Montag, 30. Juli 2012

Die Karrieristen

Autor: Chris Hedges
Die größten Verbrechen in der menschlichen Geschichte werden durch die farblosesten menschlichen Wesen möglich gemacht. Es sind die Karrieristen. Die Bürokraten. Die Zyniker. Sie machen die kleinen Aufgaben, die das große, komplizierte System der Ausbeutung und des Todes Wirklichkeit werden lassen. Sie sammeln und lesen die persönlichen Daten, die von Dutzenden von Millionen von uns durch den Sicherheits- und Überwachungsstaat gesammelt werden. Sie führen die Bücher von Exxon Mobil, BP und Goldman Sachs. Sie bauen oder dirigieren die Drohnen. Sie sind tätig in der Werbung und Öffentlichkeitsarbeit der Multis. Sie liefern die Form. Sie verarbeiten die Papiere. Sie verweigern den einen Nahrungsmittelkarten und den anderen Arbeitslosengeld oder medizinische Versorgung. Sie setzen die Gesetze und Regeln durch. Und sie stellen keine Fragen.

Gut. Böse. Diese Worten bedeuten nichts für sie. Sie stehen jenseits der Moral. Sie sind dazu da, das korporative System am Laufen zu halten. Wenn Versicherungsunternehmen Dutzende Millionen kranke Menschen fallenlassen, dass sie leiden und sterben, dann ist es so. Wenn Banken und Polizei-Behörden Familien aus ihren Häusern werfen, dann ist es halt so. Wenn Finanzunternehmen die Bürger ihrer Ersparnisse berauben, dann ist es halt so. Wenn die Regierung Schulen und Bibliotheken schließt, dann ist es halt so. Wenn die Militärs Kinder in Pakistan und Afghanistan ermorden, dann ist es halt so. Wenn die Warenspekulanten die Kosten von Reis und Mais und Weizen hochtreiben, dass sie für hunderte Millionen Arme auf dem ganzen Planeten unerschwinglich werden, dann ist es halt so. Wenn der Kongress und die Gerichte die Bürger ihrer bürgerlichen Rechte beraubt, dann ist es halt so. Wenn die Treibstoffindustrie die Erde in einen Ofen von Treibhausgasen verwandeln, die unser Verderben sind, dann ist es halt so. Sie dienen dem System. Dem Gott des Profits und der Ausbeutung. Die gefährlichste Kraft in der industrialisierten Welt kommt nicht von jenen, die radikale Gedanken hegen, ob islamischer Radikalismus oder christlicher Fundamentalismus, sondern von Legionen gesichtsloser Bürokraten, die stufenweise die korporativen Unternehmens- und Regierungs-Maschinen erklettern. Sie dienen jedem System, das ihre jämmerliche Quote an Bedürfnissen erfüllt.

Diese System-Manager glauben nichts. Sie kennen keine Loyalität. Sie haben keine Wurzeln. Sie denken nicht über ihre winzigen, bedeutungslosen Rollen hinaus. Sie sind blind und taub. Sie sind, zumindes hinsichtlich der großen Ideen und Muster der menschlichen Zivilisation und Geschichte, äußerst ungebildet. Und unsere Universitäten spucken sie aus. Anwälte. Technokraten. Geschäftshäuptlinge. Finanzmanager. IT-Spezialisten. Fachberater. Erdölingenieure. „Positive Psychologen“. Die Kommunikations-Obermacher. Kadetten. Verkaufsrepräsentanten. Komputer-Programmierer. Männer und Frauen, die keine Geschichte kennen, keine Ideen haben. Sie leben und denken in einem intellektuellen Vakuum, einer Welt von lähmenden Details. Sie sind T. S. Elliots „hohle Menschen“, „ausgestopfte Menschen“. „Gestalt ohne Form, Schattierung ohne Farbe“, schrieb der Dichter. „Paralysierte Kraft, Gestik ohne Bewegung.“

Es waren die Karrieristen, die die Genozide möglich machten, von der Ausrottung der einheimischen Amerikaner bis zum türkischen Gemetzel der Armenier, zum Nazi-Holocaust und Stalins Liquidierungen. Sie waren diejenigen, die die Züge am Laufen hielten. Sie füllten die Formulare aus und führten den Vorsitz bei den Eingentums-Konfiszierungen. Sie rationierten die Nahrung, während die Kinder starben. Sie stellten die Gewehre her. Sie führten die Gefängnisse. Sie setzten die Reiseverbote durch, konfiszierten Pässe, beschlagnahmten Bankkonten und führten die Segregation durch. Sie setzten die Gesetze durch. Sie machten ihre Jobs.

Politische und militärische Karrieristen, gestützt von Kriegsprofiteuren, haben uns in nutzlose Kriege geführt, einschließlich den 1. Weltkrieg, Vietnam, Irak und Afghanistan. Und Millionen folgten ihnen. Pflicht. Ehre. Vaterland. Karnevale des Todes. Sie opferten uns alle. In den vergeblichen Schlachten von Verdun und der Somme im 1. Weltkrieg mit 1.8 Millionen Toten, Verwundeten oder nie Gefundenen. Im Juli 1917 verurteilte der britische Feldmarschall Douglas Haig, trotz der Berge von Toten, noch mehr zum Schlamm von Passchendaele. Im November, als es feststand, dass sein versprochener Durchbruch bei Passchendaele versagt hatte, gab er das ursprüngliche Ziel auf – wie wir es in Irak taten, als es sich herausstellte, dass es keine MVWs gab und in Afghanistan, als Al Qaida das Land verlassen hatte – und setzte auf einen simplen Zermürbungskrieg. Haig „gewann“, wenn mehr deutsche als alliierte Soldaten sterben würden. Tod als Kerbholz.

Passchendaele forderte 600 000 mehr Leben auf beiden Seiten, bevor es zu Ende war. Das ist eine neue Geschichte. Generäle sind fast immer Clowns. Soldaten folgten John, dem Blinden, der sein Augenlicht ein Jahrzehnt zuvor verloren hatte, in eine vernichtende Niederlage in der Schlacht von Crécy 1337 im Hundertjährigen Krieg. Wir entdecken, dass die Führer nur Durchschnittstypen sind, aber erst, wenn es zu spät ist.

David Lloyd George, der britischer Premierminister während der Passchendaele-Kampagne war, schrieb in seinen Memoiren: „[Vor der Schlacht von Passchendaele] bereitete die Führung des Panzercorps Karten vor, die zeigten, wie ein Bombardement unausweichlich das Wasser an ganz bestimmten Punkten sammeln würde, da die Abzugskanäle vernichtet würden. Die einzige kategorische Antwort war, 'Keine dieser lächerlichen Karten mehr zu schicken'. Karten müssen mit Plänen übereinstimmen und nicht die Pläne mit den Karten. Fakten, die mit Plänen kollidierten, waren Unverschämtheiten.“

Hier hat man die Erklärung, warum unsere herrschenden Eliten nichts gegen den Klimawandel unternehmen, sich weigern, rational auf den ökonomischen Zusammenbruch zu reagieren und unfähig sind, mit dem Kollaps der Globalisierung und des Imperiums fertig zu werden. Dies sind Umstände, die in die eigentliche Lebensfähigkeit und Nachhaltigkeit des Systems eingreifen. Und Bürokraten wissen nur, wie man dem System dient. Sie kennen nur die Managementfähigkeiten, mit denen sie in West Point [berühmte US-Militärakademie. D. Ü.] oder in der Harvard Business School geimpft werden. Sie können nicht auf die Herausforderung von Annahmen und Strukturen reagieren. Sie können nicht intellektuell oder emotional erkennen, dass das System implodieren könnte. Und dann tun sie das, wovor Napoleon als dem größten Fehler, den ein General begehen könnte, warnte – ein imaginäres Bild von einer Situation malen und es als real anzusehen. Aber wir ignorieren unbekümmert zusammen mit ihnen die Realität. Die Manie auf ein Happy End macht uns blind. Wir wollen nicht glauben, was wir sehen. Es ist so niederschmetternd. Also ziehen wir uns in den kollektiven Selbstbetrug zurück.

In Claude Lanzmanns monumentalen Dokumentarfilm „Shoah“ über den Holocaust interviewt er Filip Müller, einen tschechischen Juden, der die Liquidierungen in Auschwitz überlebte als Mitglied des „speziellen Details“. Müller erzählt diese Geschichte:
„Eines Tages 1943, als ich bereits im Krematorium 5 war, kam ein Zug aus Bialystok an. Ein Gefangener des „speziellen Details“ [a prisoner on the special detail - darunter kann ich mir absolut nichts vorstellen. Man muss wohl den Film gesehen haben. D. Ü.] sah eine Frau im „Entkleidungsraum“, die Frau eines Freundes von ihm. Er ging direkt zu ihr und sagte ihr: 'Ihr werdet vernichtet. In drei Stunden seid ihr Asche.' Die Frau glaubte ihm, weil sie ihn kannte. Sie rannte herum und warnte alle Frauen. 'Wir werden getötet. Wir werden vergast.' Mütter, die ihre Kinder auf den Schultern trugen, wollten das nicht hören. Sie meinten, die Frau sei verrückt. Sie jagten sie fort. Dann ging sie zu den Männern. Vergebens. Nicht, dass sie ihr nicht glaubten. Sie hattten Gerüchte gehört im Bialystok Ghetto oder in Grodno oder sonstwo. Aber wer wollte das hören? Als sie sah, dass niemand hören wollte, zerkratzte sie sich das ganze Gesicht. Aus Verzweiflung. Im Schock. Und sie begann zu schreien.“
Blaise Pascal schrieb in „Pensées“: „Wir rennen unbedacht in den Abgrund, indem wir jemanden vor uns stellen, damit wir ihn nicht sehen.“

Hannah Arendt, als sie „Eichmann in Jerusalem“ schrieb, notierte, dass Adolf Eichmann vor allem von „einem auserordentlichen Eifer (motiviert war), auf den eigenen Vorteil zu achten“. Er trat der Nazi-Partei bei, weil sie gute Karriere-Möglichkeiten bot. „Das Problem mit Eichmann war, dass so viele wie er waren, und dass die Vielen weder pervertiert noch sadistisch waren, dass sie furchtbar und erschreckend normal waren und sind.“ … „Je länger man ihm zuhörte, umso offensichtlicher wurde es, dass seine Unfähigkeit zu reden mit einer Unfähigkeit zu denken verbunden war, nämlich vom Standpunkt eines anderen aus zu denken“, schrieb Arendt. „Mit ihm war keine Kommunikation möglich, nicht weil er log, sondern weil er umgeben war von der verlässlichsten aller Absicherungen gegen Worte und die Gegenwart anderer und folglich gegen die Realität als solche.“

Gitta Sereny zieht dieselbe Folgerung in ihrem Buch „In jene Dunkelheit“ über Franz Stangl, den Kommandanten von Treblinka. Die Zuteilung zur SS war eine Beförderung für den österreichischen Polizisten. Stangl war kein Sadist. Er sprach ruhig und höflich. Er liebte seine Frau und die Kinder sehr. Er nahm nicht wie andere Nazi-Offiziere im Lager Jüdinnen als Konkubinen. Er war effizient und sehr organisiert. Er war stolz darauf, eine offizielle Belobigung als „bester Lagerkommandant in Polen“ bekommen zu haben. Gefangene waren einfach Objekte. Güter. „Das war mein Beruf“, sagte er. „Es machte mir Spaß. Es erfüllte mich. Und ja, ich war ehrgeizig dabei, das will ich nicht leugnen.“ Als Sereny Stangl fragte, wie er als Vater Kinder töten konnte, antwortete er, dass er „sie selten als Individuen sah. Es war immer eine riesige Masse … Sie waren nackt, zusammengepfercht, rannten, wurden mit Peitschen angetrieben ...“ Später sagte er Sereny, dass er, als er über Lemminge las, er an Treblinka gedacht habe.

Christopher Brownings Essay-Sammlung „Der Pfad zum Genozid“ bemerkt, dass es der „moderate“, „normale“ Bürokrat war, nicht der Fanatiker, der den Holocaust ermöglichte. Germaine Tillion hob hervor „die tragische Bereitwilligkeit [während des Holocausts], mit der 'anständige' Leute zu den herzlosesten Henkern werden konnten, ohne scheinbar zu bemerken, was mit ihnen geschah“. Der russische Romancier Vasly Grossman bemerkte in seinem Buch „Forever Flowing“ (Für immer fließend), dass „der neue Staat nicht heilige Apostel, Fanatiker, inspirierte Erbauer, gläubige, hingebungsvolle Schüler brauchte. Der neue Staat brauchte nicht einmal Diener – nur Beamte“.

