Samstag, 24. April 2010

Warum der Flugzeugabsturz vom 10. April? Lech Kaczyñski wollte unbedingt nahe dem symbolträchtigen Ort Katyn landen, wo er nicht einmal eingeladen war


AUTOR: Hans-Jürgen FALKENHAGEN & Brigitte QUECK

Um das Massaker von Katyn tobte lange Zeit ein von Lügen und Desinformationen charakterisierter Propagandakrieg. Dies gestaltete die Wahrheitsfindung umso schwieriger. Unter Historikern herrscht inzwischen weitgehend Einigkeit über den Hergang der Geschehnisse und die Täterschaft Stalins. Gorbatschow bekannte 1990 zudem, dass Stalinisten für das Massaker verantwortlich gewesen seien. Trotzdem die Sache weist noch einige Unklarheiten auf. Dieser Text ist als ein Beitrag zur Debatte, gegen den Strom der allgemeinen Darstellung zu verstehen. –Tlaxcala.
Die polnische Präsidentenmaschine war um 7.23 Uhr MEZ auf dem Flughafen Frederic Chopin in Warschau gestartet. Es handelte sich um eine neu generalüberholte Tupolew Tu-154. Sie wies nachweislich keine technischen Mängel auf. Ziel war die westrussische Stadt Smolensk, nahe Katyn. An Bord befanden sich 96 Personen, davon 7 Besatzungsmitglieder. Als sich das Flugzeug Smolensk näherte, herrschte dichter Nebel. Der Flugplatz war für eine Landung bei der bestehenden Sichtweite von nur 400-500 Meter nicht geeignet. Deswegen wiesen die Fluglotsen an, entweder den Flughafen in Minsk (Weißrussland) oder Moskau anzufliegen, was natürlich eine beträchtliche Landeverzögerung bedeutet hätte, aber der vernünftig sichere Anflugweg gewesen wäre.

Das hieß auch, dass die Delegation, die aus 89 Personen bestand, Katyn, wo man an die angeblich auf Befehl Stalins 22 000 ermordeter polnischer Soldaten und Offiziere gedenken wollte, auf dem Landwege erreichen musste. Aber einen langen Autokorso hielt man in der Delegation wahrscheinlich nicht für angebracht. Werner Pirker schreibt in „junge Welt“ vom 12. April 2010, Seite 8, unter der Überschrift „Polnischer Mythos“: „Das von Lech Kaczyñski und den Seinen inszenierte Gedenken war eine Ersatzhandlung, die kaschieren sollte, dass Polens Präsident zu dem russisch-polnischen Versöhnungstreffen an den Gräbern von Katyn, vorher veranstaltet von den beiden Regierungschefs Wladimir Putin und Donald Tusk, nicht eingeladen war. Es ist also gut möglich, dass die Weigerung, Minsk oder Moskau anzufliegen, auf die verletzte Eitelkeit des Präsidenten, der einer Begegnung mit russischen oder weißrussischen Vertretern aus dem Weg gehen wollte, zurückzuführen ist.“

Also wurde höchstwahrscheinlich von Lech Kaczyñski höchstpersönlich die Weisung gegeben, unverzüglich auf dem anvisierten Flugplatz nahe Katyn zu landen und dies war ein Militärflugplatz, der eben für die Landung großer Passagiermaschinen vor allem bei dichtem Nebel kaum geeignet war.

Wie kompliziert der Landungsversuch war, beweist die Tatsache, dass der Pilot wegen schlechter Sicht dreimal durchstartete, bevor er zum direkten Landeanflug ansetzte. Dabei übersah er, dass er zu tief flog und die Baumwipfel eines Birkenwaldes streifte. Das bewirkte den Absturz. Die Maschine zerschellte und geriet zudem in Brand. Zweifellos war das ein tragisches Ereignis. Alle 96 Flugzeuginsassen wurden in den Tod gerissen.

An Bord befanden sich neben dem polnischen Präsidenten Lech Kaczyñski und seiner Ehefrau Maria viele hochrangige Persönlichkeiten, dazu gehörten die beiden Vizemarschälle des Sejm, Putra und Szmajdziñski, der Vizemarschall des Senats, Bochenek, der Kanzleichef des Präsidenten Stasiak, der Chef des Büros für nationale Sicherheit Szczyglo, der Staatssekretär in der Präsidentenkanzlei Wypych, weitere hochrangige Mitarbeiter des Präsidenten, der Protokollchef des Außenministeriums, zwei Vizeminister, der Präsident der Polnischen Nationalbank Skrzypek, der Sprecher im Parlament für Bürgerrechte, Kochanowski, der Chef des Büros der Nationalen Sicherheit, Szczyglo.

Unter den Opfern befinden sich 14 Sejm-Abgeordnete und Senatoren des polnischen Oberhauses, der Vorsitzende des Rats zum Schutz des Gedenkens der Opfer von Krieg und Verfolgung, PrzewoŸnik, der Vorsitzende des Polnischen Olympischen Komitees Nurowski, 9 hochrangige Vertreter der katholischen, evangelischen und orthodoxen Kirche, der Generalstabschef der bewaffneten Streitkräfte General G¹gor, der Leiter des Operationsstabes der Armee, General Kwiatkowski, der Chef der Luftstreitkräfte, General B³asik, der Chef der Landstreitkräfte, General Buk, der Chef der Spezialstreitkräfte, General Potasiñski, der Chef der Seestreitkräfte, Vizeadmiral Karweta und der Chef der Warschauer Garnison, General Gilarski, die Obersten Militärgeistlichen der Katholischen Kirche, der evangelischen Kirche, und der orthodoxen Kirche, darunter der katholische Militärbischof Tadeusz Ploski.

