Samstag, 30. Oktober 2010

Russland in die NATO? Dann sollte man sie umbenennen!



Hans-Jürgen Falkenhagen

Russland in die NATO, die deutsche Bundeskanzlerin Merkel sieht darin eine Überforderung der bisherigen 28 NATO-Staaten, NATO-Generalsekretär Rasmussen kann sich das nicht vorstellen (s. u.a. „Afghanistan: Gretchenfrage der NATO“ und „Zukunft der NATO noch geheim“, in „Neues Deutschland“ vom 23. Oktober 2010). Beide, Frau Merkel und Herr Rasmussen, umschreiben in bewusst unklaren Worten die Realität, dass Russland in der NATO deren Charakter grundlegend verändern würde.

Bis jetzt ist die NATO eine Allianz der USA mit Kanada und westeuropäischen Staaten (einige nennen letztere ironisch die westlichen eurasischen Randstaaten). Führungsmacht sind in dieser Allianz unumstritten die USA. Käme Russland hinzu, stießen weite Teile Eurasiens hinzu, und Russland ist eine atomare Großmacht, die sich nicht einfach USA-Interessen unterordnen wird, es sei denn, es gäbe dort einen neuen Gorbatschow.


Natürliche Partnerschaft, von Wladimir Uwarov, Russland, 2008

Mit Russland würden automatisch die Ukraine, Belorussland, die mittelasiatischen Staaten Usbekistan, Tadschikistan, Turkmenistan, Kasachstan, Kirgisistan sowie auch Armenien und weitere GUS-Staaten NATO-Mitglied, ein schier unendlicher Raum mit schier unendlicher Stärke! Hinzu käme noch der derzeitige Verbündete Russlands, die VR China mit ihren de–facto-Alliierten Myanmar, Nordkorea, Iran und Sudan.
Dieses Gebilde könnte man dann nicht mehr Nordaltantik-Pakt-Organisation (NATO) nennen. Man wird auch im November auf der NATO-Tagung in Lissabon sicherlich nicht beschließen, Russland in die NATO aufzunehmen, auch wenn dort der russische Präsident Medwedjew anwesend sein wird.
Gesetzt den Fall, Russland würde tatsächlich NATO-Mitglied bzw. eines dann irgendwie anders heißenden Bündnissystems, gegen wen sollte sich dann diese neue Allianz richten, gegen die VR China und deren Verbündete?

Ganz aus der Luft gegriffen ist diese Frage nicht. Anfangs der 20. Jahrhunderts gab es mal kurzzeitig eine Allianz der imperialistischen Großmächte der Welt gegen China zur Niederschlagung des antiimperialistischen und antikolonialen Boxeraufstandes. Damals spielte Deutschland bei dessen Niederschlagung eine wichtige Rolle. „Germans to the front“, war eine Kampflosung.
Aber hinterher wurden sich die Kolonialmächte, die an der Niederschlagung des Boxeraufstandes mitwirkenden Großmächte Großbritannien, Frankreich, USA, Deutschland sowie der Neuling im Großmächtepoker Japan mit Russland nicht über die territoriale Aufteilung Chinas einig. Das zaristische Russland wurde in Nordchina im gewissen Sinne Hauptnutznießer, was Einflussgebiete anbetrifft.
Heute ist die VR China, abgesehen davon, dass sie von den USA als wirtschaftlicher Hauptkonkurrent


Nachbarn, von Sergey Korsun, Russland, 2008

angesehen wird, was natürlich auch ein Aggressionsgrund sein kann, als zu erobernde Landmasse für die großen Konzerne der USA und Westeuropas viel uninteressanter als Russland mit seinen riesigen strategischen Rohstoffquellen. China ist derzeit von der Rohstoffseite gesehen, bestenfalls wegen ein paar wenigen seltenen Metallen im Welthandel unverzichtbar, aber dafür lohnen sich nicht eine globale antichinesische Allianz und ein Krieg. Um China erobern und wirtschaftlich ausbeuten zu können, müssten zudem der größte Teil der über 1 Milliarden Chinesen ausgerottet werden.
Und da wir im Zeitalter der alles vernichtenden Atomwaffen leben, wäre die VR China in der Lage, sich mit einer hinreichenden atomaren Bewaffnung auch gegen eine Übermacht von Feindstaaten unangreifbar zu machen, es sei denn die NATO-Staaten wollen den Selfkilling-Effekt, sich also auch selbst im atomaren Inferno vernichten.
Was will man im Westen also von Russland? Mit der sog. strategischen Partnerschaft mit Russland will der Westen mit den USA an der Spitze offensichtlich dessen Stillhalten bei weiteren Unterdrückungsaktionen und Eroberungen in Asien und Afrika, auch in Lateinamerika erreichen. Vorrangig für die erfolgreiche Beendigung des Afghanistan-Krieges brauchen die USA weiterhin die stillschweigende Duldung durch Russland. Und um die bangt man in den NATO-Hauptstädten. Das ist auch bei allen verbalen Umschreibungen dem Wesen nach derzeit das Hauptthema der NATO. Brigitte Queck hat in ihrem bei Tlaxcala veröffentlichten Beitrag richtig analysiert, was passiert, wenn Russland zu den Washingtoner Konditionen der NATO beitreten sollte.
Auf der Tagesordnung der NATO-Tagung in Lissabon steht auch noch ein Raketenabwehrsystem für Europa unter Mitwirkung oder Duldung Russlands. Das ist genau so eine fixe Idee, denn ein europäischer Raketenabwehrschirm ist im Grunde sinnlos, wie Bernd Biedermann in einem Interview mit der „junge Welt“, veröffentlicht am 23. Oktober 2010, richtig zum Ausdruck bringt. Im Sinne westlicher Politik wäre dann nur, dass sich Großkonzerne an den dann zusätzlich fließenden Multi-Milliarden-Aufträgen wieder einmal gesundstoßen. Sinnvoll ist nur eine weltweite atomare Abrüstung und allgemeine militärische Abrüstung, verbunden mit der Durchsetzung einer tragfähigen und beständigen weltweiten Friedenspolitik ohne die Aggressionspolitik der Supermacht USA.

