Allianz ...." bis zum ebenfalls mit rot markierten ".... Aussöhnung in der Ukraine erwarten." reicht.)
In totaler Missachtung der Wahrheit und des Völkerrechts eskaliert Kiew die Krise in der Ukraine und schreckt dabei auch nicht vor Betrug und Täuschung zurück. Wenn der ukrainische Präsident Petro Poroschenko von einem Krieg gegen Russland spricht, droht er damit nicht nur Russland, er setzt auch das Überleben seines eigenen bankrotten Landes aufs Spiel.

Letzten Monat hat sich Washington dazu verpflichtet, dem Kiewer Regime für 53 Millionen Dollars, die US-Steuerzahler aufbringen müssen, Waffen zu liefern. Kiew nutzt die Waffenruhe, die der russische Präsident Putin und die OSZE ausgehandelt haben, nur dazu aus, sich modernere und und wirksamere Waffen zu verschaffen und einen weiteren barbarischen Angriff auf seine Bürger im Osten und Südosten der Ukraine vorzubereiten, wo die ukrainischen Streitkräfte seit dem geheimen Besuch des unter falschen Namen einreisenden CIA-Direktors John Brennan im April 2013 (s. dazu auch hier) bereits fast 4.000 Menschen niedergemetzelt und mehr als eine Million Ukrainer vertrieben haben.

Die dreisteste Zumutung der USA und der NATO für die Bewohner der Ostukraine, die den ersten Angriff des vom Westen gestützten Nazi-Regimes in Kiew zurückgewiesen, und damit die Auslöschung ukrainischer Dissidenten verhindert haben, besteht darin, dass Victoria Nuland, die durch ihren berüchtigten Ausspruch "Fuck the EU!" bekannt gewordene, für europäische und eurasische Angelegenheiten zuständige Staatssekretärin im US-Außenministerium, in diesem Monat nach Kiew zurückgekehrt ist. Im Auftrag neokonservativer Drahtzieher in Washington hat Frau Nuland die Destabilisierung der Ukraine und den Sturz ihres demokratisch gewähltem Präsidenten Wiktor Janukowytsch inszeniert und die Ukraine in einen Bürgerkrieg gestürzt, der das Potenzial hat, eine Feuersbrunst zu entfachen, die als Dritter (und letzter) Weltkrieg in die Geschichte eingehen könnte.

In einer Rede, die sie am 7. Oktober 2014 in der Nationalen Taras-Schewtschenko-Universität in Kiew gehalten hat, prahlte Frau Nuland: "Die Ukraine hat in diesem Jahr von den USA eine Finanzhilfe von 290 Millionen Dollar und eine Kreditgarantie über eine Milliarde Dollar erhalten. Und jetzt haben Sie auch das bekommen, wofür viele von Ihnen auf dem Maidan demonstriert haben: ein Assoziierungsabkommen mit der EU und ein umfassendes Freihandelsabkommen." Durch dieses "Assoziierungsabkommen" wird die Ukraine praktisch zu einer Geisel der NATO und des IWF, der den Lebensstandard in der ohnehin schon sehr verarmten Ukraine durch auferlegte "Sparmaßnahmen" noch weiter absenken wird. Dass Frau Nuland der Ukraine ein trojanisches Pferd beschert hat, haben die geschmeichelten, leichtgläubigen ukrainischen Studenten, die in dem von den USA und der NATO vom Zaun gebrochenen Krieg das Kanonenfutter stellen sollen, leider nicht erkannt.

Der Kommentar schließt mit einem Zitat aus der Lawrow-Rede, das von mit grün markierten "Ich gestatte mir einen Exkurs ..."bis zum ebenfalls mit grün markierten" ... eines polyzentrischen und demokratischen Weltsystems" nachzulesen ist.

Übersetzung: Wolfgang Jung, luftpost-kl.de

Mehr zum Thema:
Gegenmeinung: Rede des Außenministers Russlands, Sergej Lawrow, auf der 69. UNO-Generalversammlung, New York, 27. September 2014......