Es starben 15 Vertreter der Familien der Katyn-Opfer und 23 weitere Vertreter des gesellschaftlichen Lebens, darunter Solidarnosc-Mitbegründerin Anna Walentynowicz. Wie übrigens die „Gazeta Wyborcza“, Warschau, vom 12. April 2010 berichtete, hatte auch der jüdische Oberrabbiner Michael Schudrich als hochrangiger Vertreter der jüdischen Gemeinde von Polen eine Einladung und sogar eine eindringliche Bitte von Präsident Kaczyñski erhalten, mit der Delegation nach Katyn zu fliegen. Wegen des Sabbatfestes hat Michael Schudrich diese Einladung jedoch nicht wahrnehmen können und abgelehnt, da während dieses Festes Bürgern jüdischen Glaubens längere Reisen nicht gestattet sind. Unter den ums Leben gekommenen befand sich auch General G¹gor, polnischer Generalstabschef, der an vorderster Stelle stehende Kandidat auf den höchsten NATO-Posten. Er sollte nämlich turnusgemäß Oberkommandierender der NATO-Streitkräfte werden.

Um die Person von Lech Kaczyñski ranken sich eine Reihe von Spekulationen. Er war sowohl in Polen als auch in der EU in vielerlei Hinsicht umstritten. Man denke nur daran, dass er als Staatspräsident in einer Art konträren Kohabitation mit dem Ministerpräsidenten Tusk regieren musste und zudem auch wegen der Unterzeichnung des Lissabonner EU-Reformvertrages ernste Streitereien ausgefochten hat. Es kam deswegen zur Kraftprobe mit Regierungschef Tusk. Lech Kaczyñski verlangte Garantien, um künftige Änderungen an den auf dem EU-Gipfeltreffen im Juni und Dezember 2007 zu Gunsten von Polen verabschiedeten Regelungen auszuschließen. Dazu gehörte, dass Polen eine Verlängerung des Abstimmungsmodus im EU-Ministerrat nach dem Vertrag von Nizza bis 2014 und in einigen Punkten die Nichtanwendung der EU-Grundrechtescharta aus dem Jahr 2000 zugestanden wurde.

Das betraf u.a. den Ausschluss von Rückübertragungs- und Entschädigungsforderungen von sog. Vertriebenen gegenüber Polen. Kaczyñski war auch voll in den Parteienstreit in Polen hineingezogen. Lech Kaczyñski und sein Bruder Jaros³aw Kaczyñski vertraten bzw. vertreten die 2007 abgewählte PiS (Partei Recht und Gerechtigkeit). Der neu gewählte Regierungschef Tusk vertritt die PO (Liberal-Konservative Bürgerplattform).

Für das schwere Flugzeugunglück, bei dem es keine Überlebenden gab, wurde Polen überall auf der Welt aufrichtige Anteilnahme an seinem Tode seines Staatspräsidenten Lech Kaczyñski bekundet.. Besonders schwer hat der neu gewählte ukrainische Präsident Janukowitsch den Tod von Lech Kaczyñski empfunden. Er hielt eine besonders zu Herzen gehende Rede der Anteilnahme und erklärte in Würdigung von Lech Kaczyñski und der anderen Flugzeugopfer den 12. April per Präsidentenerlass zum nationalen ukrainischen Trauertag. Dieser wurde auch würdevoll entsprechend den Weisungen von Janukowitsch begangen.

Immerhin soll es Lech Kaczyñski gewesen sein, der nach dem 17. Januar und auch nach dem 7. Februar 2010 entschieden das Ansinnen zurückwies, von Warschau aus so etwas wie eine neue „orange Revolution“ zur Verhinderung der Wahl und des Amtsantritts von Janukowitsch zu unterstützen oder sich deswegen gar militärisch in der Ukraine einzumischen. Lech Kaczyñski soll in Gesprächen mit dem Vorgängerpräsidenten Juschtschenko, der schon im ersten Präsidentenwahlgang mit nur

5,45 % der Stimmen gescheitert war, als auch mit Frau Timoschenko, die am 7. Februar 2010 Janukowitsch in der Stichwahl mit 3 Prozentpunkten Abstand unterlag, auf die strikte Einhaltung der demokratischen Regeln und der Wahlgesetzgebung gedrungen haben. Das soll dazu beigetragen haben, dass es nicht zur Wiederholung des Szenarios von Dezember 2004 kam, als zusammen mit anderen Staatsoberhäuptern und politischer Prominenz aus NATO-Staaten auch der damalige polnische Präsident Aleksander Kwaœniewski in Kiew aufkreuzte, um mit geballter Kraft auch von außen den Wahlsieg von Janukowitsch zu Gunsten von Juschtschenko für ungültig erklären zu helfen.

Bekanntlich kam es Ende Dezember 2004 zu einer Wiederholungsstichwahl, bei der dann der Wunschkandidat des Westens gewann. Im Februar 2010 gewann aber Janukowitsch bei der Präsidentenwahl einen eindeutigen Sieg, der auch vom Verfassungsgericht und Oberverwaltungsgericht bestätigt wurde.


Katyn-Wahrheit und Mythos - einige Feststellungen zum angeblichen Massenmord an der polnischen Elite unter Stalin

Am 13. April 1943, unmittelbar nach der vernichtenden Niederlage der Hitlertruppen in Stalingrad und im Südabschnitt der Ostfront, meldete der deutsche Rundfunk, Soldaten der Wehrmacht hätten bei Katyn, nahe Smolensk, Massengräber mit polnischen Offizieren entdeckt. Merkwürdig war, dass man das so kurz nach der vernichtenden Niederlage bei Stalingrad und im Südabschnitt der faschistischen Front aufgedeckt haben wollte. Das betreffende Gebiet war von den faschistischen Truppen schon im August/September 1941 erobert und besetzt worden! Hinweise auf begrabene Leichen hatten die deutschen Truppenkommandeure von der ansässigen Bevölkerung laufend während eines Zeitraums von eineinhalb Jahren erhalten. Doch erst im April 1943 will man das zur Kenntnis genommen haben.