Nato-Stern, von Wladimir Rydvan, Russland, 2009





Danke dem Autor
Erscheinungsdatum des Originalartikels: 27/10/2010
Artikel in Tlaxcala veröffentlicht: http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=2177

Dienstag, 26. Oktober 2010

Erklärung aus Srinagar



Arundhati Roy

Übersetzt von Einar Schlereth
Ich schreibe dies in Srinagar/Kaschmir. Heute früh hieß es in den Zeitungen, dass ich möglicherweise verhaftet werden soll wegen Aufwiegelung durch das, was ich jüngst auf öffentlichen Veranstaltungen in Kaschmir gesagt habe. Ich sagte, was Millionen von Leuten hier tagtäglich sagen. Ich sagte, was ich und viele andere Kommentatoren seit Jahren geschrieben und gesagt haben.
Jedermann, der sich bemüht, die Abschriften meiner Reden zu lesen, wird sehen, dass sie im Grunde ein Ruf nach Gerechtigkeit sind. Ich sprach über Gerechtigkeit für die Menschen in Kaschmir, die unter einer der brutalsten militärischen Besatzungen in der Welt leben; für Kaschmir-Gelehrte, deren Tragödie es ist, aus ihrer Heimat vertrieben zu sein; für Dalit-Soldaten, die in Kaschmir getötet werden, deren Gräber ich auf Schutthalden in ihren Dörfern in Cuddalore besuchte; für die indischen Armen, die den Preis dieser Besatzung finanziell bezahlen und die nun lernen, mit dem Terror eines heranwachsenden Polizeistaates zu leben.

Gestern fuhr ich nach Schopian, die Apfelstadt im Süden Kaschmirs, die für 47 Tage im vergangenen Jahr abgeriegelt war aus Protest gegen die brutale Vergewaltigung und Ermordung von Asiya und Nilofer, zwei junge Frauen, deren Leichen in einem seichten Flüßchen in der Nähe ihrer Wohnung gefunden wurden, und deren Mörder immer noch nicht vor Gericht gestellt wurden. Ich traf Shakeel, Nilofers Mann und Asiyas Bruder. Wir saßen in einem Kreis von Leuten, halb verrückt vor Kummer und Wut, die die Hoffnung verloren haben, dass sie jemals von Indien Gerechtigkeit erhalten würden und jetzt glauben, dass Azadi (Freiheit) ihre einzige Hoffnung ist.

Ich traf junge Steinewerfer, denen die Augen ausgeschossen worden sind. Ich reiste mit einem jungen Mann, der mir erzählte, wie drei seiner Freunde, Teenager im Anantnag Distrikt, verhaftet wurden und denen die Nägel ausgerissen wurden als Strafe für das Steinewerfen.

In den Zeitungen haben mir manche vorgeworfen, Haßtiraden loszulassen, damit Indien auseinanderbricht. Im Gegenteil, was ich sage, sage ich aus Liebe und Stolz. Ich sage es, weil ich nicht will, dass Menschen getötet, vergewaltigt, eingesperrt werden oder ihnen die Nägel herausgerissen werden, um sie zu zwingen zu sagen, dass sie Inder sind.

Ich sage es, weil ich in einer Gesellschaft leben will, die danach strebt, gerecht zu sein. Bedauernswert die Nation, die ihre Schriftsteller zum Schweigen bringen muss, weil sie ihre Meinung sagen. Bedauernswert die Nation, die jene einsperren muss, die Gerechtigkeit fordern, während örtliche Gruppenmörder, Massenmörder, Gangster im Auftrag von Multis, Plünderer, Vergewaltiger und jene, die die Ärmsten der Armen aussaugen, frei herumlaufen.


Arundhati Roy spricht über "Angriffe auf das Leben, die Freiheit und demokratischen Rechte durch den Staat: Herausforderungen und Widerstand" während einer Veranstalmtung in Jaipur, im Rajahstan. Foto: Rohit Jain Paras



Danke Arundhati Roy
Erscheinungsdatum des Originalartikels: 26/10/2010
Artikel in Tlaxcala veröffentlicht: http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=2156

Sonntag, 24. Oktober 2010

Der Krieg gegen den Terror: erinnert sich noch jemand?


Paul Craig Roberts

Erinnert sich noch jemand an den „Kinderspiel-Krieg“, der sechs Wochen lang dauern, $ 50 – 60 Milliarden kosten und mit Gewinnen aus verkauftem irakischen Erdöl bezahlt werden sollte?

Erinnert sich noch jemand, dass der Wirtschaftswissenschaftler des Weißen Hauses Lawrence Lindsey von Dubya (= G.W. Bush) gefeuert wurde, weil Lindsey geschätzt hatte, der Irakkrieg würde bis zu $ 200 Milliarden kosten.