„Der widerlichste SS-Typ war für mich persönlich der Zyniker, der nicht mehr wirklich an die Sache glaubte, aber weitermachte, um seinetwillen die Blutschuld einzutreiben,“ schrieb Dr. Ella Lingens-Reiner in „Prisoners of Fear“ (Gefangene der Furcht), ihre Memoiren über Auschwitz. „Jene Zyniker waren nicht immer brutal zu den Gefangenen, ihr Verhalten änderte sich mit ihrer Laune. Sie nahmen nichts ernst – weder sich selbst noch die Sache, weder uns noch unsere Situation. Einer der Schlimmsten war Dr. Mengele, der Lager- Arzt, den ich schon erwähnt habe. Wenn ein Trupp neu angekommener Juden eingeteilt wurde in jene, die arbeiten konnten und jene, die sterben mussten, pfiff er eine Melodie und wies rhythmisch mit dem Daumen über die rechte oder linke Schulter – was 'Gas' oder 'Arbeit' bedeutete. Er hielt die Bedingungen im Lager für übel und tat einiges, um sie zu verbessern, aber gleichzeitig beging er gefühllos Mord, ohne irgendwelche Bedenken.“

Diese Armeen von Bürokraten dienen einem korporativen System, das uns buchstäblich töten wird. Sie sind kalt und beziehungslos wie Mengele. Sie erledigen sorgfältig ihre Aufgaben. Sie sind gelehrig. Fügsam. Sie gehorchen. Sie finden ihren Selbst-Wert in dem Ansehen und der Macht der Corporation, des Ganzen, in dem Status ihrer Position und in ihren Beförderungen. Sie beteuern sich selbst gegenüber ihre Güte durch ihr privates Handeln als Ehemänner, Ehefrauen, Mütter oder Väter. Sie sitzen in Schulbänken. Sie gehen zu Rotary. Sie gehen in die Kirche. Es ist moralische Schizophrenie. Sie errichten Mauern, um ein isoliertes Bewusstsein zu schaffen. Sie verwirklichen die tödlichen Ziele von ExxonMobil oder Goldman Sachs oder Raytheon oder Versicherungsgesellschaften. Sie zerstören das Ökosystem, die Wirtschaft und den Staatskörper und verwandeln Arbeiter und Arbeiterinnen in verarmte Sklaven. Sie fühlen nichts. Metaphysische Naivität endet immer mit Mord. Sie zerreisst die Welt. Kleine Akte der Güte und Wohltätigkeit maskieren das monströse Böse, das sie stiften. Und das System rollt weiter. Die Polareiskappen schmelzen. Die Dürre wütet über die Felder. Die Drohnen liefern den Tod aus dem Himmel. Der Staat geht unerbittlich weiter, um uns alle in Ketten zu legen. Die Kranken sterben. Die Armen verhungern. Die Gefängnisse füllen sich. Und die Karrieristen tapsen weiter und machen ihre Jobs.

Übersetzung: Einar Schlereth

Samstag, 28. Juli 2012

Syrien: Washingtons jüngstes Kriegsverbrechen

Autor: Paul Craig Roberts
Man fragt sich, was die Syrer denken, während „Rebellen,“ die schwören, „Syrien befreien“ zu wollen, das Land in den gleichen zerstörerischen Prozess hineinziehen wie die „Rebellen“ in Libyen. Libyen, unter Gaddafi ein gut geführtes Land, dessen Erdöleinkommen mit dem libyschen Volk geteilt wurde, anstatt von einer Prinzenklasse wie in Saudiarabien monopolisiert zu werden, hat jetzt keine Regierung, sondern chaotische Verhältnisse mit einander bekämpfenden Fraktionen, die nach der Macht streben.

So wie niemand wusste, wer die libyschen „Rebellen” waren, unter denen sich laut Berichten Elemente von al Qaeda befanden, weiß auch niemand, wer die syrischen „Rebellen“ sind, oder ob es sich überhaupt um Rebellen handelt (Antiwar.com). Einige „Rebellen“ scheinen Gruppen von Banditen zu sein, die die Gelegenheit nutzen, zu plündern und zu vergewaltigen und sich selbst an die Spitze von Dörfern und Städten zu setzen. Andere scheinen al Qaeda anzugehören (Antiwar.com).

Die Tatsache, dass die „Rebellen bewaffnet sind, weist auf eine Einmischung von außen hin. Es gab Berichte, laut denen Washington seine saudischen und bahrainischen Marionettenregimes angewiesen hat, die „Rebellen“ mit militärischen Waffen zu versorgen. Einige vermuten, dass die Explosion, die den syrischen Verteidigungsminister und den Leiter der Krisenbekämpfung der Regierung tötete, nicht die Tat eines Selbstmordattentäters, sondern das Werk einer Drohne oder Rakete der Vereinigten Staaten von Amerika war, was an Washingtons gescheiterte Versuche erinnert, Saddam Hussein zu ermorden. Ungeachtet dessen stellte Washington den Terrorangriff als Erfolg hin, indem es erklärte, dass die Rebellen „an Fahrt gewinnen“ und die syrische Regierung aufforderte, durch Rücktritt auf den Angriff zu reagieren (reuters.com).

Das Folgende stammt aus einem durchgesickerten Geheimdienstdokument, das eine vorangegangene terroristische Intervention des Westens in Syrien beschreibt, für den Fall, dass ein Leser so naiv ist und denkt, dass „unsere Regierung das nie machen würde.“

„Um das Vorgehen der Befreiungs(!)kräfte zu erleichtern, ... sollte eine besondere Anstrengung unternommen werden, gewisse Individuen in Schlüsselpositionen zu eliminieren ... das sollte in der Anfangsphase der Erhebung und Intervention erreicht werden ...

Sobald eine politische Entscheidung erreicht worden ist, mit den inneren Unruhen in Syrien fortzufahren, ist die CIA vorbereitet und werden SIS (MI6) versuchen, kleinere Sabotageakte und Putschaktionen in Syrien durchzuführen, indem sie über Kontakte mit Individuen arbeiten. ... Zwischenfälle sollten nicht auf Damaskus beschränkt bleiben ...

Weiters: ein „erforderliches Ausmaß von Angst ... Grenzzwischenfälle und (inszenierte) Kämpfe an der Grenze“ würden „einen Vorwand für eine Intervention schaffen ... CIA und SIS (MI6) sollten Kapazitäten im psychologischen wie im Handlungsbereich einsetzen, um die Spannung zu erhöhen.“ (Durchgesickertes Geheimdienstdokument der Vereinigten Staaten von Amerika/des Vereinigten Königreichs, London und Washington 1957) (GlobalResearch.ca).

Obama hat nicht gesagt, warum seine Regierung unbedingt die syrische Regierung stürzen will. Der jetzige Präsident war Augenarzt in London, der nach Syrien zurück berufen wurde, um seinen Vater zu ersetzen, den verstorbenen bisherigen Präsidenten des Landes. Washington schweigt sich aus über seine wirklichen Beweggründe, indem sie diese hinter wohlklingender humanitärer Rhetorik versteckt, aber Washingtons Motive liegen auf der Hand.

Ein Motiv besteht darin, die russische Marinebasis in Syrien loszuwerden und Russland dadurch seine einzige Basis im Mittelmeer zu entziehen.

Ein zweites Motiv besteht darin, Syrien als Quelle von Waffen und Unterstützung für Hizbollah auszuschalten, damit Israel erfolgreich seine Versuchen betreiben kann, den Süden des Libanon zu besetzen und sich dessen Wasserressourcen anzueignen. Die Kämpfer der Hizbollah haben zweimal die Versuche des israelischen Militärs zurückgeschlagen, in den südlichen Libanon einzumarschieren und diesen zu okkopieren.

Ein drittes Motiv besteht darin, die Einheit Syriens durch Religionskonflikte zu zerstören, so wie Washington Libyen und den Irak zerstört hat, und Syrien sich bekämpfenden Fraktionen zu überlassen, die das Land zerreißen und damit ein weiteres Hindernis für die Hegemonie Washingtons beseitigen.

Syrien, ein säkularer arabischer Staat wie einst der Irak, wird beherrscht von einer politischen Partei, die aus Alawiten besteht, die mehr oder weniger schiitische Moslems sind. Die Alawiten machen ungefähr 12% der syrischen Bevölkerung aus und werden von den sunnitischen Moslems, die etwa 74% der Bevölkerung Syriens ausmachen, als Häretiker betrachtet. Daher richtet sich der orchestrierte „Aufstand“ an viele Sunniten, die die Gelegenheit der Machtübernahme sehen. (Im Irak war es eine sunnitische Minderheit, die eine schiitische Mehrheit beherrschte, also gerade umgekehrt wie in Syrien.)

Die Aufspaltungen unter den Arabern machen die Araber anfällig für Einmischungen und Beherrschung durch den Westen. Die Aufspaltung zwischen Sunniten-Schiiten macht es für ein arabisches Land unmöglich, einem anderen zu Hilfe zu kommen. 1990 stellte sich die schiitische syrische Regierung im ersten Irakkrieg an die Seite der Vereinigten Staaten von Amerika gegen die schiitische irakische Regierung. Weder Lawrence von Arabien noch Nasser noch Gaddafi hatten Erfolg mit ihren Versuchen, ein arabisches Bewusstsein zu schaffen.

Washingtons Fassade für seinen gewalttätigen Sturz anderer Regierungen besteht immer in moralischem Geschwätz. Zuerst wird das Ziel dämonisiert, worauf Washingtons nackte Aggression als „Freiheit und Demokratie bringen,“ „einen brutalen Diktator stürzen,“ „die Rechte der Frauen schützen“ hingestellt wird. Jede Art von Heuchelei und leeren Phrasen scheint zu funktionieren.

Hillary Clinton hat besonders schrill den Sturz der syrischen Regierung propagiert. Die dumme Frau gab sogar Drohungen gegen Russland und China von sich, die es wagten, Washingtons Versuche abzublocken, eine UNO-Resolution als Deckmantel für einen Einmarsch in Syrien zu benutzen. Washington stellt den Widerstand der syrischen Regierung gegen ihren Sturz falsch dar als eine Regierung, die ihr eigenes Volk terrorisiert. Washington verurteilte jedoch nicht die Terrorattacke, die es selbst oder ein Selbstmordattentäter durchgeführt hat und die hochrangige Funktionäre der syrischen Regierung getötet hat. Washingtons Doppelmoral brachte den russischen Außenminister Sergej Lavrov dazu, Washington zu beschuldigen, eine „sinistre Position“ einzunehmen.

Und das tut Washington in der Tat. Aber was ist überraschend an Washingtons sinistrer Position nach Irak, Afghanistan, Libyen, Somalia, Jemen und Pakistan? Ohne Zweifel wird Washington gegen den Iran vorrücken, nachdem Syrien gefallen ist. Russland selbst ist bereits umstellt von Raketenbasen der Vereinigten Staaten von Amerika, und die russische Regierung hat es mit einer disloyalen und verräterischen politischen Opposition zu tun, die mit amerikanischem Geld finanziert ist. China steht einem rapiden Aufbau von Luftwaffen-, Marine- und Truppenbasen im pazifischen Raum gegenüber. Wie lange wird es dauern, bis die chinesische Regierung es mit einer von Washington finanzierten illoyalen Opposition zu tun hat?

Der Hegemon befindet sich auf dem Kriegspfad, aber was die syrischen Sunniten sehen, ist eine Chance, die alawitischen Schiiten zu stürzen. Die syrischen Sunniten werden sich mit Washington zusammentun ungeachtet der Tatsache, dass Washington die irakischen Sunniten gestürzt hat. Es sieht so aus, als hätten wenige Araber etwas dagegen, Marionetten eines fremden Regimes zu sein, das mit Milliarden von Dollars um sich schmeißt.

Washington bezeichnet den syrischen Präsidenten Assad locker als „Diktator” oder „brutalen Diktator,“ wobei Assad ein Diktator ist, der dieser Rolle nicht besonders effektiv gerecht wird. Normalerweise gestatten Diktatoren einer Opposition nicht, dass sie sich erhebt, geschweige denn sich bewaffnet. Eher zutreffend könnte man sagen, dass die herrschende Partei autoritär ist, die herrschende Partei aber Elemente der Demokratie mit der neuen Verfassung eingeführt hat.

Wie der Irak bewiesen hat, müssen arabische Regierungen autoritär sein, wenn ihre sunnitischen und schiitischen Bevölkerungen nicht ständig in Bürgerkrieg verwickelt sein sollen. Beide, Bush und Obama behaupten, dass Washington „Freiheit und Demokratie“ in den Irak gebracht hat. Wie auch immer, die anhaltende Gewalt im Irak ist gleich intensiv oder noch intensiver als unter der amerikanischen Okkupation. Hier sind die Berichte über die letzten drei Tage:

23. Juli: „In einer Welle von Bombenattentaten und Schießereien in Bagdad und nördlich der Hauptstadt wurden mindestens 107 Menschen getötet. Zumindest 216 wurden verletzt.“

24. Juli: „An einem weiteren Tag intensivierter Angriffe wurden zumindest 145 Iraker getötet und 379 verletzt.“

25. Juli: „Die Angriffe im Irak gehen weiter: 17 Menschen wurden getötet, 60 verletzt.“

Das ist das, was Washington für den Irak getan hat. Weit davon entfernt, „Freiheit und Demokratie“ zu bringen, brachte Washington endloses Chaos und Tod. Und genau das ist es, was Washington für Syrien auf Lager hält.

Übersetzung: Klaus Madersbacher, antikrieg.com

Mittwoch, 25. Juli 2012

Selbstmordattentäter der Welt, vereinigt euch

Autor: Pepe Escobar, Übersetzer: Lars Schall
Pepe Escobar gibt über das Attentat auf den syrischen Verteidigungsminister und dessen Stellvertreter zu bedenken, dass es sich dabei um einen “weißen Staatsstreich” durch den inneren Kreis des Assad-Regimes handeln könnte. Unterdessen haben die Neokonservativen in den USA einen neuen Helden gefunden, den es zu preisen gilt.-LSch.