Eine seinerzeit von der deutschen Reichregierung beauftragte Schweizer Ärztekommission fand dann die Massengräber mit 4363 Leichen, von denen 2730 als polnische Offiziere identifiziert wurden, die angeblich 1939 in sowjetische Gefangenschaft geraten waren. Von der Goebbels-Propaganda wurde damals mit großem Tamtam in die Welt gesetzt, dass der sowjetische NKWD einen Massenmord durchgeführt hätte. Und man machte daraus in der antisowjetischen Propaganda sogar einen „Mord an zehntausenden polnischen Offizieren und Beamten“. Die Sowjetregierung wies diesbezügliche Beschuldigungen einer Täterschaft sowjetischer Organe sofort entschieden zurück und beschuldigte die Deutschen, die wahren Täter zu sein. Die damaligen westlichen Alliierten der Sowjetunion schlossen sich dieser Darstellung an, weil sie den Fakten und Indizien nach der Wahrheit entsprach. Auffällig war damals der ganzen Weltöffentlichkeit z. B. allein schon der Fakt, dass die deutschen Nazis erst nach ihrer vernichtenden Niederlage bei Stalingrad und im Südabschnitt der Ostfront, als sich ihre totale Niederlage abzeichnete, die Gräuel von Katyn den sowjetischen Organen unterschoben. Sie versuchten damit von ihren eigenen Kriegsverbrechen, die ab diesem Zeitpunkt in großem Umfang aufgedeckt wurden, abzulenken.

Erst ab 1952, als der Kalte Krieg gegen die Sowjetunion voll angelaufen war, übernahmen auch westliche Regierungen und die NATO die Goebbels-Version.


Nach der Wiederbefreiung des Gebiets um Katyn in der Nähe von Smolensk durch die Rote Armee 1944 wurde diese Frage von internationalen Kommissionen gründlich untersucht. Auf Grund des Beweismaterials u.a. der Leichenobduktionen kam man zu dem eindeutigen Schluss, dass es sich bei den Katyn-Morden um Verbrechen der deutschen Okkupanten und ihrer Helfershelfer gehandelt hat. Bewiesen wurde das u. a. durch den Nachweis, dass die gefundenen Opfer alle mit deutschen Waffen und deutscher Munition erschossen worden waren. Bei den Opfern wurde Dokumente gefunden, die eindeutig der Besatzungszeit der Faschisten zugeordnet werden konnten. Auch die Verwesungsmerkmale der Toten wiesen auf den Zeitraum ab August 1941 bis 1942, also auf die Besatzungszeit, nicht auf vorherige Zeitpunkte, schon gar nicht auf das Jahr 1940 hin, in dem der Katynmord angeblich stattgefunden haben soll. In Verhören gestanden deutsche SS- und Wehrmachtsoffiziere und auch ukrainische und belorussische Nazi-Kollaborateure, dass die Nazis die Täter waren.

Aber von polnischer Seite wurde später nach 1990 die Beweislast umgedreht. So wird behauptet, dass der NKWD mit deutschen Importwaffen ausgerüstet gewesen wäre, was aber wiederum durch sowjetische und russische Quellen widerlegt wurde. Die Polen übten auch Druck auf den damaligen sowjetischen Präsidenten Gorbatschow aus, er möge doch die Schuld der Sowjetunion an diesen Morden eingestehen und die Stalin-Schergen als die Täter benennen und unter Anklage stellen. Doch es gab und gibt keine beweisfähigen Dokumente, die eine sowjetische Täterschaft beweisen und es gibt bis heute auch keine Zeugen aus den Reihen der NKWD oder der Roten Armee, die die Nazi-Behauptungen vom Katyn-Mord belegen. Es gab aber 1943/1944 viele Zeugen, die bestätigten, dass das Katyn-Verbrechen von den Nazis begangen wurde. Der Fakt, dass 1943 von der Schweizer Ärztekommission Leichen mit Genickschuss aufgefunden wurden, ist kein Beweis für eine Täterschaft des sowjetischen NKWD. Dieser Hinrichtungsmethode bedienten sich u.a. auch die im Dienste der deutschen Okkupanten stehenden ukrainischen Bandera- und Schuchewitsch-Banden. Roman Schuchewitsch war der Stellvertreter des Kommandeurs des berüchtigten Bataillons „Nachtigall“, sowie Führer des 201. Schutzmannschafts-Bataillons - einer ukrainischen Polizeitruppe- im Rang eines SS-Hauptsturmführers und dann Kommandeur der ukrainischen Aufständischen-Armee (UAP). Die Beteiligung des Bataillons „Nachtigall“ sowie des 201. Schutzmannschafts-Bataillons an den Katyn-Morden konnte schon 1944 nachgewiesen werden. Dazu wurden mehrere Kommissionen, auch mit internationaler Besetzung, eingesetzt.

Nun gibt es die polnische Gegenversion, die auf der Nazi-Version beruht, und die sich im Grunde nur einer Version bedient, die juristisch nicht klar nachvollziehbar ist. Demnach hätten am 5. März 1940 Josef Stalin, sein NKWD-Chef Berija sowie Molotow, seinerzeit Vorsitzender des Rats der Volkskommissare der UdSSR, sowie Kalinin, Vorsitzender des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR, ferner die Politbüromitglieder Kaganowitsch und Mikojan entschieden, 25 700 polnische Bürger, darunter ein Großteil polnischer Offiziere, als verbissene und unverbesserliche Feinde der Sowjetregierung zu erschießen. Von 3. April bis 14. Mai 1940 seien diese nach polnischer Version von Kozielska, Starobielska und Ostaszkowa an die Vernichtungsorte verbracht worden. Was dabei bis heute merkwürdig blieb, ist, dass man von Opferzahlen weiß, aber in den meisten Fällen nicht benennen konnte und kann, wer diese Opfer mit Namen und Adresse waren. Von den angeblich Ermordeten ist fast keiner authentisch mit Name und Adresse identifiziert. Und selbst da, wo man Namen und Adresse benannt hat, blieben die Angaben oft diffus. Schon die Nazis teilten seinerzeit so gut wie keine Namen und Adressen von ausgegrabenen Opfern mit. Die angeblichen Opfer gelten bis heute überwiegend auch im juristischen Sinne als unbekannt verschollen. Man weiß nur ungefähr, wer in sowjetische Gefangenschaft geriet. Das waren aber etwa 180 000.