Lindsey wurde gefeuert, weil er die Kosten eines Krieges zu hoch eingeschätzt hatte, der dann laut Joseph Stiglitz und Linda Bilmes 15-mal so viel gekostet hat als von Lindsey geschätzt. Und die Vereinigten Staaten von Amerika haben noch immer 50.000 Soldaten im Irak stationiert.

Erinnert sich noch jemand, dass kurz vor dem Einmarsch in den Irak die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika den Sieg über die Taliban in Afghanistan erklärt hat?

Erinnert sich noch jemand, dass der Grund, den Dubya für den Einmarsch in den Irak anführte, Saddam Husseins Massenvernichtungswaffen waren, Waffen, von denen die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika wusste, dass es sie nicht gab.

Sind sich die Amerikaner dessen bewusst, dass die selben Neokonservativen, die diese sagenhaften Fehler machten oder diese sagenhaften Lügen verbreiteten, noch immer die Regierung in Washington kontrollieren?

Der „Krieg gegen den Terror“ befindet sich jetzt in seinem zehnten Jahr. Worum geht es dabei wirklich?

Einfach gesagt ist die Antwort, dass es beim „Krieg gegen den Terror“ darum geht, reale Terroristen zu schaffen. Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika braucht unbedingt Terroristen, um die Expansion ihrer Kriege gegen muslimische Länder zu rechtfertigen und die Menschen in Amerika ausreichend so zu ängstigen, dass sie weiterhin den Polizeistaat akzeptieren, der ihnen „Sicherheit vor den Terroristen“ bringt, sich aber nicht vor der Regierung fürchten, die die bürgerlichen Freiheiten abgeschafft hat.

Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika schafft Terroristen, indem sie in muslimische Länder einmarschiert, deren Infrastruktur zerstört und eine große Anzahl von Zivilisten tötet. Die Vereinigten Staaten von Amerika schaffen auch Terroristen durch die Einrichtung von Marionettenregimes, um über die Moslems zu herrschen, und durch die Benützung der Marionettenregimes, um Bürger zu ermorden und zu verfolgen, wie es derzeit in einem großen Ausmaß in Pakistan geschieht.

Die Neokonservativen nutzten 9/11, um ihren Plan für die Errichtung der Weltherrschaft durch die Vereinigten Staaten von Amerika in die Tat umzusetzen. Ihr Plan entsprach den Interessen von Amerikas herrschenden Oligarchien. Kriege sind gut für die Profite des Militär/Sicherheitskomplexes, vor dem uns Präsident Eisenhower vor einem halben Jahrhundert vergeblich gewarnt hat. Amerikanische Weltherrschaft ist gut für die Kontrolle der Erdölindustrie über Ressourcen und deren Verteilung. Die Umwandlung des Mittleren Ostens in einen riesigen amerikanischen Marionettenstaat dient auch den zionistischen Bestrebungen der israelischen Lobby, die territoriale Expansion Israels voranzutreiben.

Aufgrund ihrer Konditionierung können die meisten Amerikaner nicht sehen, was geschieht. Die meisten Amerikaner glauben, dass ihre Regierung die beste der Welt ist, dass sie moralisch motiviert ist, anderen zu helfen und Gutes zu tun, dass sie Hilfe in Länder bringt, in denen es Hunger und Naturkatastrophen gibt. Die meisten glauben, dass ihre Präsidenten die Wahrheit sagen, außer über ihre sexuellen Affären.

Die Beharrlichkeit dieser Wahnvorstellungen ist außergewöhnlich angesichts der täglichen Schlagzeilen, die berichten, dass die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika so gut wie jedes Land auf Erden drangsaliert oder sich einmischt. Es ist die Politik der Vereinigten Staaten von Amerika, die Anführer von Ländern, die die Interessen ihrer eigenen Völker vertreten anstatt der amerikanischen, zu kaufen, zu stürzen oder zu bekriegen. Vor kurzem fiel der Präsident von Honduras dieser Politik zum Opfer, der auf die wilde Idee gekommen war, dass die Regierung von Honduras den Menschen in Honduras dienen sollte.

Die amerikanische Regierung konnte den honduranischen Präsidenten ausschalten, weil das honduranische Militär vom Militär der Vereinigten Staaten von Amerika ausgebildet und ausgerüstet wird. Das Gleiche findet statt in Pakistan, wo die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika die pakistanische Regierung gegen das eigene Volk Krieg führen lässt, indem diese Stammesgebiete besetzt, von denen die Amerikaner glauben, dass sie den Taliban, al Qaeda, „Militanten“ und „Terroristen“ freundlich gesinnt seien.

Früher in diesem Jahr befahl ein stellvertretender Finanzminister der Vereinigten Staaten von Amerika Pakistan, die Steuern zu erhöhen, damit die pakistanische Regierung effektiver den Krieg gegen ihre eigenen Bürger im Auftrag der Amerikaner führen konnte. Am 14. Oktober befahl die Außenministerin der Vereinigten Ataaten von Amerika Hillary Clinton Pakistan neuerlich, die Steuern zu erhöhen, andernfalls die Vereinigten Staaten von Amerika die Hilfeleistungen für die Überschwemmungen zurückhalten würden. Clinton setzte Amerikas Handlangerstaaten in Europa unter Druck, das Gleiche zu tun, wobei sie im gleichen Atemzug zum Ausdruck brachte, dass die Vereinigten Staaten von Amerika beunruhigt seien über die britischen Kürzungen der Militärausgaben. Da sei Gott vor, dass die hart getroffenen Briten, die noch immer unter dem amerikanischen Finanzbetrug wanken, nicht genug Geld zur Verfügung stellen, um für Amerika Krieg zu führen.