Es ist buchstäblich eine Bombe. Welche Art von einem gerissenen Schauspieler schaffte es, die kostbare Geheimdienstinformation zu bekommen, die benötigt wurde, um in ein Treffen im Nationalen Sicherheitsgebäude in Damaskus einzudringen und es zu zerstören – dabei den Verteidigungsminister Dawoud Rajha und seinen Stellvertreter Assef Shawkat, Bashar al-Assads Schwager, tötend?

Was wirklich passiert ist, bleibt noch unklar. Reuters sagte, es sei ein Selbstmordattentäter gewesen, der als Leibwächter für den inneren Kreis Assads gearbeitet habe. Agence France-Presse berichtete, es war ein Selbstmordattentäter, der seinen Gürtel zündete. Al-Akhbar aus Beirut sagte, es war eine gelegte Bombe. Das Gleiche gilt für Libanons Al-Manar TV – mit dem Detail, dass es eine 40-kg-Bombe gewesen sei.

Wer war es also? Die Central Intelligence Agency (CIA)? Der MI6? Der saudische Geheimdienst? Der türkische Geheimdienst? Oder das ach so biegsame Gespenst al-Qaida?

US-Außenministerin Hillary Clinton wartete vor fünf Monaten mit einer nicht-leugnenden Leugnung auf, indem sie in der Tat zugab, dass Washington in Syrien Seite an Seite mit al-Qaida zur Unterstützung der nicht gerade freien syrischen Armee (FSA) arbeite. [1]

Erst vor 10 Tagen hatte Hillary “Wir kamen, wir sahen, er starb” Clinton gewarnt, es gäbe noch immer “eine Chance, den syrischen Staat vor einem katastrophalen Angriff zu retten”. [2] Wie schon bei ihrer prophetischen Warnung nur wenige Tage vor der Gefangennahme, Schändung und Zurschaustellung von Muammar al-Gaddafi, wie konnte sie sich dieses “katastrophalen Angriffs” sicher sein?

Die FSA verschwendete keine Zeit, um von der Türkei aus die Verantwortung für sich zu reklamieren. Es war ein improvisierter Sprengsatz, der innerhalb des Raumes gelegt wurde. Es gab keine Selbstmordattentäter. Jedoch hat die FSA seit Monaten gelogen. Wie auch immer, der FSA-Sprecher Qassim Saadedine besteht darauf, dass dies “der Vulkan” ist, den sie vor ein paar Tagen zu erwecken versprachen.

Viel pikanter ist, dass die Liwa al-Islam (“Die Brigade des Islam”) parallel dazu auf ihrer Facebook-Seite sagt, dass sie “die Zelle, die als Krisen-Kontrollraum in der Hauptstadt Damaskus bezeichnet wird, gezielt angegriffen” habe. Das wäre die al-Qaida-Stil-Verbindung. In diesem Fall, wo bekommen sie ihre Geheiminformationen her? Von ihren guten Kumpels, der CIA?

Die Assad-Familiensaga liest sich wie ein fertiges Skript für Der Pate IV. Assads Schwager, General Assef Shawkat, war ein großer Sicherheit-Honcho, der weithin als der eigentliche Herrscher von Damaskus angesehen wurde. Er stammte aus einer armen Beduinen-Familie, die in Tartus ansiedelte – dort, wo Russland seine Marinebasis unterhält. Shawkat war der Anführer einer besonderen Brigade während des Massakers von Hama 1982 -, deren Opfer im Wesentlichen Mitglieder der syrischen Muslimbruderschaft waren.

Dann übertrug Pate Hafez al-Assad ihm die Verantwortung für den Schutz seiner Tochter Bouchra. Sie verliebten sich ineinander. Bouchras Bruder, der widerspenstige Bassel al-Assad, war heftig dagegen; er ließ Shawkat, den er als Landei abtat, mindestens viermal verhaften. Bassel starb 1994 bei einem Autounfall; Verschwörungstheoretiker schoben dies auf Rifaat al-Assad, den Bruder von Hafez, der in Frankreich lebte und unbedingt der Nachfolger von Hafez werden wollte.

Bouchra und Shawkat mussten nach Rom fliehen, um die Assad-Familie mit dem Unvermeidlichen zu konfrontieren. Patriarch Hafez gab ihnen seinen Segen, und schließlich heirateten sie. Dann machte Hafez Shawkat verantwortlich für die Vorbereitung von Bashar, um Präsident zu werden. Ab 1998 standen sie sehr eng zueinander; so wurde Shawkat der mächtigste Mann in Syrien. Zwangsläufig schlich sich eine andere Blutfehde ein – diesmal mit Maher, Bashars jüngerem Bruder, dem Kommandeur der 4. Division, der sogar auf Shawkat schoss; er musste sich in einem Krankenhaus in Paris erholen.

Diplomatenkabel von Wikileaks haben gezeigt, dass Shawkat dem französischen Sicherheits-Establishment sehr nahe stand. [3] Sie haben auch gezeigt, dass Shawkat verantwortlich für alles war, was mit dem Sicherheitsaustausch zwischen den USA und Syrien zusammenhing. Shawkat war also nicht gerade ein Persona non grata in Washington; er war “einer unserer Bastarde”.

Der entscheidende Punkt ist, dass sich Bashar seit seinem Amtsantritt als Präsident im Jahr 2000 immer auf Shawkat verlassen hat. Er war Bashars Richelieu – obwohl er keine Basis in der Bevölkerung, ja nicht einmal die volle Unterstützung unter der Alawiten-Elite hatte.

Und das mag ein Hinweis darauf sein, was als nächstes kommt. Viele im inneren Kreis Assads waren extrem feindselig gegenüber Shawkat eingestellt. Jetzt, wo er weg ist, könnte dies womöglich auf einen weißen Staatsstreich in Damaskus hindeuten, bei dem Einige des inneren Kreis die letztliche Entscheidung getroffenen haben, Assad als ein Mittel zu “enthaupten”, um ihren Zugriff auf das System zu erhalten. Eine Art syrische Version des Szenarios von Hosni Mubarak / SCAF (oberster ägyptischer Rat der Streitkräfte).

Es bleibt abzuwarten, was Moskau zu all dem zu sagen hat. Jetzt ist alles möglich. Es ist wichtig zu untersuchen, was der russische Präsident Wladimir Putin dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip “Assad muss gehen” Erdogan erzählen wird – à la “fang nicht an, irgendwelche lustige Ideen zu bekommen”.

Was sicher zu sein scheint, ist, dass Assads innerer Kreis nicht einknicken wird. Im Gegenteil: er wird mit lodernden Waffen – und Panzern – reagieren. Es wurde bereits damit gedroht, “alle Formen des Terrorismus anzugreifen und jede Hand abzuschlagen, die der nationalen Sicherheit schadet”.

Die Banden der FSA greifen alle auf die gleiche Taktik zurück; sie verschanzen sich in Wohngebieten, selbst in Damaskus, und warten darauf, dass das Regime sie attackiert. Die Taktik des Regimes ist monolithisch; sie neigen dazu, jeden Platz einzuebnen, auch ultra-urbane, wo die Banden verschanzt sind. Das Ergebnis ist unvermeidlich: enorme “Kollateralschäden” und massive interne Vertreibungen. Dies kann jetzt auch in Damaskus selbst geschehen – vorausgesetzt, die FSA vermag ihre Schläfer-Zellen aktiv zu halten, was sie nicht kann.

Und dann gibt es da noch die neu entdeckte westliche Liebesgeschichte mit Selbstmordattentätern.

Donald Rumsfelds ehemaliger Stabschef im Pentagon, Keith Urbahn, twitterte: “Einmal wenigstens sollten wir einen Selbstmordattentäter – jenen, der einen wichtigen Teil des Assad-Kabinetts ausschaltete – einen Märtyrer nennen.”

Es spielt keine Rolle, dass er falsch lag – es war kein Selbstmordattentäter, sondern ein improvisierter Sprengkörper. Aber hier haben wir es – direkt aus dem Munde eines Neokonservativen (und aus vielen anderen konservativen und liberalen Mündern ebenfalls).

Wenn man Selbstmordattentäter oder improvisierte Sprengvorrichtungen einsetzt, um Regierungsbeamte eines “Schurkenstaats” zu töten, kommt man damit durch: man ist dann “einer unserer Bastarde”.

Aber versuche es nicht einmal, das gegen die Grüne Zone in Bagdad oder die afghanische Regierung in Kabul oder gegen unsere “vertrauenswürdigen” Verbündeten wie das Haus Saud und den König Playstation in Jordanien zu tun: dann bist du nur ein böser “Terrorist”.

Verweise:
1. Clinton: Arming Syrian rebels could help al Qaeda, 27. February 2012, CBS
2. Clinton: Syria must end violence to avoid “catastrophic assault”, 8. Juli 2012, Reuters
3.Siehe hier

Tlaxcala
Danke Lars Schall
Quelle: http://www.atimes.com/atimes/Middle_East/NG20Ak02.html

Samstag, 21. Juli 2012

Brecht die Macht des Großen Geldes

Eric S. Margolis

Port Royal auf Jamaica wurde seinerzeit als die verruchteste Stadt der Erde bezeichnet. Im 17. Jahrhundert war es ein bevorzugter Schlupfwinkel für Piraten, Seeräuber wie Henry Morgan, Halsabschneider und eine Reihe von Verbrechern.

Ungefähr das, was Somerset Maugham treffend über Monaco sagte: „ein sonniger Platz für zwielichtige Leute.“

1692 versenkte ein massives Erdbeben den größten Teil dieses tropischen Sodoms und 2.000 seiner Einwohner in das Meer. Strafe Gottes nannten es die Prediger.

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
Londons Finanzzentrum, die City of London, ist die moderne Version von Port Royal. Jede Art von finanzieller Täuschung, gesetzwidriges Handeln und systematischer Betrug haben Britanniens Wildwest-Bankensektor befallen. Jeder Tag bringt neue Schandtaten: betrügerische Absprache, LIBOR-Zinsenmanipulation, Aktienmanipulation, Abzocken von Klienten und waghalsiges Spielen.

Als ich mit Frachtschiffen die West Indies befuhr, waren Kasinos mit berühmt berüchtigten manipulierten Spielen bekannt als „Bust Houses“ („Pleitehäuser“). Man würde diese besuchen, um zu spielen, und schnell pleite sein. Freie Getränke mit beigemischten Drogen unterstützten diese Vorgangsweise.

Das ist das London von heute, wo alles geht. Und New Yorks Wall Street, wo es schwierig ist, alle neuen Bankenskandale zu erfassen: manipulierte Kapitalmärkte, Hochgeschwindigkeitshandel, bei dem Insider einen entscheidenden Vorteil haben; Zockerei wie bei betrunkenen Matrosen, giftige Hypotheken – die Liste geht weiter und weiter.

Europa taumelt jetzt von den verzögerten Auswirkungen der Krise 2008 in den Vereinigten Staaten von Amerika, welche entstand, als die Bush-Administration einen Kredit-Tsunami losließ, der große Blasen aufblähte. Banker verdienen ihr Geld mit Verleihen, es wurden also alle Hemmnisse beiseite gewischt, als das Geld hereinströmte. Während der Bush-Jahre war es den Banken gestattet, $45 für jeden $1 an Anlagevermögen zu verleihen, das sie besaßen.

Fast niemand - nicht einmal viele Banker – versteht den ganzen Hokuspokus der Bankbegriffe, ein tiefes Geheimnis wie das der Hohenpriester von Karnak, das dazu dient, Außenstehende zu verwirren. Aber wir brauchen nur zwei Zahlen zu kennen. Erstens, die Konservative Partei des Vereinigten Königreichs erhält mindestens die Hälfte ihrer Finanzierung von Bankern der City of London. Labour bekommt ebenfalls einen Brocken, obwohl etwas diskreter.

Die großen fünf Banken in den Vereinigten Staaten von Amerika, denen von korrupten Regulatoren und Spießgesellen in der Regierung ein Anwachsen zu Leviathanen gestattet wurde, kontrollieren jetzt 40% aller Guthaben in den Vereinigten Staaten von Amerika. Sie sind alle zu groß, um pleite zu gehen, und, wie sich zunehmend herausstellt, zu groß, um sie entsprechend zu managen oder zu überwachen. Das Gleiche trifft auf die britischen Banken zu.

Zweitens, Amerikas Finanzindustrie gab von 1999 bis 2008 $3,7 Milliarden aus für Lobbying und Zuwendungen an den Kongress. Die Ergebnisse waren spektakulär: die Möglichkeiten der Banken, Geld zu verleihen, wurden gewaltig ausgeweitet, die Kapitalreserven reduziert, die Kontrolle nahezu eingestellt. In dieser fiebrigen Atmosphäre des Kasinokapitalismus wurden Banken und Finanzunternehmen – Papierjongleure – zu Amerikas führendem Wirtschaftszweig.

Geld ist Macht. Die unermesslich reiche Finanzindustrie kaufte einfach alle wichtigen Politiker und machte Bankregulatoren zu Schoßhunden. Politische und Wirtschaftsmacht im Vereinigten Königreich und in den Vereinigten Staaten von Amerika wanderten in die City und Wall Street. Der immer käufliche Kongress der Vereinigten Staaten von Amerika wurde von den Bankern gekauft, die sich über ihn lustig machten, was erinnert an den Händler des Todes Sir Basil Zaharoff, der das britische Unterhaus abtat als „dieses kleine Quasselhaus.“

Die Kreditblase platzte 2008 in den Vereinigten Staaten von Amerika und traf dann Europa. Beide Wirtschaften waren dem Suchtmittel Kredit verfallen. Ihre Zentralbanken manipulierten die Märkte, um scheinbares Wachstum zu schaffen.