Nun ist es richtig, dass Stalin 1940 von der Existenz von antisowjetischen Feinden unter Polen ausging, die in Gebieten lebten, die ab dem 17. September 1939 der Ukrainischen und Belorussischen Sowjetrepubliken angeschlossen worden waren. Das galt auch für eine Reihe der etwa 180 000 polnischen Kriegsgefangenen, die beim Einmarsch der Roten Armee ab dem 17. September 1939 in die Hände der sowjetischen Truppen fielen. Zeugen sagen bis heute aus, dass die Rote Armee diese Kriegsgefangenen nach den Regeln der Genfer Konvention behandelte und sie auch schon oft kurzfristig freiließ. Bisweilen beließ man ihnen den Status als Militärformationen. Bei Freilassung wurde ihnen sofort Arbeit vermittelt, die sie frei auswählen konnten.



Probleme hatte die Sowjetregierung mit der Polnischen Exilregierung in London, die sich in Fortsetzung des deutsch-polnischen Krieges im Kriegszustand mit Deutschland, aber ab dem 17. September 1939 auch in einer Art Kriegszustand mit der UdSSR betrachtete. Und diese polnische Exilregierung erhob Anspruch auf Unterstellung aller Polen, gleich wo diese lebten, unter ihre Befehlshoheit. Das führte dazu, dass einige auf dem Gebiet der UdSSR lebenden polnischen Bürger ein Loyalitätsproblem bekamen. Einige meinten auch, von sowjetischem Boden aus in den militärischen Kampf ziehen oder in irgendeiner anderen Form gegen die Feinde Polens militant werden zu müssen. Die Sowjetregierung war aber zu dieser Zeit darauf bedacht, jegliche Provokationen gegen das Großdeutsche Reich von sowjetischem Boden aus zu vermeiden. Sie schritt zu diesem Zwecke auch strafrechtlich ein, wenn Gesetze oder Anweisungen in dieser Richtung nicht befolgt wurden. Bezüglich straffällig gewordener Polen gibt es dokumentierte Gerichtsurteile, teils mit der Verhängung der Höchststrafe. Das betrifft aber nicht Tausende. Massenhinrichtungen sind nicht dokumentiert. Die Praxis, Polen, am Kampf gegen Hitlerdeutschland zu hindern, änderte sich erst mit dem Überfall Nazideutschlands auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941.

Jetzt gestattete Stalin auch vielen Polen, darunter polnischen Kriegsgefangenen mit General Anders, über den Iran an die Afrikafront zu ziehen und dort die englischen Verbände zu verstärken, die gegen die italienischen und deutschen Truppen kämpften und die unter dem Befehl von Rommel standen. Andererseits begann die Sowjetregierung auch Polen in polnischen Armeeeinheiten zu rekrutieren, die auf der Seite der Roten Armee gegen die faschistischen Aggressoren kämpften. Es gab auch Polen, darunter auch gefangen genommen polnische Offiziere, die zu antisowjetischen Aktivitäten, Sabotagehandlungen bis zu Terrorakten übergingen. Auch deswegen gab es seitens der sowjetischen Sicherheitsorgane Verhaftungen und auch gerichtliche Verurteilungen bis zu Todesurteilen, die aber keine Größenordnungen von Tausenden erreichten. Bekannt ist auf der anderen Seite, dass die faschistischen Okkupanten auf sowjetischen Boden nicht nur Hunderttausende von Juden, Russen, Ukrainern und Angehörige anderer Nationalitäten ermordeten, sondern auch Zehntausende von Polen, die sie u.a. bei Katyn im wahrsten Sinne des Wortes verscharrten.

Katyn ist bis heute ein umstrittenes Problem, bei dem Aussagen gegen oft völlig konträre Aussagen stehen. Deswegen kann man mit Fug und Recht vom Mythos von Katyn sprechen.

Wir haben hiermit versucht, etwas Erhellendes zu den damaligen Ereignissen beizutragen.

Quellen:

gazeta wyborcza und wyborcza.pl Wiadomosci:

http://wiadomosci.gazeta.pl/Wiadomosci/1,80273,7752563,Lista_ofiar__prezydenckim_TU-154_lecialy

http://wyborcza.pl/1,75248,7761041,Rotfeld_Gen_Gagor_mial_zostac_Naczelnym_Dowodca_Sil.html

http://wyborcza.pl/katyn/0,0.html

http://www.president.gov.ua/documents/10850.html

Friedeman Bedürftig, Lexikon Drittes Reich, Piper-Verlag München Zürich, Seite 187.



Quelle: die Autoren

Originalartikel veröffentlicht am 22.4.2010

Über die Autoren

H-J Falkenhagen u. Brigitte Queck sind mit Tlaxcala, dem internationalen Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt, assoziierte Autoren. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl die Autoren als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala: http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=10355&lg=de

Montag, 19. April 2010

Von Biggles fliegt mit der RAF bombardieren

Verteidigungsminister zu Guttenberg lässt einen Waffensystemoffizier der Bundesluftwaffe in Afghanistan in einem britischen Tornado Kampfeinsätze mitfliegen und verstößt damit eindeutig gegen das Tornado-Urteil des Bundesverfassungsgerichts.