Auf Washingtons Befehl führte die pakistanische Regierung eine Militäroffensive gegen pakistanische Bürger im Swattal durch, durch die eine große Anzahl von Pakistanern getötet und Millionen von Zivilisten aus ihren Wohnungen vertrieben wurden. Im vergangenen Juli wiesen die Vereinigten Staaten von Amerika Pakistan an, seine Truppen gegen die pakistanischen Bewohner Nordwaziristans zu schicken. Am 6. Juli berichtete Jason Ditz auf antiwar.com, dass „auf Amerikas Geheiß Pakistan Offensiven gestartet hat gegen (die pakistanischen Provinzen) Swattal, Bajaur, Südwaziristan, Orakzai und Khyber.“

Eine Woche später forderte Israels Senator der Vereinigten Staaten von Amerika Carl Levin (Demokraten, Mississippi) die Eskalierung der Politik der Luftangriffe der Administration Obama gegen Pakistans Stammesgebiete. Am 30. September schrieb die pakistanische Zeitung The Frontier Post, dass die amerikanischen Luftangriffe „schlicht und einfach eine nackte Aggression gegen Pakistan darstellen.“

Die Vereinigten Staaten von Amerika behaupten, dass ihre Streitkräfte in Afghanistan das Recht haben, nach Pakistan einzudringen bei der Verfolgung von „Militanten.“ Vor kurzem töteten Kampfhubschrauber der Vereinigten Staaten von Amerika drei pakistanische Soldaten, die sie für Taliban hielten. Pakistan sperrte die wichtigste Versorgungsroute der Vereinigten Staaten von Amerika nach Afghanistan, bis sich die Amerikaner entschuldigten.

Pakistan warnte Washington vor weiteren Angriffen. Die Militärs der Vereinigten Staaten, die unter dem Druck Obamas stehen, Fortschritte im endlosen Krieg gegen Afghanistan vorzuweisen, reagierten auf die Warnung Pakistans, indem sie forderten, den Krieg von Afghanistan nach Pakistan hinein auszudehnen. Am 5. Oktober schrieb der kanadische Journalist Eric Margolis, dass „die Vereinigten Staaten von Amerika näher an eine Invasion Pakistans heranrücken.“

In seinem Buch Obama’s Wars berichtet Bob Woodward, dass Amerikas Marionettenpräsident von Pakistan Asif Ali Zardari glaubt, dass terroristische Bombenattacken innerhalb Pakistans, deren die Taliban beschuldigt werden, in Wirklichkeit Operationen der CIA sind mit dem Ziel, Pakistan zu destabilisieren und sich Pakistans Atomwaffen unter den Nagel zu reißen.

Um Pakistan in der Schusslinie zu behalten, änderte die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika ihre Position, dass das „Bombenattentat auf dem Times Square“ die Tat eines „einsamen Wolfs“ sei. Justizminister Eric Holder verschob die Schuld auf die „pakistanischen Taliban,“ und Außenministerin Clinton drohte Pakistan mit „sehr ernsten Konsequenzen“ für die erfolglose Bombenaktion am Times Square, welche wahrscheinlich eine gegen Pakistan gerichtete Operation unter falscher Flagge war.

Um die Spannungen weiter anzuheizen, wurden am 1. September die acht Mitglieder einer hochrangigen pakistanischen Militärdelegation auf der Reise zu einem Treffen mit dem Zentralkommando der Vereinigten Staaten von Amerika in Tampa, Florida, rüde behandelt und als Terrorismusverdächtige auf dem Dulles Airport in Washington DC verhaftet.

Jahrzehnte lang hat die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika israelische militärische Aggressionen gegen Libanon ermöglicht und scheint wieder dabei zu sein, einen weiteren Angriff Israels auf das ehemalige amerikanische Protektorat Libanon auf die Beine zu bringen. Am 14. Oktober brachte die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika ihre „Empörung“ darüber zum Ausdruck, dass die libanesische Regierung einen Besuch des iranischen Präsidenten Ahmadinejad erlaubt hatte, der im Brennpunkt von intensiven Dämonisierungsbestrebungen Washingtons steht. Israels Vertreter im Kongress der Vereinigten Staaten von Amerika drohten, die Militärhilfe der Vereinigten Staaten von Amerika für den Libanon einzustellen, vergessend, dass der Kongressabgeordnete Howard Berman (Demokraten, Kalifornien) die Hilfe für den Libanon bereits seit dem letzten August blockiert, um den Libanon für einen Grenzkonflikt mit Israel zu bestrafen.

Die vielleicht vielsagendste Schlagzeile von allen ist die vom 14. Oktober: „Somalias neuer amerikanischer Premierminister.“ Ein Amerikaner wurde zum Premierminister Somalias bestellt, eines Marionettenregimes in Mogadishu, das von tausenden Soldaten aus Uganda gestützt wird, die von Washington bezahlt werden.

Das alles beeinträchtigt kaum den oberflächlichen Anschein von Washingtons Wohlwollen anderen Ländern gegenüber und dem Respekt für deren Rechte, Grenzen und Leben ihrer Bürger.

Um WikiLeaks zum Schweigen zu bringen und weitere Enthüllungen amerikanischer Kriegsverbrechen zu verhindern, hat die Regierung der „Freiheit und Demokratie“ in Washington die Spenden an WikiLeaks abgedreht, indem sie die Organisation auf ihre „Watchlist“ setzte und die australische Marionettenregierung dazu brachte, das Gleiche zu tun.