Der systematischen Betrügereien des amerikanischen und britischen Bankensektors liegen jetzt auf der Hand. Viele erwarten hohe Geldstrafen. Das ist eine Kleinigkeit für riesige Banken. Keiner ihrer maßgeblichen Geschäftsführer wurde jedoch strafrechtlich belangt. Bis jetzt haben sie sich Immunität gekauft.

Wie der französische Präsident Francois Hollande sagte, besteht die Antwort darin, den Baronen der Banken und Finanzwirtschaft den Krieg zu erklären und ihren Zugriff auf Regierung und Geschäft zu brechen.

Alle Banken, die für zu groß erachtet werden, um pleite zu gehen, müssen aufgespalten werden – so wie „trustbusters“ („Konzernknacker“) der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika die riesigen Konzernmonopole der 1920er und 1930er zerbrachen. Banken müssen davon abgehalten werden, mit Einlegergeldern zu zocken – die vorgeschlagene Volcker Rule wird von den großen Banken heftig bekämpft. Die Zentralbanken müssen reformiert werden.

Banker müssen die gleichen Steuern zahlen wie wir und sie müssen daran gehindert werden, Politiker mit Geld und Gefälligkeiten zu überschütten.

Und am wichtigsten: Sparer und Einkommensbezieher dürfen nicht um ihrer Banken willen leiden. Die Banker müssen für ihr Land sterben, nicht Länder für ihre verrotteten Banken. Pensionisten leiden Hunger, während eine Handvoll Banker Wein bestellt, von dem eine Flasche $2.500 kostet.

Es ist Zeit, dass diese modernen Port Royals versenkt werden.

erschienen am 20. Juli 2012 auf > www.ericmargolis.com > Artikel auf HUFFINGTON POST

Übersetzung: Klaus Madersbacher, antikrieg.com

Montag, 16. Juli 2012

Die Wahlfarce in Libyen - Alle Kandidaten sind Erfüllungsgehilfen der Neo-Imperialisten – Wall Street-Favorit Dschibril wird vermutlich gewinnen

Tony Cartalucci begründet, warum er die Wahl in Libyen für eine von den USA inszenierte Farce hält.

Von Tony Cartalucci
Land Destroyer Report, 08.07.12

Der Westen würde am liebsten in allen Staaten, die er während des von ihm inszenierten „Arabischen Frühlings“ destabilisiert und zerstört hat, "liberale" pro-globalistische Kandidaten an die Macht bringen. Nachdem (der vom Westen favorisierte) Mohammed ElBaradei in Ägypten gescheitert ist und seine Ambitionen auf das Präsidentenamt aufgeben musste [s. dazu hier], nehmen ebenfalls vom Westen gelenkte Erfüllungsgehilfen aus den Reihen der Muslimbruderschaft [s. hier] einen erfolgversprechenden zweiten Anlauf.

Zur Machtergreifung in Libyen wird ein ähnliches zweigleisiges Szenario umgesetzt – mit dem in den USA ausgebildeten pro-globalistischen Technokraten Mahmud Dschibril Elwarfally und seiner Partei "Allianz der Nationalen Kräfte" [s. hier] an erster Stelle und mit den terroristischen Ablegern der NATO in der Muslimbruderschaft und dem mit ihnen zusammenarbeitenden Al-Qaida-Ableger, der Libyan Islamic Fighting Group / LIFG [weitere Infos dazu hier] unter dem Warlord Abd al-Hakim Balhadsch an zweiter Stelle.

In Ägypten, wo nach den kurzen chaotischen, teilweise gewalttätigen Protesten Anfang 2011 wieder ökonomische und soziale Stabilität einkehrte, waren die alternativen Medien im Stande, den "liberalen“ Kandidaten ElBaradei bloßzustellen und zu verhindern. Libyen wurde durch das gesetzlose Handeln militanter Opportunisten, durch Gewalt, Stammeskonflikte und von extremistischen Rassisten begangene Morde ins Chaos gestürzt. Die Menschen in Libyen waren zu sehr damit beschäftigt, sich selbst zu verteidigen und verzweifelt um ihr eigenes Überleben zu kämpfen, um sich Gedanken um eine andere Staatsform zu machen und eigene Kandidaten zu der vom Westen arrangierten Wahlfarce aufzustellen.

Mit anderen Worten, gleichgültig, wer die so genannte „freie Wahl“ im kriegszerstörten Libyen gewinnen wird, der Westen hat sichergestellt, dass alle Kandidaten loyale Erfüllungsgehilfen sind und dass der Sieger aus deren Reihen Libyen nach den Vorstellungen des Westens und nicht zum Wohle des libyschen Volkes führen wird.

Image: Mahmoud Elwarfally Jibril, self-proclaimed leader of the Libyan “Transitional National Council” speaks before the corporate-financier funded Brookings Institution in 2011, moderated by former CIA analyst Kenneth Pollack. Jibril maintained that the rebellion against Qaddafi was a natural product of the “globalizational process.” He plans on turning Libya into a "lake" within which the population of all of Africa can be marshaled to meet Europe's markets - or in other words, recolonized.
Die New York Times hat in ihrem Artikel "Party Led by Pro-Western Official Claims Lead in Libya" (Von prowestlichem Vorsitzenden geführte Partei beansprucht Führung in Libyen, der Artikel ist hier aufzurufen) bereits verkündet, dass Dschibrils Partei wahrscheinlich gesiegt hat. Mancher Leser erinnert sich vielleicht noch daran, dass Dschibril im Mai 2011 eine Pilgerfahrt zurück in die USA unternahm, wo er seine Hochschulbildung erhalten und jahrelang in Pittsburgh gelehrt hat, um vor der von US-Konzernen finanzierten Brookings Institution darüber zu reden, dass er Libyen in einen "See" verwandeln wolle, um Afrika nach den Bedürfnissen der Märkte der Europäischen Union entwickeln zu können [s. hier und hier].

Dschibril wird nicht als "gewählter Vertreter" des libyschen Volkes agieren, sondern als technokratischer Erfüllungsgehilfe bei der Durchsetzung westlicher Interessen in Libyen und bei der Rekolonisierung und Ausbeutung der afrikanischen Völker und des ganzen afrikanischen Kontinents. Dschibril oder wer auch immer vom Westen an die Macht gehievt wird, muss versuchen, die in ihn gesetzten Erwartungen unter der „Maske des demokratischen Reformers“ zu erfüllen. Obwohl gutgläubige oder heuchlerische Leute in der ganzen Welt die Wahlen in Libyen beklatschen, sind sie eigentlich nur ein leicht durchschaubarer Versuch der NATO, ihre durch Völkermord betriebene Zerstörung eines der entwickeltsten Staaten Afrikas zu tarnen.

Trotz dieser Wahlen wird Libyen weitgehend gesetzlos und ein sicherer Hafen für Terroristen bleiben, damit es die vorgesehene Rolle als Transitland für Waffen, Kämpfer und Geld spielen kann, mit denen die NATO ihre Erfüllungsgehilfen in der ganzen Region und besonders in Syrien versorgt.

Schon Libyens von Abdel Rahim el-Kib, einem Repräsentanten westlicher Ölkonzerne, geführte "Übergangsregierung", hat bereits eine bedeutende Rolle bei der Unterstützung geopolitischer Ziele des Westens in Nordafrika und im Nahen Osten gespielt, weil sie Waffen und Kämpfer nach Mali und Syrien schickte [s. hier], um von der NATO unterstützten Terroristen bei der Bekämpfung der Regierungen beider Staaten zu helfen. Unter el-Kib hat Libyen auch bereits wichtige Beiträge zur Durchsetzung der westlichen Agenda in der Arabischen Welt geliefert. Zusammen mit der Regierung Tunesiens, die derzeit von dem von den USA bezahlten "Aktivisten“ Moncef Marzouki geführt wird, hat Libyen der jetzigen Regierung Syriens die Anerkennung entzogen. Auch die von den USA installierte Muslimbruderschaft in Ägypten unterstützt die Absichten des Westens in der Region und hat erst kürzlich ein Eingreifen der USA in Syrien gefordert.

Die uninformierte Öffentlichkeit glaubt, die ganze Arabische Welt sei "auf dem Weg in die Demokratie", und die bereits "demokratisierten" Staaten würden ihren noch nicht befreiten Nachbarn helfen, ihre Diktatoren zu vertreiben. Sie glaubt irrtümlicherweise auch, die USA würden auf diesen sich (angeblich) von selbst entfaltenden Prozess nur "reagieren" und ihn fördern.

In Wirklichkeit wurde der so genannte "Arabische Frühling" bereits 2008 vom Westen in Gang gesetzt – mit Hilfe von angeworbenen Aktivisten, die in die USA geflogen und dort ausgebildet wurden; sie erhielten Geld und die nötige Ausrüstung, damit sie nach der Rückkehr in ihre Heimatländer koordinierte Destabilisierungskampagnen inszenieren konnten.

Nach zunächst legitim erscheinenden friedlichen Protesten begannen gewalttätige Elemente, die bereits ab 2007 – und in Libyen sogar noch viel früher – angeworben worden waren [s. hier und hier], gewaltsame Reaktionen der jeweils ins Visier genommen Regierungen zu provozieren.

General Wesley Clark von der US-Army hat über die bereits seit 1991 laufende Planung von Umstürzen in bestimmten Ländern berichtet, die 2001 sogar in einer Liste zusammengefasst wurden. Auf dieser Liste, die General Clark während einer Rede preisgab, die am 3. Oktober 2007 im Commonwealth-Klub in Kalifornien gehalten hat, stehen sieben Staaten deren Destabilisierung und Zerstörung das Pentagon seit langem plant: der Irak, Syrien, Libanon, Libyen, Somalia, der Sudan und der Iran. [Ein Video von seiner Rede ist hier aufzurufen]. (Weitere Informationen dazu sind hier nachzulesen.)

Im Rahmen des geplanten militärischen Feldzuges des Westens gegen die gesamte Arabische Welt sind die Wahlen in Libyen eine reine Farce, die nur dazu dient, der Schaffung eines dem Westen hörigen Marionettenregimes ein demokratisches Mäntelchen umzuhängen und die Libyer und die Weltöffentlichkeit zu täuschen.

(Luftpost-kl.de hat den Artikel des Rechercheurs und Autors Tony Cartalucci komplett übersetzt und mit Ergänzungen und Links in runden Klammern versehen. Die Links in eckigen Klammern hat der Autor selbst eingefügt. Weitere Informationen über ihn sind aufzurufen unter http://www.nexus-magazin.de/artikel/autor/tony-cartalucci. Er betreibt die kritische Website http://landdestroyer.wordpress.com/).



Zum Thema:
Tony Cartalucci: Druck auf Russland: die Vereinigten Staaten von Amerika versuchen, sich mit Massenmord ihren Weg zum Sieg in Syrien zu bahnen......
Nachtwandler: Der Syrienkonflikt bringt Amerikas „Achse des Bösen“ ans Licht......

Samstag, 14. Juli 2012

Der Syrienkonflikt bringt Amerikas „Achse des Bösen“ ans Licht

Autor: Finian Cunningham,
Global Research und Press TV
Die Völker der Erde sollten Syrien sehr dankbar sein. In dieser quälenden Zeit enthüllt das konfliktgepeinigte Land eine wichtige Wahrheit. Aus dem Blutvergießen, den Verwüstungen und dem Chaos, dem die Menschen in Syrien ausgesetzt sind, kann die Welt kristallklar eine entscheidende Tatsache erkennen – die Tatsache, wer und was die wirkliche Ursache der Gewalt ist.

Und diese wirkliche Ursache der Gewalt sucht nicht nur Syrien heim, sondern die ganze Welt.

Vergessen Sie die oft wiederholten Warnungen des Westens vor islamischen Extremisten, Schurkenstaaten, korrupten Regimes, autoritären Supermächten, die „der Feind“ der freiheitsliebenden Menschen sind. Es ist die amerikanische Regierung und deren Alliierte, die die wirkliche „Achse des Bösen“ bilden, die die Welt bedroht.

Das System der kapitalistischen Korruption, Eliten, die ausbeuten und sich bereichern, und die begleitende imperialistische Kriegstreiberei, die die Vereinigten Staaten von Amerika und deren Alliierte aufrecht erhalten – das ist es, was Syrien und den Rest der Welt in Armut, Konflikte und an den Rand der Katastrophe treibt.

Ironischerweise ist es 10 Jahre her, dass Präsident George W. Bush, oder besser gesagt sein Redenschreiber die Phrase von der „Achse des Bösen“ prägte. In seiner Ansprache 2002 an die amerikanische Nation warnte Bush vor drei Ländern, die „aggressiv nach der Erlangung von Waffen der Massenvernichtung streben,“ welche „Terrorismus exportieren“ und von „ein paar wenigen Ungewählten“ regiert werden. Er bezeichnete Irak, Iran und Nordkorea als die „Achse des Bösen.“

Später erweiterte die Bush-Administration die „Mächte des Bösen,” die die Welt bedrohen, um Kuba, Libyen und Syrien.