Von Michael Smith
TIMES ONLINE, 05.04.10

Pass auf Pilot, du hast einen Kraut hinter dir! Ein Navigator der (bundesdeutschen) Luftwaffe ist der erste Vertreter der Luftstreitkräfte seines Landes, der mit der Royal Air Force / RAF Kampfeinsätze fliegt.

Seine britischen Kameraden haben keine Probleme mit seiner Nationalität. Sie ärgern sich nur darüber, dass er im Monat 3.000 £ (3.420 €) mehr verdient, als der Pilot, mit dem er in Afghanistan zum Bombardieren fliegt.

Zum ersten Mal haben Soldaten der Luftstreitkräfte beider Staaten – die sich in beiden Weltkriegen erbittert bekämpft haben – gemeinsame Kampfeinsätze geflogen, nicht nur auf der gleichen Seite, sondern sogar im gleichen Flugzeug.

Der RAF-Pilot von der 31. Staffel, die normalerweise auf dem RAF-Flugplatz Marham in Norfolk stationiert ist, und sein hinter ihm sitzender deutscher Navigator (der vor allem als Waffensystemoffizier / WSO fungiert), starteten mit einem Tornado GR.4 Erdkampfflugzeug vom Flugplatz Kandahar im Süden Afghanistans zu ihren Flügen.

Das Team führte in sechs Wochen vom Dezember 2009 bis Januar 2010 etwa 18 gemeinsame Einsätze zur Luftunterstützung der Bodentruppen durch.

Die Bewaffnung des Flugzeugs bestand aus 500 Pound (227 kg) schweren lasergesteuerten Bomben vom Typ Paveway IV (s. http://de.wikipedia.org/wiki/Paveway ), Luft-Boden-Raketen vom Typ Brimstone (s. http://de.wikipedia.org/wiki/Brimstone ) und einer 27 mm-Bordkanone.

Der deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hatte ausdrücklich darum ersucht, den Offizier seiner Luftwaffe als Navigator einzusetzen – als Zeichen seiner Bemühungen um ein stärkeres Engagement seines Landes im Afghanistan-Krieg.

Die deutschen Truppen sind wegen der Restriktionen, die ihnen die Bundesregierung auferlegt hat, schon häufig von der NATO kritisiert worden, weil sie keine Nachteinsätze und keine offensiven Operationen durchführen und nicht im Süden Afghanistans eingesetzt werden dürfen, wo die Kämpfe am heftigsten sind.

Durch seine Beteiligung an Kampfeinsätzen im Süden hat der Navigator wohl gegen diese Restriktionen verstoßen, was zu Kontroversen in Deutschland führen könnte.

Dass kümmert die 31. Staffel jedoch nicht; sie regt sich nur über die höheren Bezüge des deutschen Luftwaffen-Offiziers auf.

Piloten der RAF verdienen zwischen 37.000 £ (42.158 €) und 44.000 £ (50.134 €) pro Jahr und erhalten während ihres sechswöchigen Einsatzes in Afghanistan eine Tageszulage von 14,51 £ (16,53 €). Weil Besatzungsmitglieder der Luftwaffe ein viele höhere Gefahrenzulage erhalten, ist ihr Einkommen fast doppelt so hoch wie das eines RAF-Piloten.

"Die deutschen Flieger erhalten in Afghanistan pro Tag 110 € [98 £] mehr als ihre britischen Kollegen," war aus einer RAF-Quelle zu erfahren. "Das erregt viel Unmut."
Der gleiche Informant fügte hinzu: "Aber niemand beklagte sich über den (deutschen) Navigator selbst.

In der Luft zählt nur eins: Kann er seinen Job auf dem geforderten Niveau ausführen oder nicht? Er bewährte sich bestens."

Während des Zweiten Weltkriegs flog die 31. Staffel Transportflugzeuge vom Typ Douglas DC-2 im Fernen Osten und hatte kaum direkt mit den Deutschen zu tun. Das hinderte die RAF-Besatzungen jedoch nicht daran, Witze über die jetzige Zusammenarbeit mit der Luftwaffe zu reißen.

Auch die deutsche Luftwaffe erinnert noch an ihre alten Konflikte mit Großbritannien; ihre 71. Staffel ist nach "Richthofen" benannt – zu Ehren des Roten Barons Manfred von Richthofen, der im Ersten Weltkrieg 80 Flugzeuge abschoss, darunter auch viel britische.

"Keiner hat zwar gesagt: 'Achtung, er ist hinter dir!' Aber alle alten Kriegswitze tauchten wieder auf, und es gab viel Gelächter unter den Besatzungen," erzählte ein Eingeweihter.

Über die Kampfeinsätze (des Deutschen) werden in der Bundesrepublik wohl kaum Witze gemacht, denn zwei Drittel der Bevölkerung lehnen der Anwesenheit deutscher Truppen in Afghanistan ab.

Ihr Einsatz wurde der deutschen Öffentlichkeit ursprünglich als Maßnahme zum Schutz des Wiederaufbaus und zur Sicherung der staatlichen Institutionen verkauft. Deshalb haben der auch im nördlichen Afghanistan wachsende Widerstand der Taliban und der von einem Deutschen angeforderte Luftangriff bei Kunduz, der im September letzten Jahres Dutzende Zivilisten tötete, viel Zorn erregt. So wurde Guttenberg im Oktober (2009) Deutschlands jüngster Verteidigungsminister und zu einem aufsteigenden Stern in der Christlich-Demokratischen Union der deutschen Kanzlerin Angela Merkel. Sein Vorgänger musste wegen des Bombardements von Kunduz zurücktreten.