WikiLeaks steht jetzt auf der Stufe einer terroristischen Organisation. Die Vorgangsweise der amerikanischen Regierung, Kritik zum Schweigen zu bringen, wird sich über das Internet verbreiten.

Denken Sie daran, dass sie uns hassen, weil wir Freiheit und Demokratie haben, verfassungsmäßig garantierte Rechte, Habeas Corpus, Achtung vor den Menschenrechten, und allen gegenüber Gerechtigkeit und Barmherzigkeit zeigen.

erschienen am 15. Oktober 2010 auf VDARE.COM > > http://vdare.com/roberts/101015_terror.htm

www.antikrieg.com

Dienstag, 12. Oktober 2010

NATO-Befehlshaber: neue Bedrohung Europas rechtfertigt Krieg gegen Afghanistan

Nach neun Jahren findet die NATO endlich einen Grund für den Krieg

Jason Ditz

Der Admiral der Vereinigten Staaten von Amerika James G. Stavridis, der derzeitige Oberbefehlshaber von EUCOM, der auch den pompösen Titel des NATO Oberbefehlshabers für Europa trägt, sprach über die weitgehend nebulose terroristische Bedrohung Europas, wobei er betonte, dass diese den fortgesetzten Krieg gegen Afghanistan rechtfertigt.

Laut Stavridis´ Begründung existiert der Krieg gegen Afganistan aufgrund eines „Bedrohungsstroms“ einschließlich des 9/11, der anhält seit diesem Tag und seiner Meinung nach den wichtigsten Beweis dafür liefert, dass dieser Krieg ein Ziel verfolgt. Das Außenministerium der Vereinigten Staaten von Amerika gab in dieser Woche eine Reisewarnung für den gesamten europäischen Kontinent heraus, indem es sich auf diese Drohung berief.

Allerdings unterstrich Stavridis durch die Berufung auf 9/11 die Schwäche seiner eigenen Begründung, nachdem neun Jahre der Okkupation Afghanistans durch die NATO den „Bedrohungsstrom“ noch nicht stoppen konnten. Wenn es das ist, auf was dieser Krieg sich richten sollte, wurde diese ganz klar ihrer Aufgabenstellung nicht gerecht.

Vielleicht noch bedenklicher ist, dass ein Spitzenvertreter der NATO jetzt eine Rechtfertigung für den Krieg sucht, über neun Jahre nach dessen Beginn. Das ist besonders problematisch bei einem Krieg, der so zerstörerisch und destabilisierend ist wie dieser, überhaupt nachdem Vertreter der NATO schon Monate vor Entstehung dieser „Bedrohung“ betont haben, dass dieser Krieg möglicherweise für immer weitergehen müsse. Die einzig mögliche Schlussfolgerung ist in diesem Fall, dass dieser Krieg für alle Zeiten ohne Rechtfertigung weiter geführt worden wäre, und dass diese Gelegenheit, eine Art Entschuldigung zu präsentieren, einfach ein glücklicher Zufall war.

Erschienen am 8. Oktober 2010 auf > http://www.antiwar.com > http://news.antiwar.com/2010/10/08/nato-commander-new-europe-threat-justifies-afghan-war/

Quelle: www.antikrieg.com

Sonntag, 10. Oktober 2010

Die September-Arbeitsmarktstatistik enthüllt Amerikas aufkommende Dritte-Welt-Wirtschaft


Paul Craig Roberts

Seit einigen Jahren berichtete ich über die monatliche Statistik der Arbeitsplätze im nicht-landwirtschaftlichen Bereich. Die Daten sprachen nicht für die Lobpreisungen der Wirtschaftswissenschaftler für die „Neue Wirtschaft.“ Die „Neue Wirtschaft“ besteht angeblich aus Finanzdienstleistungen, Innovation und Hightech-Dienstleistungen.

Diese Wirtschaft trat an die Stelle der alten „schmutzige Fingernägel“-Wirtschaft der Industrie und Produktion. Das Bildungssystem würde die Arbeitskräfte umschulen und wir würden uns auf eine höhere Ebene der Prosperität bewegen.

Ein ums andere Mal berichtete ich, dass von den Arbeitsplätzen der „Neuen Wirtschaft“ nichts zu sehen war, die alten Arbeitsplätze aber verschwanden. Die einzigen realen neuen Arbeitsplätze waren niedrig bezahlte heimische Dienstleistungen wie Kellnerinen und Barkeeper, Verkäufer, Dienstleistungen im Gesundheits- und Sozialbereich (hauptsächlich ambulante Gesundheitsdienste) und, ehe die Blase platzte, Bauarbeiten.

Die Fakten, die Monat für Monat vom Amt für Arbeitsstatistik der Vereinigten Staaten von Amerika herausgegeben wurden, hatten keine Auswirkungen auf die Propaganda für die „Neue Wirtschaft“. Wirtschaftswissenschaftler schwadronierten munter weiter, was für ein Segen für unsere Zukunft die Globalisierung ist.

Die Schuld an den Millionen von heutigen Arbeitslosen wird der geplatzten Immobilienblase und der Finanzkrise zugeschoben. Die Wirtschaft der Vereinigten Staaten von Amerika hat allerdings über ein Jahrzehnt hinweg Arbeitsplätze verloren. In dem Ausmaß, in dem Produktion, Informationstechnologie, Softwareentwicklung, Forschung, Entwicklung und professionelle Dienstleistungen in das Ausland verschoben wurden, ist die amerikanische Mittelschicht geschrumpft. Die Leitern nach oben, welche einmal Amerika zur „Chancengesellschaft“ gemacht haben, sind abmontiert worden.