Als arrogante, von der eigenen Einbildung berauschte Supermacht lieferte der amerikanische Präsident natürlich keinen Beweis für diese empörende Verleumdung – eine Verleumdung, die noch immer ein Element der Außenpolitik der Vereinigten Staaten von Amerika bildet, da sie nie offiziell widerrufen worden ist.

Wären die von Konzernen kontrollierten Medien des Westens wirklich unabhängig, wie sie behaupten, anstatt unterwürfige Sprachrohre für die mächtigen Eliten, dann hätten sie der grotesken Achse-des-Bösen-Verunglimpfung einige historische Richtigstellungen gegenüberstellen können. Die Medien hätten etwa bemerken können, dass der irakische Anführer Saddam Hussein in der Tat von den Vereinigten Staaten von Amerika nach einem mörderischen CIA-Putsch gegen Abdul Karim Qassim eingesetzt wurde. Als Bush junior seine berüchtigte Rede hielt, hatten die irakischen Menschen einen verheerenden Krieg hinter sich, ausgelöst 1991 durch seinen Vater Bush senior, sowie zehn Jahre durch die Vereinigten Staaten von Amerika angestiftete lähmende Wirtschaftssanktionen, die zum Tod von über einer Millionen irakischer Kinder führten, was die ehemalige Außenministerin der Vereinigten Staaten von Amerika Madeleine Albright einmal bezeichnete als „Preis, der es wert war, bezahlt zu werden,“ um den ehemaligen Klienten Amerikas loszuwerden.

Was den Iran betrifft, so hätten die angeblich der Wahrheit verpflichteten Organe des Westens die Öffentlichkeit informieren können, dass die iranische Regierung 1979 politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit von der amerikanischen Tyrannei erlangt hatte, nachdem das iranische Volk den von Washington unterstützten Diktator Mohammed Reza Schah Pahlavi fortgejagt hatte. Der Schah mit seiner brutalen Geheimpolizei SAVAK war 1953 von den Vereinigten Staaten von Amerika als absoluter Monarch eingesetzt worden, nachdem die CIA und der britische MI6 die demokratisch gewählte Regierung des Premierministers Mohammed Mossadegh gestürzt hatten, da dieser es wagte, den persischen Reichtum an Erdöl zum Nutzen des Volkes zu vereinnahmen, statt ihn den Taschen der Kapitalisten des Westens zu überlassen.

Was Nordkorea und seine zurückgezogene kommunistische Regierung betrifft, ungeachtet der Probleme, die sie hat, könnten die Medien des Westens das Achse-des-Bösen-Etikett Bushs zurechtrücken, indem sie darauf hinweisen, dass dieses asiatische Land gegen keinen seiner Nachbarn Krieg geführt hat und es keine nachweisbaren Verbindungen zum internationalen Terrorismus gibt. In der Tat kann Nordkoreas Geheimniskrämerei und Unterentwicklung in einem großen Ausmaß zurückgeführt werden auf Amerikas Aggressionskrieg auf der koreanischen Halbinsel in den frühen 1950ern, in dem die Menschen Nordkoreas gezwungen waren, in Höhlen zu leben, um dem Inferno des Flächenbombardements zu entgehen, das die Vereinigten Staaten von Amerika auf sie losließen. Offiziell leben die Menschen Nordkoreas noch immer unter der Drohung der Auslöschung durch die Vereinigten Staaten von Amerika, da Washington noch immer keinen Waffenstillstand unterzeichnet hat seit 1953, als die Kampfhandlungen endeten.

Die in Demutsposition liegenden Medien des Westens würden niemals das Offensichtliche zugeben: dass der wirkliche Grund für Washingtons Erschaffung einer „Achse des Bösen“ die Untermauerung seiner erlogenen Geschichte des neu begonnen „Kriegs gegen den Terror“ war. Die herrschende Klasse der Vereinigten Staaten von Amerika und deren Alliierten brauchen einen Feind von außen, um ihren Militärismus und ihr aggressives Vorgehen nach außen zu rechtfertigen. Über vier Jahrzehnte lang bildete das „böse Sowjetreich“ den geeigneten Feind. Das erlaubte es den Vereinigten Staaten von Amerika und ihren Alliierten, Länder auf der ganzen Welt zu überfallen und zu besetzen im Namen des „Kampfes gegen den Kommunismus“ und der „Verteidigung der freien Welt,“ während die wirkliche, verborgene Agenda die Erlangung der Kontrolle über natürliche Rohstoffe für die Konzerne des Westens war. Von 1945 bis in die 1990er führten die Vereinigten Staaten von Amerika und ihre europäischen Alliierten offene und verdeckte militärische Interventionen in mehr als 50 Ländern rund um die Welt durch, von Lateinamerika bis in die Karibik, von Afrika über den Mittleren Osten nach Asien. Das ist im Durchschnitt eine militärische Intervention im Jahr. Schätzungen zufolge beträgt die Zahl der Toten aus diesen von den Vereinigten Staaten von Amerika geführten Staatsstreichen, Subversionen, Stellvertreterkriegen und Kriegen wie dem gegen Vietnam weit über 10 Millionen Menschen. Ein vom Westen betriebener Holocaust im Dienst des Kapitals.

Mit dem plötzlichen Zusammenbruch der Sowjetunion 1990-1991 mussten die Mächte des Westens einen neuen Feind erfinden, um ihr imperialistisches Vorgehen weiterhin zu rechtfertigen.

Das war der Beginn der Geschichte des „Krieges gegen den Terror” und dessen Variationen wie der „Achse des Bösen“ und den „Waffen der Massenvernichtung.“ An Stelle einer Friedensdividende, die dem Ende des Kalten Kriegs gegen die Sowjetunion Ausdruck verliehen hätte, durfte die amerikanische Doktrin der nationalen Sicherheit, die die Herrschaft des Westens dominiert, weiter bestehen, weil die Vereinigten Staaten von Amerika und deren Alliierte jetzt einen „neuen Feind“ hatten. Billionen Dollar schwere Budgetausgaben für Militär wurden deshalb fortgeführt auf Kosten der sozialen Entwicklung, und, was entscheidend ist, die militärische Einmischung in die Angelegenheiten souveräner Staaten würde wieder im Namen der „Verteidigung der freien Welt“ erfolgen. Die Vereinigten Staaten von Amerika geben mehr aus für Militär als alle Länder der Welt zusammen genommen, sogar während ihre eigene Gesellschaft der sozialen Kernschmelze aufgrund von Verarmung entgegengeht.

Was die offizielle Ernennung der Achse des Bösen nicht enthüllt hat, war, dass die designierten Bösen bestimmte andere wichtigere Eigenschaften hatten. Sie sind, oder waren im Fall Libyens unabhängig von der Außenpolitik des Westens, und, ganz besonders scharfe Kritiker der Jahrzehnte langen Unterstützung der Vereinigten Staaten von Amerika und Europas für die verbrecherischen Aggressionen Israels gegen die Palästinenser und andere Staaten des Mittleren Ostens. Darüber hinaus besitzen Irak, Iran und Libyen einige der größten Erdöl- und Erdgasreserven der Welt.

Die Bezeichnung „Achse des Bösen” war daher nicht nur eine Möglichkeit, die anderenfalls obsolete nationale Sicherheitsdoktrin der Vereinigten Staaten von Amerika und deren Alliierten aufrecht zu erhalten, sie diente auch dazu, die besagten Länder zu isolieren, dämonisieren und für einen „Regimewechsel“ vorzusehen – das ist ein Wechsel zu Regimes, die sich den wirtschaftlichen und politischen Diktaten Washingtons und des globalen Kapitals unterwerfen.

Von den ursprünglich sechs von der Bush-Administration nominierten Mitgliedern der Achse des Bösen sind Kuba und Nordkorea effektiv isoliert durch vom Westen verhängte Embargos, abgeschnitten von ausgeglichenen internationalen Beziehungen und Entwicklung. Von den restlichen vier wurden Irak und Libyen von Kräften unter Führung der Vereinigten Staaten von Amerika überfallen, zerstört und umorientiert, um den Interessen des Westens zu dienen. Die verbleibenden zwei sind Syrien und Iran, und beide werden mit Wirtschaftssanktionen und geheimen Angriffen des Westens zugeschissen.

Diese Woche wiederholten Russland, China und Iran den vernünftigen Vorschlag, dass dem syrischen Volk gestattet werden muss, seine eigene Zukunft ohne fremde Einmischung zu bestimmen. Sogar Kofi Annan, der Sondergesandte der Arabischen Liga, der in der Vergangenheit eifrig den Regierungen des Westens gefällig war, scheint diesen Vorschlag zu unterstützen. Tatsächlich einigte er sich während seines Besuchs in Teheran diese Woche mit dem iranischen Außenminister Ali Akhbar Salehi dayrauf, dass die Einmischung des Westens in die Angelegenheiten Syriens und die Zufuhr von Waffen aufhören muss.

Welche Position vertreten die Vereinigten Staaten von Amerika und ihre Alliierten? Jede innersyrische Lösung zurückweisend haben Washington, London, Paris und ihre Alliierten Türkei und die Monarchien der Golfregion versprochen, die finanzielle und materielle Unterstützung für die bewaffneten Gruppen zu verstärken, die über die letzten 16 Monate hinweg eine Kampagne der terroristischen Subversion betreiben. Die von den Vereinigten Staaten von Amerika angeführte Achse besteht darauf, dass der syrische Präsident Bashar Al Assad auf ihren Zuruf sofort gehen muss. Wie eine Mafianutte sagte die Außenministerin der Vereinigten Staaten von Amerika Hillary Clinton, dass Russland und China für ihre (vernünftige) Haltung „einen Preis zahlen“ werden müssen. Clinton gab dann die finstere Warnung von sich, dass Assads „Tage gezählt sind“ und dass im Fall, dass es zu keiner politischen Veränderung im Sinn Amerikas kommt, die Menschen in Syrien vor einem „katastrophalen Angriff stehen, der nicht nur für Syrien sehr gefährlich sein wird, sondern für die Region.“

Das ist die geistige Haltung und Sprache eines faschistischen Schurkenstaates.

Was in Syrien vor sich geht, ist eine herzzerreißende Tragödie. Eine positive Sache jedoch, die sich vor dem Leiden abzeichnet, ist die leuchtende für die Welt erkennbare Wahrheit darüber, wer wirklich die „Achse des Bösen“ bildet. Die Worte eines amerikanischen Präsidenten kommen zurück und geistern herum in einer Weise, die er sich nie vorgestellt hat. Denn was die Welt in Syrien beobachtet, ist die amerikanische Achse des Bösen. Diese Wahrheit zwingt uns, zurückzublicken auf die letzten Jahrzehnte und die letztliche Ursache von Gewalt, Konflikt und Kriegen in der jüngsten Geschichte zu erkennen. Diese Wahrheit zwingt uns, die Gegenwart zu betrachten mit offenen Augen dafür, warum Armut, sozialer Verfall und Elend Hand in Hand gehen mit unermesslichem Reichtum der Elite, mit Macht und Kriegstreiberei. Die Achse der Mächte unter Führung der Vereinigten Staaten von Amerika, die einer globalen Elite dienen, plündern ihre eigenen Gesellschaften und alle anderen, die ihren Herrschaftsansprüchen im Weg stehen.

Diese Wahrheit kann uns befreien.

Übersetzung: Klaus Madersbacher, antikrieg.com

Tony Cartalucci: Druck auf Russland: die Vereinigten Staaten von Amerika versuchen, sich mit Massenmord ihren Weg zum Sieg in Syrien zu bahnen......

Freitag, 13. Juli 2012

Die Hölle wird für den Heiligen Krieg der NATO aufkommen

Autor Pepe Escobar, Asia Times
Übersetzung Lars Schall

US-Außenministerin Hillary Clinton mag drohen, dass Russland und China für ihre Haltung im Syrien-Konflikt einen Preis werden zahlen müssen; aber den wirklichen Preis haben die USA selber zu zahlen, da ihr Heiliges Kriegs-Syndrom das Ende des US-Dollars als globale Reservewährung beschleunigt.
US-Außenministerin Hillary Clinton geht langsam die rhetorische Munition im Heiligen Krieg der USA gegen Syrien aus. Vielleicht ist es die Belastung durch die Lancierung eines NATO-Kriegs unter Umgehung des UN-Sicherheitsrates. Vielleicht ist es die Belastung, regelmäßig zum Frühstück vom russischen Außenminister Sergej Lawrow verspeist zu werden.

Hillary hat gerade die “westlichen Mächte” und ihre arabischen Strohmänner – die NATO-GCC-Verbindung [1], die als die “internationale Gemeinschaft” durchgeht – dazu aufgerufen, “deutlich zu machen, dass Russland und China einen Preis dafür zahlen werden, weil sie Fortschritte aufhalten” in Bezug auf den bewaffneten Regime-Wechsel in Syrien.

In Nicht-Neusprech bedeutet das: “Wenn Ihr unseren neuen Krieg blockiert, werdet Ihr Vergeltung erhalten.”

Ungeachtet des Lachens in den Gängen des Kreml und des Zhongnanhai zeigt dies, wie verzweifelt die NATO-GCC-Verbindung einen Regime-Wechsel in Syrien erzwingen will, und zwar als Zwischenstopp beim Abschneiden der privilegierte Verbindung des Irans mit der arabischen Welt. Dies geschieht, während der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdogan – die NATO-Ostflanke führend – ein Jucken zum Angriff auf Syrien verspürt; nur findet er keinen Weg, ihn der türkischen Öffentlichkeit verkaufen zu können.