Ein Sprecher des (britischen) Verteidigungsministeriums erklärte: "Wir können bestätigen, dass ein deutscher Austauschoffizier im Rahmen der ISAF-Mission in Afghanistan kürzlich bei der 31. Staffel mitgeflogen ist."

Übersetzung: Wolfgang Jung, luftpost-kl.de

Sonntag, 18. April 2010

Leute, stellt euch auf einen netten Weltkrieg ein!


Von John Pilger
INFORMATION CLEARING HOUSE, 25.03.10

Hier gibt es (die neusten) Nachrichten über den Dritten Weltkrieg. Die USA sind über Afrika hergefallen. US-Truppen sind in Somalia eingedrungen; sie haben die Front von Afghanistan über Pakistan und den Jemen jetzt bis ans Horn von Afrika ausgeweitet. Zur Vorbereitung eines Angriffs auf den Iran wurden in vier Staaten am Persischem Golf US-Raketen aufgestellt, und außerdem sollen bereits "bunkerbrechende Bomben" auf dem Weg zu der US-Basis auf der britischen Insel Diego Garcia im Indischen Ozean sein.

In Gaza wird die unter unbehandelten Krankheiten leidende, von aller Welt im Stich gelassene Bevölkerung, die überwiegend aus Kindern besteht, hinter aus den USA gelieferten unterirdischen Mauern begraben, die eine kriminelle Belagerung vervollständigen. In Kolumbien in Lateinamerika hat sich die Obama-Administration sieben Basen gesichert, von denen aus sie einen Zermürbungskrieg gegen die vom Volk getragenen Demokratien in Venezuela, Bolivien, Ecuador und Paraguay zu führen gedenkt. Gleichzeitig beklagt sich "Verteidigungsminister" Robert Gates darüber, "dass die Bevölkerung und die politische Klasse Europas den Krieg so sehr ablehnen", dass sie ein "Hindernis auf dem Weg zum Frieden" seien . Wir haben ja schließlich auch den Monat des Märzhasen (einer Fantasiefigur aus "Alice im Wunderland").

Nach Aussagen eines US-Generals gehören die Invasion und die Besetzung Afghanistans ja auch nicht zu einem echter Krieg, sondern eher zu einem "nur in der Vorstellung existierenden Krieg". Deshalb war die kürzlich durchgeführte "Befreiung der Stadt Marjah" von "der Herrschaft und Kontrolle der Taliban" ja auch nur eine Art Hollywood-Film. Marjah ist nämlich überhaupt keine Stadt und wurde auch nicht von den Taliban beherrscht und kontrolliert. Die heroischen Befreier brachten – wie üblich – nur unbeteiligte Zivilisten um, und zwar die Ärmsten der Armen. Ansonsten war die sogenannte Schlacht um Marjah nur Schwindel. Der "nur in der Vorstellung existierende Krieg" muss ständig gefälschte Siegesmeldungen für die Leute zu Hause liefern, die ein erfolgloses Kolonialabenteuer erfolgreich und patriotisch erscheinen lassen, als seien die in den Film "The Hurt Locker" (der in hiesigen Kinos unter dem deutschen Titel "Tödliches Kommando" läuft,) dargestellten Ereignisse tatsächlich so geschehen und die Trauerzüge der mit Fahnen bedeckten Särge durch den Ort Wootten Basset in der englischen Grafschaft Wiltshire nicht nur zynische Propaganda-Veranstaltungen.

Auf den Helmen (der US-Soldaten) in Vietnam war häufig der Spruch "War is fun" (Krieg macht Spaß) zu lesen; das war blanke Ironie, und die GIs wollten damit ausdrücken, dass dieser fanatisch geführte, gefräßige Krieg in Wahrheit nur den Zweck hatte, die Profite der Waffenindustrie zu steigern. Der Gefahr, enttarnt zu werden, hat sich auch Tony Blair ausgesetzt; 1997 bezeichnete er sich in liberaler Attitüde noch als jemand, "der eine Welt schaffen will, in der die Ideologie gänzlich den Werten weichen muss" – wie Hugo Young im GUARDIAN berichtete – und heute steht er von der Öffentlichkeit als Lügner und Kriegsverbrecher da.

Kriegführende westliche Staaten wie die USA und Großbritannien wurden weder von den Taliban noch von irgendwelchen anderen, nur mit sich selbst beschäftigten Stammesangehörigen in entfernten Gegenden angegriffen, sie sind aber durch die Antikriegshaltung ihrer eigenen Bürger bedroht. Denken sie nur an die drakonischen Strafen, die London gegen eine Menge junger Menschen verhängt hat, die im Januar 2009 gegen den Überfall Israels auf Gaza protestiert haben. Nach Demonstrationen haben paramilitärische Polizeieinheiten Tausende "Ersttäter" eingekesselt, die zum Teil Haftstrafen von zweieinhalb Jahren für kleinere Straftaten erhalten haben, für die normalerweise niemand eingesperrt wird. Auf beiden Seiten des Atlantiks ist ernsthafter Widerstand gegen einen illegalen Krieg zu einem schweren Verbrechen geworden.