Die Einsparungen bei Löhnen und Gehältern durch die Auslagerung der Arbeitsplätze an Chinesen und Inder haben die Geschäftsführungen der Gesellschaften, die Aktienbesitzer und Wall Street auf Kosten der Mittelschicht und der amerikanischen Verbraucherwirtschaft bereichert.

Der Verlust von Mittelschichtarbeitsplätzen und –einkommen wurde jahrelang verdeckt durch das Anwachsen der Konsumentenkredite als Ersatz für das Ansteigen des Einkommens. Die Amerikaner refinanzierten ihre Häuser und gaben das Eigenkapital aus, und sie belasteten ihre Kreditkarten bis zum Gehtnichtmehr.

Die Ausweitung der Konsumentenkredite ist vorbei, und es gibt keine Möglichkeit, weiterhin die Wirtschaft durch zusätzliche Konsumentenkredite in Schwung zu bringen.

Wirtschaftswissenschaftler und Politiker ignorieren weiterhin die Tatsache, dass jede Beschäftigung im Bereich handelbare Güter und Dienstleistungen ins Ausland verschoben werden kann (oder von Ausländern übernommen werden kann, die mit limitierten H-1b- und L-1-Visas ins Land geholt werden.) Die einzigen Ersatzarbeitsplätze gibt es bei den nicht handelbaren heimischen Dienstleistungen, das sind Dienstleistungen, die zu ihrer Ausführung die unmittelbare Anwesenheit erfordern, wie etwa ambulante Gesundheitsdienste, Friseure, Reinigungsdienste, Kellnerinnen und Barmänner – Arbeitsplätze, die das Arbeitskräftepotential eines Landes der Dritten Welt kennzeichnen. Viele dieser Arbeitsplätze werden schon eingenommen von Ausländern, die mit R-1-Visas aus Russland, Ukraine, Thailand, Rumänien und anderen Ländern kommen.

Der Verlust amerikanischer Arbeitsplätze und der Druck auf das Einkommen der Konsumenten durch niedrige Löhne haben die Konsumentennachfrage als treibende Kraft der Wirtschaft ausgeschaltet. Das ist der Grund, warum expansive Geld- und Steuerpolitik keine Wirkung haben.

Die letzte heute veröffentlichte Arbeitsmarktstatistik zeigt, dass Amerikas Umwandlung in eine Dritte-Welt-Wirtschaft weiter geht. Die Wirtschaft verlor im September 95.000 Arbeitsplätze, hauptsächlich bedingt durch Einsparungen bei der lokalen Erziehung und bei Bundesbediensteten. Ein Teil der 159.000 verloren gegangenen Regierungsjobs wurde wettgemacht durch 64.000 neue Arbeitsplätze im privaten Bereich.

Wo sind die neuen Arbeitsplätze? Sie sind im Bereich der schlecht bezahlten heimischen Dienstleistungen: 32.000 bei Gesundheits- und Sozialdiensten, und 33.900 in der Gastronomie und im Getränkeausschank.

So schaut´s aus. Das ist Amerikas „Neue Wirtschaft.“

erschienen am 8. Oktober 2010 auf VDARE.COM > Artikel

Quelle: antikrieg.com

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Der Zusammenbruch der Moral des Westens


Paul Craig Roberts

Ja ich weiß, und viele Leser werden sich beeilen mir mitzuteilen, dass der Westen nie eine Moral hatte. Dennoch ist alles schlimmer geworden.

Ich hoffe, dass Sie mir gestatten, meine Sicht der Dinge darzulegen, lassen Sie mich also darlegen, dass die Vereinigten Staaten von Amerika zwei Atombomben auf japanische Städte abgeworfen, Tokio mit Brandbomben verbrannt haben; dass das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten von Amerika Dresden und eine Reihe von weiteren deutschen Städten mit Brandbomben verbrannt haben, dass sie gemäß einigen Historikern mehr destruktive Gewalt gegen die deutsche Zivilbevölkerung eingesetzt haben als gegen die Armee; dass Präsident Grant und seine Bürgerkriegsverbrecher, die Generäle Sherman und Sheridan, Völkermord an den Indianern der Great Plains begangen haben; dass die Vereinigten Staaten von Amerika heute die mörderische Politik Israels gegen die Palästinenser ermöglichen, eine Politik, die ein Vertreter Israels mit dem völkermörderischen Vorgehen gegen die amerikanischen Indianer im 19. Jahrhundert verglichen hat; dass die Vereinigten Staaten von Amerika im neuen 21. Jahrhundert auf der Basis von erfundenen Vorwänden den Irak und Afghanistan überfallen und zahllose Zivilisten ermordet haben; und dass der britische Premierminister Tony Blair die britische Armee an seine amerikanischen Herren verliehen hat, wie es auch andere NATO-Länder getan haben, wobei alle diese Länder Kriegsverbrechen gemäß den Standards von Nürnberg begehen in Ländern, in denen sie keine nationalen Interessen verfolgen, sondern dafür von den Amerikanern bezahlt werden.

Ich meine nicht, dass diese paar Beispiele alles umfassen. Ich weiß, dass die Liste länger und länger wird. Dennoch erreicht, ungeachtet der langen Liste der Schrecken, die moralische Verkommenheit neue Tiefen. Die Vereinigten Staaten von Amerika foltern jetzt routinemäßig Gefangene, obwohl das strikt nach amerikanischem und Internationalem Recht verboten ist, und eine neue Meinungsumfrage zeigt, dass der Anteil der Amerikaner, die die Folter befürworten, größer wird. Er ist in der Tat sehr hoch, wenn er auch nicht die Mehrheit bildet.