In diesem Zusammenhang taucht WikiLeaks auf, indem es eine Charge von sehr peinlichen E-Mails des Assad-Systems wie auch der NATO-Rebellen freigibt. Ein möglicher Nebeneffekt wird sein, dass die sogenannten Progressiven überall im Westen in Wellen dazu inspiriert werden, eine Unterstützung des Heiligen Krieges auf Syrien zu starten. Eine realistische Wirkung wird sein, zu zeigen, wie unappetitlich beide Seiten in Wirklichkeit sind – der Polizeistaat des Assad-Systems als auch die bewaffnete Opposition.

Autobomben-Tourismus

Es ist sinnvoll zu prüfen, welchen Preis Washington selbst bezahlen könnte (von seinen NATO-Subjekten ganz zu schweigen), um diesen Heiligen Krieg mit – wen sonst? – dem gleichen Haufen von “Terroristen” zu kämpfen, die bis gestern drauf und dran waren, die westliche Zivilisation zu zerstören und sie in ein riesiges Kalifat zu verwandeln.

Washington, London und Paris haben – zweimal – versucht, den UN-Sicherheitsrat in einen weiteren Krieg hinein zu drehen. Sie wurden von Russland und China geblockt. Also war der Plan, die UN zu umgehen und einen NATO-Krieg zu beginnen. Das Problem ist, dass die NATO keinen Mut – und kein Geld – hat für einen sehr riskanten Krieg mit einem Land, das sich tatsächlich selbst verteidigen kann.

Daher sieht Plan C vor, auf einen langen Bürgerkrieg zu setzen, bei dem die alles andere als freie syrische Armee, vollgestopft mit Söldnern und Dschihadisten, benutzt wird, aber auch die Bande an opportunistischen Exilanten, die als der syrische Nationalrat bekannt ist.

Der syrische Nationalrat hat tatsächlich eine Flugverbotszone über Syrien im Libyen-Stil gefordert – eine Abkürzung für einen NATO-Krieg. Auch die Türkei hat offiziell die NATO um eine Flugverbotszone gebeten. NATO-Befehlshaber mögen unfähig sein – aber sie haben eine gewisse Erfahrung mit großen Peinlichkeiten (siehe Afghanistan). Sie weigerten sich.

Beide, der syrische Nationalrat und die freie syrische Armee, könnten nicht weniger repräsentativ sein. Die “Freunde von Syrien” – Hillary und die arabischen Strohmänner – erkennen kaum die Existenz der nationalen Koordinierungsstelle für Demokratischen Wandel (NCB) an, die wichtigste einheimische Oppositionsbewegung in Syrien, die sich aus 13 politischen Parteien zusammensetzt, Linke, arabische Nationalisten und eine kurdische Partei. Die NZB prangert jede Form von Militarisierung an und verwirft die freie syrische Armee komplett.

Iraks Außenminister Hoshyar Zebari – ein Kurde – hat davor gewarnt, dass sich Salafi-Dschihadisten der al-Qaida-Form in Scharen in Syrien hinein bewegen. Offenbar hört dieser Haufen noch sehr genau auf den “unsichtbaren” al-Qaida-Ideologen Dr. Ayman al-Zawahiri; vor fünf Monaten gab er diesen Marschbefehl an Dschihadisten im Irak, Jordanien, Libanon und der Türkei aus. Es hilft auch, dass viele von ihnen – über verschiedene Netze – vom Haus Saud und Katar bewaffnet werden.

Seit Monaten weiß jeder, dass die Libysche Islamische Kampfgruppe (LIFG) des mit al Qaida verbundenen Abdul Hakim Belhaj in Syrien aktiv war. Ferner sind Reste der al Qaida im Irak nun verantwortlich für Autobomben auch in Damaskus.

Im Falle eines Syriens nach Assad, das dominiert wird von Hardcore-Sunniten, die durch Wahhabiten und Salafi-Dschihadisten infiltriert sind, wird es garantiert einen Rückfall geben, der Afghanistan nach dem anti-sowjetischen Dschihad der 1980er Jahre wie einen Ritt im Disneyland zu Hong Kong aussehen lassen wird.

Wir akzeptieren Yuan und Rubel

Soweit es China angeht, so lacht es über Hillarys Verzweiflung, indem es den großen Reibach macht. Da das Haus Saud immer paranoider ob dessen wird, was es als den Flirt der Obama-Regierung mit der Demokratie in der arabischen Welt ansieht, erhöhte Peking die Handelsbeziehungen durch die Bereitstellung einer Reihe von neuen Raketen nach Riad.

Und während der “Westen” mit dem Heiligen Krieg flirtet, haben Pekings staatlich geförderte Unternehmen überall im gesamten Mittleren Osten, Nordafrika und Südamerika wie verrückt Rohstoffe aufgekauft – sowie Seltene Erden für strategische Reserven bevorratet. China produziert nicht weniger als 97% der weltweit Seltenen Erden – die für alles von iPads bis hin zu diesen glänzenden neuen Raketen, die jetzt in der arabischen Wüste braten, verwendet werden.

Andere Nebenwirkungen im Sinne von “den Preis zu zahlen haben” werden für die Umgehung der UNO und der Besessenheit, die NATO als globalen Robocop einzusetzen, unvermeidlich sein. Es sollte nicht vergessen werden, dass der Heilige Krieg gegen Syrien ein Zwischenstopp auf dem Weg nach Teheran ist. Zum Beispiel könnte jetzt ein neues System der maritimen Versicherungen sowie eines neuen internationalen Austausch-Mechanismus’ – unter Umgehung des westlichen Diktats – geboren werden.

Doch das wichtigste Element könnte eine konzertierte Aktion durch Russland, Iran und China sein, um den globalen Energiemarkt durch Transaktionen außerhalb des Petrodollars zu reorganisieren.

Washington schneidet also den Iran von SWIFT ab – dem internationalen Banken-Clearing-System? Irans Zentralbank schlägt zurück: Wenn Ihr mit uns Geschäfte machen wollt, könnt Ihr in jeder beliebigen Währung außer dem US-Dollar zahlen, oder Ihr könnt mit Gold bezahlen.

Dies ist der heilige Gral des Heiligen Krieges – nicht Syrien. Eine Sache ist es, dass Teheran Euro als Bezahlung für sein Öl und Gas akzeptiert; eine andere Sache ist es, Gold zu akzeptieren. Und oben drauf tut es das mit voller Unterstützung von Russland und China.

Kurz gesagt, beschleunigt das ganze Heilige Kriegs-Syndrom das Ende des US-Dollars als globale Reservewährung. Und wenn es passiert, wird es einen amerikanischen Frühling geben? Oder werden die US-Eliten – wie der Mob – den Mut und den Muskel haben, Russland und China zu zwingen, den Preis zu zahlen?

Anmerkung:

1. NATOGCC ist eine Verbindung der North Atlantic Treaty Organization / NATO und des Golf-Kooperationsrates / Gulf Cooperation Council.

Tlaxcala

Mehr zum Thema:

Gegenmeinung: Irans Waffe gegen die Wall Street.....

Donnerstag, 12. Juli 2012

Die zusammenbrechende Wirtschaft der Vereinigten Staaten von Amerika und das Ende der Welt

Autor Paul Craig Roberts
In der vor kurzem erschienenen Kolumne „Kann die Welt Washingtons Überheblichkeit überleben?“ habe ich versprochen zu untersuchen, ob die Wirtschaft der Vereinigten Staaten von Amerika zusammenbrechen wird, ehe Washington uns in seinem Streben nach der Weltherrschaft in eine Konfrontation mit Russland und China bringt. Dieses Thema wird auf dieser Website wohl weiterhin behandelt werden, dieser Artikel wird also nicht das letzte Wort dazu sein.

Washington befindet sich im Krieg seit Oktober 2001, als Präsident George W. Bush einen Vorwand ausheckte, um den Überfall der Vereinigten Staaten von Amerika auf Afghanistan zu befehlen. Dieser Krieg wanderte in die zweite Reihe, als Bush einen weiteren Vorwand ausheckte, um den Überfall auf den Irak im Jahr 2003 anzuordnen, einen Krieg, der ohne erkennbaren Erfolg 8 Jahre lang andauert und den Irak in ein Chaos gestürzt hat, mit tagtäglich Dutzenden Toten und Verwundeten, einem neuen starken Mann an der Stelle des illegal hingerichteten ehemaligen starken Mannes, und der Wahrscheinlichkeit, dass die weiter anhaltende Gewalt zum Bürgerkrieg wird.

Nach seiner Wahl schickte Präsident Obama törichterweise weitere Soldaten nach Afghanistan und erneuerte die Intensität dieses Krieges, der jetzt in seinem elften Jahr steht und keine Erfolge erbracht hat.

Diese beiden Kriege waren teuer. Gemäß Schätzungen von Joseph Stiglitz und Linda Bilmes belaufen sich die Kosten für den Krieg gegen den Irak für die Steuerzahler der Vereinigten Staaten von Amerika auf insgesamt $3 Billionen. Das Gleiche gilt für den Krieg gegen Afghanistan. Anders gesagt verdoppelten die beiden nutzlosen Kriege die Staatsschulden der Vereinigten Staaten von Amerika. Das ist der Grund dafür, dass kein Geld vorhanden ist für soziale Sicherheit, Medicare, Medicaid, Lebensmittelmarken, Umweltschutz und das soziale Sicherheitsnetz.

Die Amerikaner haben durch die Kriege gar nichts gewonnen, aber nachdem die Kriegsschulden nie zurückgezahlt werden können, werden die Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika und ihre Nachkommen für alle Ewigkeit Zinsen für $6.000 Milliarden Kriegsschulden bezahlen müssen.

Nicht zufrieden mit diesen Kriegen, führt das Bush/Obama-Regime unter Verletzung des Internationalen Rechts Militäroperationen in Pakistan, Jemen und Afrika durch, organisierte den Sturz der libyschen Regierung durch Waffengewalt, arbeitet zur Zeit daran, die syrische Regierung zu stürzen und lässt weiterhin militärische Kräfte gegen den Iran auffahren.

Nachdem es die muslimischen Gegner, die es geschaffen hat, für unzureichend erachtet von deren Energien und Budget her, hat Washington Russland mit Militärbasen umstellt und hat mit der Einkreisung Chinas begonnen. Washington hat angekündigt, dass der Großteil seiner Seestreitkräfte im Lauf der kommenden Jahre in den Pazifik verlegt werden wird, Washington arbeitet auch daran, seine Marinebasis auf den Philippinen wieder in Betrieb zu nehmen, eine neue auf einer südkoreanischen Insel aufzubauen, einen Marinestützpunkt in Vietnam zu erwerben sowie Luftwaffen- und Militärbasen anderswo in Asien.

In Thailand versucht Washington, mit den üblichen Schmiergeldern einen Luftwaffenstützpunkt zu kaufen, den es im Vietnamkrieg benützt hat. Dagegen gibt es Widerstand, weil das Land nicht in Washingtons absehbaren Konflikt mit China hineingezogen werden will. Laut thailändischen Zeitungen erklärte Washington, indem es den wirklichen Grund für die Luftwaffenbasis herunterspielte, der Regierung Thailands, dass die Basis für „humanitäre Einsätze“ benötigt würde. Das zog nicht, also ließ Washington die NASA um die Luftwaffenbasis fragen, um dort „Wetterexperimente“ durchzuführen. Ob dieser Schmäh Erfolg hat, wird man sehen.

Marinesoldaten der Vereinigten Staaten von Amerika wurden nach Australien und Asien geschickt.

China und Russland (und den Iran) einzugrenzen ist ein massives Unterfangen für ein Land, das finanziell am Sand ist. Mit Kriegen und Banksterfreikäufen haben Bush und Obama die Staatsschulden der Vereinigten Staaten von Amerika verdoppelt, während sie verabsäumten, auf die Desintegration der Wirtschaft der Vereinigten Staaten von Amerika einzugehen und auf die wachsenden Schwierigkeiten der Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika.

Die folgenden Statistiken werden mit freundlicher Genehmigung von www.shadowstats.com wiedergegeben.

Das jährliche Budgetdefizit der Vereinigten Staaten von Amerika kommt in einer Höhe von etwa $1,5 Billionen ohne Aussicht auf Verringerung zu den angehäuften Schulden dazu. Das Finanzsystem liegt in Trümmern und erfordert fortgesetzte Freikäufe. Die Wirtschaft ist ruiniert und war nicht in der Lage, gut bezahlte Arbeitsplätze zu schaffen, ja nicht einmal irgendwelche Arbeitsplätze. Trotz Jahren des Bevölkerungswachstums liegt die Zahl der Arbeitsplätze Mitte 2012 gleich hoch wie 2005 und beträchtlich niedriger als 2008. Dennoch sagen uns die Regierung und die Medienhuren, dass es hierzulande aufwärts geht.

Laut dem Amt für Arbeitsstatistik der Vereinigten Staaten von Amerika betrug die Zahl der Beschäftigten 2011 nur eine Million mehr als 2002. Nachdem es rund 150.000 neue Arbeitsplätze im Monat braucht, um mit dem Bevölkerungswachstum mitzuziehen, bleibt unter dem Strich ein Verlust von 15 Millionen Arbeitsplätzen in den letzten zehn Jahren.