Diese Pervertierung der Moral ist nur möglich, weil sich angesehene Autoritäten in Schweigen hüllen. Künstler, Literaten, Journalisten und Juristen, also sämtliche liberalen Eliten, lassen die Finger von dem Unrat, den Blair und jetzt Obama zu verantworten haben; sie verstecken ihre Gleichgültigkeit gegenüber den barbarischen Zielen der westlichen Kriegsverbrecher hinter der Beschäftigung mit den Übeltaten allgemein verhasster Dämonen wie Saddam Hussein. Versucht doch einmal – nachdem (der britische Dramatiker und Nobelpreisträger) Harold Pinter von uns gegangen ist – eine Liste berühmter Schriftsteller, Künstler und Juristen zu erstellen, die ihre Prinzipien nicht verkauft oder sich von ihrer Berühmtheit nicht haben kastrieren lassen. Wer von ihnen hat den Holocaust im Irak angeprangert, der mit der fast 20 Jahre andauernden tödlichen Blockade und dem anschließenden Überfall verübt wurde? Und auch dieser Holocaust wurde vorsätzlich begangen. Am 22. Januar 1991 sagte die CIA der USA in eindrucksvoller Weise voraus, dass durch eine Blockade die Versorgung des Iraks mit sauberem Trinkwasser systematisch zerstört werde und es dadurch "zur verstärkten Ausbreitung von Krankheiten, wenn nicht sogar zu Epidemien" komme. Deshalb haben es die USA darauf angelegt, die Versorgung der irakischen Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser lahmzulegen und damit nach Angaben des Kinderhilfswerks UINICEF auch den Tod von einer halben Million irakischer Kinder unter fünf Jahren verursacht. Aber diese Art Extremismus nennt offensichtlich niemand beim Namen.

Norman Mailer sagte einmal, er glaube, die USA seien mit ihren endlosen Kriegen und ihrem Drang nach Weltherrschaft in eine "präfaschistische Ära" eingetreten. Mailer unternahm den Versuch, vor einer Entwicklung zu warnen, die er nicht genau definieren konnte. "Faschismus" ist eigentlich nicht der richtige Terminus, weil er an unpassende historische Präzedenzfälle erinnert und erneut die Bilder der deutschen und der italienischen Terrorherrschaft beschwört. Denn das autoritäre Herrschaftssystem der USA ist, wie kürzlich der Kulturkritiker Henry Giroux aufzeigte, "nuancenreicher, weniger theatralisch und durchtriebener, und es arbeitet weniger mit repressiven Kontrollmethoden als mit durch Manipulation erzeugter Zustimmung".

Es ist der "American Way of Life", die einzige räuberische Ideologie, die bestreitet, eine Ideologie zu sein. Die mit mächtigen Fangarmen weltweit operierenden Konzerne, die diktatorisch nach eigenen Gesetzen herrschen, das Militär, das zu einem Staat im Staate geworden ist, die hinter der Fassade der (angeblich) besten Demokratie der Welt in Washington agierenden 35.000 Lobbyisten, die Politiker kaufen, und eine Popkultur, die nur ablenken und verdummen soll, prägen ein System, das es so bisher nicht gab. Es mag differenzierter (als der Faschismus) sein, aber es hat eindeutig die gleichen Folgen. Denis Halliday und Hans von Sponeck, die beiden führenden UN-Beauftragten, die während der unter Führung der USA und Großbritanniens durchgeführten Blockade für den Irak zuständig waren, sind sich einig, dass damit ein Genozid begangen wurde. Sie fanden zwar keine Gaskammern. Aber schleichend, unerklärt und trotzdem offen in Gang gesetzt, begann auch der Dritte Weltkrieg mit einem Völkermord, der immer mehr Menschen das Leben kostet.

Im kommenden Wahlkampf in Großbritannien werden die Kandidaten, wenn sie von diesem Krieg reden, nur "unsere (tapferen) Boys" loben. Alle Kandidaten sind fast identische politische Mumien, eingewickelt in den Union Jack (die britische Fahne) und die Stars and Stripes (die US-Fahne).

Blair hat etwas zu übereifrig demonstriert, wie sehr die britische Elite die USA vergöttert, weil ihr die USA erlaubt, die Bewohner anderer Länder zu kasernieren und zu bombardieren, und sich diese Herrschaften dann als "Partner" (der USA) fühlen können. Wir sollten ihnen ihren "Spaß" verderben.

Übersetzung: Wolfgang Jung, luftpost-kl.de

Freitag, 2. April 2010

Man ist dabei, einen Krieg gegen „dieses“ Land zu führen!

AUTOR: Kourosh ZIABARI ˜æÑæÔ ÖیÇÈÑی

Übersetzt von Ellen Rohlfs. Lektoriert von Einar Schlereth

Das Geschwätz über die Möglichkeit eines Militärschlags gegen den Iran geht in diesen Tagen wieder um. Präsident Obama, über dessen Friedensnobelpreis ich mich noch immer wundere, hat eingestanden, dass der vorherige Präsident Bush mit seiner Überzeugung recht hatte, der Iran stelle eine ernsthafte Bedrohung für die internationale Gemeinschaft dar; Russland zieht sich feige von seiner Position zurück und schließt sich dem Rest der tyrannischen Mächte an, die für Sanktionen gegen den Iran sind; angestachelt von Israel und AIPAC legen die herrschenden US-amerikanischen Medien die Grundlage, um die Öffentlichkeit mit Gewalt darauf vorzubereiten und zu überzeugen, dass der Iran das gefährlichste Land im Nahen Osten ist und so bald wie möglich entwaffnet werden sollte, andernfalls könnte es Israel angreifen und von der Landkarte tilgen.
Alles, was sich jetzt abspielt, entspricht den Entwicklungen, wie wir sie zwei Jahre vor dem Überfall auf den Irak erlebten. Die New York Times spielt genau dasselbe unerfreuliche Spiel, das sie entworfen hatte, um uns davon zu überzeugen, dass der verstorbene Diktator Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen hatte. Die Geschichte wiederholt sich wieder einmal, und nun ist der Iran das Ziel für einen zermürbenden, multilateralen psychologischen Krieg – zusätzlich zum bisherigen wirtschaftlichen Embargo. Allein die Tatsache, dass der Iran noch auf seinen eigenen Füßen steht, demonstriert den starken Willen und die starke Fähigkeit dieser Nation; doch was geschieht wirklich hinter den Kulissen? Was wird geschehen, wenn die USA oder ihr nahöstlicher Satellit, Israel, den Iran angreifen?

Wer hat Saddam aufgebaut?