Und wir haben, was ein neuer Nervenkitzel zu sein scheint: amerikanische Soldaten benützen den Deckmantel des Krieges, um Zivilisten zu ermorden. Vor kurzem wurden amerikanische Soldaten verhaftet, weil sie afghanische Zivilisten zum Spaß ermordet und Trophäen wie Finger und Totenköpfe gesammelt haben.

Diese Enthüllung erfolgte kurz nach der angeblichen Weitergabe eines Videos der Armee der Vereinigten Staaten von Amerika durch Bradley Manning, das amerikanische Soldaten in Helikoptern und ihre tausende Meilen entfernten Kontroller zeigte, wie sie sich eine Hetz daraus machten, Presseleute und afghanische Zivilisten per Joysticks zu ermorden. Manning trägt die schwere Last eines moralischen Gewissens, das von seiner Regierung und seinem Militär verworfen worden ist, und Manning wurde verhaftet, weil er dem Gesetz gehorcht und dem amerikanischen Volk über diese Kriegsverbrechen berichtet hatte.

Der Abgeordnete zum Repräsentantenhaus Mike Rogers aus Michigan, natürlich ein Republikaner, Mitglied des Unterausschusses für Terrorismus, hat Mannings Hinrichtung verlangt. Laut dem Abgeordneten des Repräsentantenhauses der Vereinigten Staaten von Amerika Rogers stellt der Bericht über ein amerikanisches Kriegsverbrechen einen Verrat dar.

In anderen Worten, dem Gesetz zu gehorchen ist „Verrat an Amerika.“

Der Abgeordnete Rogers sagte, dass Amerikas Kriege von einer „Kultur der Enthüllung“ untergraben werden und dass diesem „ernsten und wachsenden Problem“ nur durch die Exekution Mannings Einhalt geboten werden kann.

Wenn der Abgeordnete repräsentativ für Michigan steht, dann ist Michigan ein Staat, den wir nicht brauchen.

Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika, eine Quelle imperialer Überheblichkeit, glaubt nicht, dass irgendeine Tat, die sie begeht, ganz egal wie widerwärtig, möglicherweise ein Kriegsverbrechen sein könnte. Eine Million toter Iraker, ein verwüstetes Land und vier Millionen vertriebene Iraker sind allesamt gerechtfertigt, da die „bedrohte“ Supermacht Vereinigte Staaten von Amerika sich vor nicht existierenden Waffen der Massenvernichtung schützen musste, von denen die Vereinigten Staaten von Amerika ganz genau wussten, dass es diese im Irak nicht gab und auch keine Bedrohung für die Vereinigten Staaten von Amerika darstellen hätten können, wenn es sie im Irak gegeben hätte.

Wenn andere Länder versuchen, die internationalen Gesetze anzuwenden, die die Amerikaner aufgestellt hatten, um die im Zweiten Weltkrieg besiegten Deutschen hinzurichten, macht sich die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika ans Werk und blockiert den Versuch. Vor einem Jahr am 8. Oktober hob der spanische Senat, indem er seinem amerikanischen Herrn brav gehorchte, die spanischen Gesetze betreffend die universelle Rechtszuständigkeit auf, um ein ordnungsgemäßes Verfahren wegen Kriegsverbrechen gegen George W. Bush, Barack Obama, Tony Blair und Gordon Brown abzudrehen.

Der Westen schließt auch Israel ein, und dort reichen die Horrorgeschichten über 60 Jahre. Noch schlimmer, wenn man eine davon erwähnt, wird man zum Antisemiten erklärt. Ich erwähne sie nur, um zu beweisen, dass ich weder Antiamerikaner, Antibrite noch Anti-NATO bin, sondern schlicht und einfach gegen Kriegsverbrechen. Es war der anerkannte zionistische jüdische Richter Goldstone, der den UNO-Bericht verfasste, der darauf hinwies, dass Israel Kriegsverbrechen begangen hat, als es die Zivilbevölkerung und die zivile Infrastruktur von Gaza angegriffen hat. Dafür erklärte Israel den Zionisten Goldstone zum „sich selbst hassenden Juden“ und der Kongress der Vereinigten Staaten von Amerika stimmte auf Empfehlung der israelischen Lobby dafür, den Goldstone-Bericht an die UNO zu ignorieren.

Wie der Vertreter Israels sagte: wir machen mit den Palästinensern nur, was die Amerikaner mit den amerikanischen Indianern gemacht haben.

Die israelische Armee benützt weibliche Soldaten, die vor Videomonitoren sitzen und per Fernbedienung Maschinengewehre abfeuern, um Palästinenser zu ermorden, die kommen, um auf ihren Feldern zu arbeiten, die innerhalb von 1.500 Metern von der geschlossenen Zone rund um das Ghetto Gaza gelegen sind. Es gibt keinen Hinweis, dass diese israelischen Frauen sich was draus machen, wenn sie junge Kinder und alte Leute abknallen, die auf ihre Felder gehen.

Wären die Verbrechen beschränkt auf Krieg und Landdiebstahl, könnten wir vielleicht sagen, dass es sich um einen Fall von Chauvinismus handelt, der abweicht von der traditionellen Moral, die ihrerseits noch immer aufrecht ist.