Die Quoten für Arbeitslosigkeit und Inflation in den Vereinigten Staaten von Amerika sind viel höher als berichtet. In früheren Artikeln habe ich auf der Basis der Arbeit des Statistikers John Williams von www.shadowstats.com erklärt, warum die Zahlen der Regierung gravierende Untertreibungen darstellen. Die offizielle Arbeitslosenquote (U3) von 8,2% erfasst keine Arbeiter, die es aufgegeben haben, eine Arbeit zu finden. Die Regierung führt noch eine zweite Arbeitslosenquote, in der die kurzfristig ausgestiegenen Arbeiter enthalten sind. Diese beträgt 15%. Wenn die langfristig ausgestiegenen Arbeiter mitgerechnet werden, dann beträgt die derzeitige Arbeitslosenquote in den Vereinigten Staaten von Amerika 22%, eine Höhe, die näher an der Arbeitslosenquote der Großen Depression liegt als an den Arbeitslosenquoten der Nachkriegsrezessionen.

Änderungen bei der Berechnung der Inflation haben den Konsumentenpreisindex (CPI) als Maßstab für die Lebenshaltungskosten obsolet gemacht. Die neue Methode beruht auf Ersatzzahlen. Wenn der Preis einer Ware steigt, dann wird an deren Stelle eine billigere genommen. Zusätzlich werden einige Preissteigerungen als Qualitätsverbesserungen gewertet, egal ob sie das sind oder nicht, und scheinen daher nicht im CPI auf. Die Leute müssen zwar den höheren Preis bezahlen, aber das wird nicht als Inflation gerechnet.

Derzeit liegt die nach diesen Methoden berechnete Inflationsrate bei rund 2%. Wenn man allerdings die Inflation an den tatsächlichen Lebenshaltungskosten misst, beträgt die Inflationsrate 5%.

Der Elendsindex wird berechnet aus Inflation und Arbeitslosenquoten. Der Stand des derzeitigen Elendsindex hängt davon ab, ob die neuen zurechtgebastelten Methoden angewendet werden, die die schlechte Situation herabspielen, oder die frühere Methode, die genaue Resultate liefert.

Vor der Wahl im November 1980 erreichte der Elendsindex 22%, was ein Grund war für den Sieg Reagans über Präsident Carter. Wenn wir heute die frühere Methode anwenden, dann steht der Elendsindex bei 27%. Mit der neuen zusammengebastelten Methode steht der Elendsindex jedoch bei 10%.

Die Untertreibung der Inflation dient dazu, das Bruttoinlandsprodukt(BIP) in die Höhe zu treiben. Das BIP wird berechnet in im Umlauf befindlichen Dollars. Um bestimmen zu können, ob das BIP angestiegen ist aufgrund von Preissteigerungen oder aufgrund von Anstiegen im realen Output, wird das BIP um den CPI verringert. Je höher die Inflationsrate, desto niedriger das Wachstum beim realen Output und umgekehrt. Wenn die Methode mit den Ersatzprodukten für die Berechnung der Inflation benutzt wird, dann erlebte die Wirtschaft der Vereinigten Staaten von Amerika ein reales Wachstum im 21. Jahrhundert mit Ausnahme des scharfen Abfalls 2008-2010. Nimmt man jedoch die Methode der Berechnung der realen Lebenshaltungskosten, dann hat die Wirtschaft der Vereinigten Staaten von Amerika mit Ausnahme einer kurzen Phase 2004 seit 2000 kein reales Wachstum mitgemacht.

In der obenstehenden Tabelle ist die niedrigere Berechnung (blaue Linie) des realen BIP reduziert um die Inflation, die aufgrund der gemessenen Lebenshaltungskosten berechnet wurde. Die höhere (rote Linie) BIP-Berechnung verringert das BIP um die nach der neuen Methode berechneten Werte.

Das Fehlen von Arbeitsplätzen und das reale BIP-Wachstum gehen Hand in Hand mit dem Absinken des realen durchschnittlichen Haushaltseinkommens. Der Anstieg der Haushaltsverschuldung glich das mangelnde Einkommenswachstum aus und hielt die Wirtschaft am Laufen, bis die Konsumenten ihre Möglichkeiten erschöpft hatten, noch mehr Kredite aufzunehmen. Mit Konsumenten, die tot im Wasser treiben, ist die Aussicht auf wirtschaftliche Erholung trist.

Politiker und die Notenbank machen die Aussichten sogar noch trister. In einer Zeit hoher Arbeitslosigkeit und schuldengeplagter Haushalte kürzen Politiker auf lokaler, Bundesstaats- und Bundesebene die Budgets für öffentliche Vorsorgemaßnahmen bei Gesundheit, Pensionen, Lebensmittelmarken, Wohnbeihilfen und alle Bereiche des Netzes der sozialen Sicherheit. Diese Kürzungen wirken sich natürlich negativ auf die gesamtwirtschaftliche Nachfrage aus und auf die Fähigkeit der einkommensgestressten Amerikaner zu überleben.

Die Zinssätze der Notenbank sind so niedrig, dass Menschen im Ruhestand und andere, die von ihren Ersparnissen leben, nichts aus ihrem Geld heraus bekommen. Die Zinsen, die für verbriefte Bankeinlagen und Regierungs- und Firmenanleihen bezahlt werden, liegen unter der Inflationsrate. Um von einem Einkommen aus Zinsen leben zu können, muss man griechische, spanische oder italienische Staatsanleihen kaufen und den totalen Verlust des Kapitals riskieren. Die Politik der negativen Zinssätze der Notenbank zwingt Menschen im Ruhestand, ihr Kapital auszugeben, um leben zu können. Anders gesagt, es ist die Politik der Notenbank, persönliche Sparguthaben zu vernichten, indem Menschen gezwungen werden, ihr Kapital auszugeben, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren.

Im Juni gab die Notenbank bekannt, sie würde ihre Politik fortsetzen, die Leitzinssätze noch tiefer zu treiben, dieses Mal mit Schwerpunkt auf langfristige Staatsanleihen. Die Fed sagte, sie würde um $400 Milliarden 30-jährige Staatsanleihen ankaufen.

Die Zinssätze zu senken heißt die Preise für Staatsanleihen in die Höhe zu treiben. Nachdem 5-jährige Staatsanleihen nur 0,7% erbringen und 10-jährige nur 1,6%, also weniger als die Inflationsrate, versuchen Amerikaner verzweifelt, sich in die 30-jährigen Staatsanleihen zu flüchten, die zur Zeit 2,7% bringen. Die hohen Preise für Anleihen bedeuten allerdings, dass das Risiko des Kapitalverlustes sehr hoch ist.

Die Monetarisierung der Schulden der Notenbank, oder ein Abfall im Wechselkurs des Dollars, indem andere Länder von seiner Benutzung als wechselseitiges Zahlungsmittel abgehen, könnten eine Inflation in Gang setzen, die die Zinssätze der Kontrolle der Notenbank entziehen würde. Wenn die Zinssätze steigen, sinken die Preise für Anleihen.

In anderen Worten: Anleihen bilden jetzt die Blase, die Immobilien, Aktien und Derivate gebildet haben. Wenn diese Blase platzt, werden die Amerikaner einen weiteren schweren Schlag gegen ihren verbleibenden Besitz erleiden.

Es macht keinen Sinn, in langfristige Anleihen bei negativen Zinssätzen zu investieren, wenn die Regierung Schulden anhäuft, die die Notenbank zu Geld macht und wenn andere Länder sich von der Dollarflut absetzen. Das Potenzial eines Anstiegs der Inflationsrate ist hoch aufgrund von Schuldenmonetarisierung und einem Absinken des Dollar-Wechselkurses. Die Finanzberater werden allerdings der Herde in längerfristige Anleihen folgen müssen oder ihre Leistung wie die ihrer Kollegen an das Ende der Rankings fallen sehen.

Einige individuelle Investoren und ausländische Zentralbanken, die von einem Wertverlust des Dollars ausgehen, häufen Barren von Gold und Silber an. Nachdem sie die Gefahr für den Dollar und ihre Politik nach dem rapiden Anstieg des Preises für Edelmetalle 2011erkannt hatte, ergriff die Notenbank gegenläufige Maßnahmen. Wenn die Nachfrage nach Edelmetallen den Preis hinauftreibt, werden kurzfristige Ankäufe auf den Märkten der entsprechenden Papiere getätigt, um den Preis wieder hinunterzutreiben.

In ähnlicher Weise verkaufen J.P. Morgan und andere von der Notenbank Abhängige Zinssatzvereinbarungen, wenn Investoren beginnen, aus den Staatsanleihen zu flüchten und dadurch ein Ansteigen der Zinssätze verursachen, wodurch sie den Auswirkungen der Zinssätze auf die Verkäufe von Anleihen gegensteuern. (Denken Sie daran, dass die Zinssätze steigen, wenn die Preise für Anleihen fallen und umgekehrt.)

Der Sinn all dieser Information besteht darin aufzuzeigen, dass mit Ausnahme des 1 Prozent Einkommen und Besitz der Amerikaner quer durchs Gemüsebeet zurückgestutzt werden. Von 2002 bis 2011 verlor die Wirtschaft 3,5 Millionen Arbeitsplätze in der Produktion. Diese wurden ersetzt durch schlechter bezahlte Jobs im Gastgewerbe (1.189.000), im Gesundheitsbereich (1.512.000) und in sozialen Dienstleistungen (578.000).

Diese Ersatzjobs in inländischen Dienstleistungen bedeuten, dass unter dem Strich Einkommen von Konsumenten in den Vereinigten Staaten von Amerika aus dem Land geschafft wurde. Die Gesamtnachfrage in den Vereinigten Staaten von Amerika sank um die Differenzen bei der Bezahlung in den verschiedenen Kategorien von Arbeitsplätzen. Klar und unmissverständlich senkte die Auslagerung von Arbeitsplätzen das verfügbare Einkommen in den Vereinigten Staaten von Amerika und das BIP der Vereinigten Staaten von Amerika, und dadurch die Beschäftigung.

Ungeachtet des Fehlens einer wirtschaftlichen Grundlage gehen Washingtons hegemonische Bestrebungen unvermindert weiter. Andere Länder amüsieren sich über Washingtons Unkenntnis. Russland, China, Indien, Brasilien und Südafrika sind dabei, ein Abkommen über die Abschaffung des US Dollars als Währung für internationale Zahlungen untereinander zu schließen.

Am 4. Juli berichtete China Daily: „Japanische Politiker und prominente Akademiker aus China und Japan forderten Tokio am Dienstag auf, seine veraltete Außenpolitik der Anlehnung an den Westen aufzugeben und China als einen Schlüsselpartner zu akzeptieren, der ebenso wichtig ist wie die Vereinigten Staaten von Amerika. Der Tokyo Consensus, eine gemeinsame Stellungnahme, herausgegeben am Ende des Peking-Tokio-Forums, rief ebenfalls beide Länder dazu auf, den Handel auszuweiten und ein Freihandelsabkommen zwischen China, Japan und Südkorea anzustreben.“

Das heißt, dass Japan im Spiel ist.

Die chinesische Regierung, intelligenter als Washington, reagiert auf Washingtons militärische Drohungen, indem sie die beiden wichtigsten asiatischen Verbündeten Washingtons abwirbt. Da die chinesische Wirtschaft jetzt so groß ist wie die der Vereinigten Staaten von Amerika und auf einer weit solideren Grundlage steht, und nachdem Japan jetzt mehr Handel mit China treibt als mit den Vereinigten Staaten von Amerika, ist diese Abwerbung verlockend. Darüber hinaus ist China ein Nachbar und Washington ist weit entfernt und versinkt in seiner Überheblichkeit.

Washington, das dem Internationalen Recht und seinem eigenen Recht und der Verfassung den Stinkefinger gezeigt hat mit seiner Arroganz und überflüssigen und verbrecherischen Kriegen und mit seiner Anmaßung des Rechts, seine eigenen Bürger und die seiner Alliierten wie etwa Pakistans umzubringen, hat die Vereinigten Staaten von Amerika zu einem Pariastaat gemacht.

Washington kontrolliert noch immer seine gekauften und bezahlten NATO-HiWis, aber diese Kriecherstaaten sind überfordert mit Schuldenproblemen aus Derivaten, die ihnen Wall Street angedreht hat und mit eigenen Schuldenproblemen, von denen einige von Goldman Sachs aus der Wall Street kaschiert worden waren.

Europa hängt in den Seilen und hat kein Geld, mit dem es Washingtons Kriege um die Weltherrschaft finanzieren könnte.

Washington wird zu einem isolierten und verachteten Element der Weltgemeinschaft. Washington hat Europa, Kanada, Australien, den ehemaligen sowjetischen Staat Georgien (und beinahe die Ukraine) und Kolumbien gekauft und setzt seine Anstrengungen fort, die ganze Welt zu kaufen, aber die Stimmung wendet sich gegen den aufsteigenden Gestapostaat, der sich selbst als gesetzlos, rücksichtslos und gleichgültig gegenüber menschlichem Leben und Menschenrechten gezeigt hat.

Eine Regierung, deren Militär nicht fähig war, mit der Hilfe des Vereinigten Königreichs den Irak nach acht Jahren zu okkupieren und gezwungen war, den Konflikt zu beenden, indem sie die „Aufständischen“ auf die Gehaltsliste der Vereinigten Staaten von Amerika setzte und bezahlt, damit sie aufhören, amerikanische Soldaten zu töten, eine Regierung, deren Militär nicht fähig war, nach elf Jahren ein paar tausend leicht bewaffnete Taliban zu bezwingen, übertreibt es wirklich, wenn sie Krieg gegen den Iran, Russland und China organisiert.