Der Zusammenbruch der Moral erstreckt sich allerdings auf zu viele Bereiche. Einige Sportteams haben neuerdings eine um-jeden-Preis-gewinnen-Einstellung, die Pläne mit einschließt, die Spielerstars der gegnerischen Teams zu verletzen. Um diesen Kontroversen zu entgehen, wenden wir uns lieber den Formel I-Rennen zu, wo 200 Meilen pro Stunde normal sind.

Bis 1988, 22 Jahre ist es her, gab es Tote auf der Rennstrecke bedingt durch Fahrerirrtum, technisches Versagen und schlecht geführte Strecken mit Sicherheitsrisken. Weltmeister Jackie Stewart tat viel, um die Sicherheit der Rennstrecken zu verbessern, sowohl für die Fahrer als auch für die Zuschauer. Aber 1988 änderte sich alles. Spitzenfahrer Ayrton Senna drängte einen weiteren Spitzenfahrer, Alain Prost, bei 300 kmh gegen eine Baugrubenwand. Laut Auto Week (vom 30. August 2010) war bis dato nichts dergleichen gesehen worden. „Die Funktionäre bestraften Sennas Vorgangsweise an diesem Tag in Portugal nicht, und eine signifikante Änderung bei Autorennen begann.“ Was der große Rennfahrer Stirling Moss als „schmutziges Fahren“ bezeichnete wurde zur Norm.

Nigel Roebuck berichtet in Auto Week, dass Weltmeister Damon Hill 1996 sagte, dass Sennas um-jeden-Preis-gewinnen-Taktik „verantwortlich war für einen grundlegenden Wechsel in der Ethik des Sports.“ Die Fahrer griffen zu „terroristischen Taktiken auf der Strecke.“ Damon Hill sagte, dass „ich die Ansichten, die ich von meinem Vater (dem zweifachen Weltmeister Graham Hill) und Leuten wie ihm mitbekommen habe, bald fahren lassen musste,“ weil man feststellte, dass es es keine Strafe für den Kerl gab, der versuchte dich umzubringen, damit er gewinnen konnte.

Zur Ethik im modernen Formel I-Rennen sagte der amerikanische Weltmeister Phil Hill: „So etwas war zu meiner Zeit einfach unvorstellbar. Um nur eines zu sagen, wir glaubten, dass bestimmte Taktiken inakzeptabel waren.“

Im heutigen moralischen Klima des Westens gehört es zum Gewinnen, einen anderen begabten Fahrer bei 320 kmh an die Wand zu fahren. Michael Schumacher, geboren im Januar 1969, ist siebenfacher Weltmeister, ein einsamer Rekord. Auto Week berichtet, dass Schumacher am 1. August beim ungarischen Grand Prix versuchte, seinen ehemaligen Teamkameraden bei Ferrari Rubens Barrichello bei 320 kmh an die Wand zu fahren.

Konfrontiert mit seinem Versuch, jemanden umzubringen, sagte Schumacher: „Das ist die Formel I. Jeder weiß, dass ich keine Geschenke verteile.“

Das tun auch nicht die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika, noch die Regierungen der Bundesstaaten und Kommunen, noch die Regierung des Vereinigten Königreichs, noch die Europäische Union.

Die Entartung der Polizei, von der viele Amerikaner in ihrem ungebildeten Dasein als naive Gläubige an „Recht und Ordnung“ noch immer glauben, sie sei „auf ihrer Seite,“ hat neue Dimensionen angenommen mit der Militarisierung mit dem Ziel, „Terroristen“ und „heimische Extremisten“ zu bekämpfen.

Die Polizei ist außer Kontrolle geraten, nachdem die zivilen Polizeigremien von den Konservativen abgeschafft worden waren. Kinder schon im Alter von 6 Jahren wurden in Handschellen ins Gefängnis abgeführt wegen Vorfällen in der Schule, die sich ereignet haben mögen oder auch nicht. Nicht anders ist es auch Müttern mit einem Auto voller Kinder ergangen.

Jeder, der über Google Videos über unnötige Gewaltanwendung der Polizei in den Vereinigten Staaten von Amerika sucht, wird zehntausende Ergebnisse bekommen, und das, nachdem gemäß den neuen Gesetzen das Filmen von Polizeiübergriffen ein schweres Verbrechen darstellt. Vor einem oder zwei Jahren hätte man hunderttausende derartige Videos gefunden.

In einem der letzten der vielen täglichen Vorfälle von unnötiger Misshandlung von Bürgern durch die Polizei wurde einem 84 Jahre alten Mannes das Genick gebrochen, weil er sich einer nächtlichen Abschleppung seines Wagens widersetzte. Der Polizeirowdy schlug den 84-jährigen nieder, wobei sich dieser das Genick brach. Das Polizeidepartment in Orlando, Florida sagt, der alte Mann wäre eine „Bedrohung“ für den wohlbewaffneten viel jüngeren Polizeistrolch gewesen, weil der alte Mann seine Faust geballt habe.

Die Amerikaner werden das erste Volk sein, das geradeaus in die Hölle geschickt wird, während sie glauben, dass sie das Salz der Erde sind. Die Amerikaner haben sich sogar selbst einen Titel zugeeignet, um mit der Selbstbeschreibung der Israelis als „Gottes auserwähltes Volk“ gleichzuziehen. Die Amerikaner bezeichnen sich selbst als „das unentbehrliche Volk.“

erschienen am 23. September 2010 auf VDARE.COM > Artikel und > Foreign Policy Journal > Artikel

Quelle: www.antikrieg.com