Die einzige Aussicht, die Washington hat, um in einem derartigen Unterfangen übrig zu bleiben, ist es, als erster Atomwaffen einzusetzen, seine dämonisierten Gegner in einem Überraschungsangriff niederzubomben. In anderen Worten, durch die Vernichtung des Lebens auf der Erde.

Ist das Washingtons Programm, enthüllt von dem neokonservativen Kriegshetzer Bill Kristol, der sich nicht schämte, öffentlich die Frage zu stellen: „Wofür sollen Atomwaffen gut sein, wenn man sie nicht benutzen kann?“

erschienen am 8. Juli 2012 auf > Paul Craig Roberts Website

Übersetzung; Klaus Madersbacher, antikrieg.com

Zum Thema

Gegenmeinung: Kann die Welt Washingtons Überheblichkeit überleben?.....


Über Dr. Paul Craig Roberts

Paul Craig Roberts war stellvertretender Finanzminister für Wirtschaftspolitik und Mitherausgeber des Wall Street Journal. Er war Kolumnist für Business Week, Scripps Howard News Service, und Creators Syndicate. Er hat für viele Universitäten gearbeitet. Seine Internet-Spalten haben eine weltweite Leserschaft.

Mittwoch, 11. Juli 2012

Die Vergiftung Arafats

Autor Uri Avneri אורי אבנרי
Übersetzt von Ellen Rohlfs
Herausgegeben von Susanne Schuster
FÜR MICH war es keine Überraschung. Vom allerersten Tag an war ich davon überzeugt, dass Jassir Arafat von Ariel Sharon vergiftet worden ist. Ich schrieb sogar einige Male darüber.

Es war eine einfache, logische Schlussfolgerung.

Erstens fand eine gründliche medizinische Untersuchung im französischen Militärkrankenhaus statt, wo er starb, und man fand keine Ursache für seinen plötzlichen Kollaps und Tod. Keine Spuren irgend einer lebensbedrohenden Krankheit wurden gefunden.

Die von der israelischen Propagandamaschine verbreiteten Gerüchte, Arafat habe AIDS , waren glatte Lügen. Sie waren eine Fortsetzung der von derselben Maschine verbreiteten Gerüchte, dass er schwul sei – alle waren ein Teil der unerbittlichen Dämonisierung des palästinensischen Führers. Das lief seit Jahrzehnten täglich so.

Wenn es keine offensichtliche Todesursache gibt, dann muss es eine weniger offensichtliche geben.

Zweitens wissen wir jetzt, dass verschiedene Geheimdienste Gifte besitzen, die keine Spuren hinterlassen. Dazu gehören die CIA, der russische FSB (Nachfolger des KGB) und der Mossad.

Drittens: es gab viele Gelegenheiten. Arafats Sicherheitsvorkehrungen waren entschieden zu lasch. Er pflegte wildfremde Menschen zu umarmen, die sich selbst als Sympathisanten der palästinensischen Sache vorstellten und setzte sie oft bei Mahlzeiten direkt neben sich selbst.

Viertens: gab es eine Menge Leute, die ihn töten wollten und die Mittel dafür hatten, es zu tun. Der offenkundigste war unser Ministerpräsident Ariel Sharon. Er hat sogar 2004 darüber gesprochen, dass Arafat keine „Lebensversicherung“ habe.

WAS BIS vor kurzem eine logische Wahrscheinlichkeit war, ist nun Sicherheit geworden.

Eine Untersuchung seiner Sachen, die von Al-Jazeera TV in Auftrag gegeben und von einem hoch geachteten wissenschaftlichen Schweizer Institut durchgeführt wurde, hat bestätigt, dass Arafat mit Polonium vergiftet worden ist, einer tödlich wirkenden radioaktiven Substanz, die nicht nachgewiesen werden kann, wenn man nicht speziell nach ihr sucht.

Zwei Jahre nach Arafats Tod wurde der russische Dissident und frühere KGB/FSB-Offizier Alexander Litvinenko in London von russischen Agenten ermordet, die dieses Gift verwendeten. Die Ursache wurde durch Zufall von seinen Ärzten entdeckt. Er brauchte drei Wochen zum Sterben.

Näher an Israel, in Amman, wurde der Hamasführer Khaled Mash’al 1997 auf Befehl von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vom Mossad beinahe getötet. Die Mittel waren ein Gift, das innerhalb von Tagen tötet, wenn es mit der Haut in Kontakt kommt. Der Anschlag misslang, und das Leben des Opfers gerettet, als der Mossad durch ein Ultimatum von König Hussein gezwungen wurde, rechtzeitig das Gegengift zu liefern.

Wenn es Arafats Witwe Suha gelingt, seine Leiche aus dem Mausoleum in der Mukata in Ramallah, wo es zu einem nationalen Symbol wurde, exhumieren zu lassen, dann wird man zweifellos das Gift in seinem Körper finden.

ARAFATS MANGEL an angemessenen Sicherheitsregelungen hat mich immer erstaunt. Die israelischen Ministerpräsidenten sind zehnmal besser geschützt.

Ich machte ihm mehrfach Vorhaltungen. Er tat es mit einem Achselzucken ab. In dieser Hinsicht war er ein Fatalist. Nachdem sein Leben wunderbarerweise bei einer Flugzeugnotlandung in der Libyschen Wüste gerettet worden war und das aller anderen um ihn getötet, war er fest davon überzeugt, dass Allah ihn geschützt habe.

(Auch wenn er der Kopf einer säkularen Bewegung mit einem klaren säkularen Programm war, so war er doch ein praktizierender sunnitischer Muslim, der zu den Gebetszeiten sein Gebet verrichtete und keinen Alkohol trank. Doch hat er seinen Mitarbeitern seine Frömmigkeit nicht aufgezwungen.)

Einmal wurde er in Ramallah in meiner Gegenwart interviewt; der Journalist fragte ihn, ob er die Errichtung des palästinensischen Staates noch zu seinen Lebzeiten erwarten würde. Seine Antwort war: „Wir beide, Uri Avnery und ich, werden dies noch erleben.“ Er war sich so sicher darin.

ARIEL SHARONS Entschlossenheit, Arafat zu töten, war wohlbekannt. Schon während der Belagerung von Beirut im 1. Libanonkrieg war es kein Geheimnis, dass seine christlichen Agenten Westbeirut nach seinem Aufenthaltsort durchkämmten. Zu Sharons großer Enttäuschung fanden sie ihn nicht.

Sogar nach Oslo, als Arafat nach Palästina zurückkam, hatte Sharon nicht aufgegeben. Als er Ministerpräsident wurde, wurde meine Angst um Arafats Leben wieder akut. Als unsere Armee während der „Operation Verteidigungsschild“ Ramallah angriff, brachen sie auch in Arafats Wohnanlage, die Mukata’a, ein und kamen bis 10 Meter vor seine Räumlichkeiten. Ich hatte sie mit eigenen Augen gesehen.

Zweimal gingen meine Freunde und ich während der monatelangen Belagerung mehrere Tage zur Mukata’a, um als menschlicher Schutzschild zu dienen. Als Sharon gefragt wurde, warum er Arafat nicht töten würde, antwortete er, dass die Gegenwart von Israelis dort dies unmöglich mache.

Doch vermute ich, dass dies nur ein Vorwand war. Es waren die USA, die es ihm verboten haben. Die Amerikaner fürchteten zu Recht, dass eine offensichtliche Ermordung in der ganzen arabischen und muslimischen Welt einen anti-amerikanischen Wutausbruch verursachen würde. Ich kann es nicht beweisen, aber ich bin sicher, dass Sharon in Washington folgendes gesagt wurde: „Unter keinen Umständen ist es dir erlaubt, ihn in einer Weise zu töten, dass die Spur zu dir hinführt. Wenn du es machen kannst, ohne eine Spur zu hinterlassen, dann mach es.“

(Genau wie der US-Außenminister 1982 in ähnlicher Weise Sharon sagte, dass es ihm unter keinen Umständen erlaubt sei, den Libanon anzugreifen, wenn es nicht eine klare und international anerkannte Provokation gebe. Sie wurde prompt geliefert.

Durch einen unheimlichen Zufall hatte Sharon bald nach Arafats Tod selbst einen Schlaganfall und lebt seitdem im Koma.)

DER TAG, an dem Al-Jazeeras Schlussfolgerung in dieser Woche veröffentlicht wurde, ist zufällig der 30. Jahrestag meines ersten Treffens mit Arafat, das für ihn das erste Treffen mit einem Israeli war.

Es war auf dem Höhepunkt der Schlacht um Beirut. Um zu ihm zu gelangen, musste ich die Linien von vier Kriegsführenden überqueren – die der israelischen Armee, die der christlich-libanesischen Phalangemiliz, die der libanesischen Armee und die der PLO-Streitkräfte.

Ich sprach zwei Stunden lang mit Arafat. Dort, inmitten eines Krieges, in dem er jeden Moment seinen Tod erwarteten konnte, sprachen wir über einen israelisch-palästinensischen Frieden und sogar über eine Föderation von Israel und Palästina, der sich Jordanien vielleicht noch anschließen könnte.

Das Treffen, das von Arafats Büro verkündet wurde, war eine weltweite Sensation. Mein Bericht über dieses Gespräch wurde in mehreren führenden Zeitungen veröffentlicht.Auf meinem Weg nach Hause hörte ich im Radio, dass vier Kabinettsmitglieder verlangten, mich wegen Verrats vor Gericht zu bringen. Die Regierung von Menachem Begin instruierte den Staatsanwalt, eine strafrechtliche Untersuchung zu eröffnen. Doch nach mehreren Wochen entschied der Staatsanwalt, ich hätte kein Gesetz gebrochen. (Das Gesetz wurde kurz danach selbstverständlich verändert.)

BEI DEN vielen Treffen, die ich seitdem mit Arafat hatte, wurde ich vollkommen davon überzeugt, dass er ein wirklicher und vertrauenswürdiger Partner für den Frieden sei.

Langsam begriff ich, wie dieser Vater der modernen palästinensischen Befreiungsbewegung, von Israel und den USA als Erz-Terrorist betrachtet, der Führer der palästinensischen Friedensbemühungen wurde. Wenige Persönlichkeiten hatten in ihrer Lebenszeit das Privileg, zwei aufeinander folgende Revolutionen anzuführen.

Als Arafat seine Arbeit begann, war Palästina von der Landkarte und aus dem Weltbewusstsein verschwunden. Indem er den „bewaffneten Kampf“ (alias „Terrorismus“) benützte, gelang es ihm, Palästina zurück auf die Weltagenda zu setzen.

Sein Orientierungswandel geschah direkt nach dem Krieg von 1973. Man erinnere sich: dieser Krieg begann mit überwältigenden arabischen Überraschungserfolgen und endete mit einer Schlappe der ägyptischen und syrischen Armeen. Arafat, von Beruf Ingenieur, zog die logische Konsequenz: wenn die Araber eine bewaffnete Konfrontation selbst unter solch idealen Umständen nicht gewinnen konnten, müssten andere Mittel und Wege gefunden werden.

Seine Entscheidung, mit Friedensverhandlungen mit Israel zu beginnen, ging vollkommen gegen den Strich der palästinensischen Nationalbewegung, die Israel als fremden Eindringling betrachtete. Arafat brauchte volle 15 Jahre, um sein eigenes Volk zu überzeugen, diese Linie zu akzeptieren, indem er all seine List, taktische Geschicklichkeit und Überzeugungskraft gebrauchte. Bei dem Treffen des palästinensischen Exilparlaments, des Nationalrates 1988, wurde sein Konzept angenommen: einen palästinensischen Staat Seite an Seite mit Israel in einem Teil des Landes zu gründen. Dieser Staat mit seiner Hauptstadt Ostjerusalem und seinen Grenzen, die sich seitdem auf die Grüne Linie gründen, sind das feste und unveränderliche Ziel, das Vermächtnis Arafats an seine Nachfolger.

Nicht durch Zufall begannen meine Kontakte mit Arafat zur selben Zeit: 1974. Zunächst waren sie indirekt über seine Assistenten und dann direkt mit ihm. Ich half ihm den Weg vorzubereiten, um Kontakt mit der israelischen Führung und besonders mit Jitzchak Rabin aufzunehmen. Dies führte 1993 zum Oslo-Abkommen – das durch den Mord an Rabin vernichtet wurde.

Als er gefragt wurde, ob er einen israelischen Freund habe, nannte Arafat mich. Dies gründete sich auf seine Überzeugung, dass ich mein Leben riskiert hatte, als ich ihn in Beirut aufsuchte. Was mich betraf, so war ich dankbar für sein Vertrauen in mich, als er mich dort traf – zu einem Zeitpunkt, als Hunderte von Sharons Agenten ihn suchten.

Aber abgesehen von persönlichen Beziehungen war Arafat der Mann, der in der Lage und Willens gewesen wäre, mit Israel Frieden zu machen – und was noch wichtiger ist: sein Volk – einschließlich der Islamisten – dahin zu bringen, dies zu akzeptieren. Dies hätte dem Siedlungsunternehmen ein Ende gesetzt.

Genau deshalb wurde er vergiftet.

Quelle:
Tlaxcala