Selbst ein 7jähriges Kind konnte leicht erkennen, dass Saddam Hussein, der bedauerlicherweise 2006 von den USA hingerichtet wurde, eine Marionette von genau denselben USA war, die den 8 Jahre dauernden Stellvertreter-Krieg gegen den eben entstandenen Iran der Nach-Revolution führte, und erbarmungslos das Leben von mehr als 350 000 Menschen nahm . Komischerweise sind das dieselben US, die ständig für ihr Engagement für die „Menschen“-Rechte trommeln und andere Länder als Menschenrechtsverletzer brandmarken. Waren diese 350 000 Iraner keine Menschen?

In seinem Buch „ The Death-Lobby: How the West Armed Irak“ (Die Todes-Lobby: wie der Westen den Irak bewaffnete) deutet Kenneth R. Timmerman an, dass die USA eine neue Marionette im Nahen Osten gesucht haben könnten, nachdem ihr Freund Mohammad Reza Pahlavi übernacht vom iranischen Volk aus seinem Amt vertrieben worden war, weil es nicht ertragen konnte, dass sein Land Schachfigur fremder Mächte sein sollte. Amerikas wichtigster Verbündeter am Persischen Golf, der Schah, wurde übernacht beiseite gefegt und kein anderer war in Sicht, um ihn als Garant für die USA-Interessen in der Region zu ersetzen.“ Deshalb suchten sie Zuflucht bei dem irakischen Diktator und versprachen ihm, ihn bedingungslos zu unterstützen, vorausgesetzt, dass der Diktator an seinem Versprechen festhält, die iranische Revolution zu lähmen.

1982 wurde der Irak plötzlich von der US-Liste der staatlichen Sponsoren des Terrorismus gestrichen, wodurch die Unwahrheit der Liste demonstriert wurde. Äußerlich gesehen begriff keiner, wodurch ein Land es verdiente, auf die Liste der Staaten zu kommen , die nicht den Terror nicht unterstützten; doch alles wurde nach und nach bekannt gemacht.

Präsident Ronald Reagan sandte Donald Rumsfeld als seinen Sonderbotschafter zu Saddam Hussein, um die Verbindung mit dem früheren „Staatssponsor des Terrorismus“ wieder herzustellen. Zwei höfliche Treffen zwischen Rumsfeld und Saddam fanden 1983 und 1984 statt, wobei sie verschiedene Abkommen über US-Unterstützung unterzeichneten, denen zufolge die USA dem Irak z.B. Artillerie, Raketengeschosse, Flugzeugteile und Nachrichtendienste liefern sollten. Die irakischen Soldaten erhielten taktische Beratung und avanciertes Militärtraining zusammen mit unkonventionellen Kriegstechniken, die exklusiv zur Verteidigungsdoktrin des US-Außenministeriums gehört.

Die USA scheuten sich nicht einmal, dem Irak chemische Waffen zu senden, um sie auf die Dächer menschlicher Behausungen fallen zu lassen. Dies war ein weiteres Beispiel für das US-Engagement für Menschenrechte. Im Mai 1994 enthüllte ein Bericht des Bank-Komitees des US-Senats, dass „pathogenes (krankmachendes), giftiges und anderes biologisches Forschungsmaterial in den Irak exportiert wurde entsprechend einem Antrag …durch das US-Handelsministerium.“

Ein britischer Experte biologischer Waffen und vormaliger UN-Inspektor chemischer Waffen im Irak, David Kelly, bestätigte, dass „der Irak 1985 acht Sorten von Anthrax aus den USA kaufte.“

Auf jeden Fall taten die USA alles, wozu sie in der Lage waren, um einen Diktator zu stärken, der nicht einmal im Traum voraussehen konnte, dass er nach kurzer Zeit genau von den Leuten vernichtet werden wird, denen er ( kurzem zuvor) noch freundlich die Hände geschüttelt hatte.

Ein Bericht der ‚Los Angelos Wochenzeitschrift’ (LA-Weekly) vom Mai 2003 veröffentlichte eine Liste mit 41 amerikanischen Gesellschaften, die Saddam bei seinem Auftrag halfen, den Iran zu zerstören und die islamische Revolution zu Fall zu bringen, die einen von den USA unterstützten König gestürzt hatte. Interessanter? Weise waren unter diesen Gesellschaften Caterpillar Inc., Hewlett-Packard, IBM, Carl Zeiss und Philips Exporte – laut Liste der LA-Weekly.

Nur ein Beispiel: die NRM Corp. rüstete ihn mit Maschinen aus, die Reifen fabrizierten ( im Wert von 3 310 485.-$); Druckermaschinen und Zubehör ( im Wert von 950 000.-$) … Man mag sich fragen, ob Saddam all diese Maschinen, Einrichtungen und Apparate, die er von 150 ausländischen Gesellschaften erhielt, hat praktisch anwenden können (nach der deutschen Zeitung „Die Tageszeitung“). Die Schlussfolgerung könnte sein, dass die westliche Welt Saddam bewusst in seiner Position eines unbesiegbaren und unbeugsamen Tyrannen gestärkt hat und dann entschied, ihn auf einen Schlag zu stürzen.

Die Geschichte des Iran

Der Iran ist anders. Er bemüht sich, seine Andersartigkeit zu behalten. Das iranische Volk braucht keinen ausländischen Supermacht, der für es entscheidet. Selbst wenn ein verheerender Bürgerkrieg im Iran ausbrechen würde und verschiedene Parteien ernsthaft in Streit gerieten, würden sie nicht bei einem ausländischen Retter Zuflucht suchen, dass er ihnen helfen möge. Denn die Geschichte des Irans zeigt, dass ausländische Mächte nie mit guten Absichten gekommen sind. Ein unerbittlicher Feind, der in Palästina schon viel Blut vergossen hat, besitzt 200 Atombomben, die auf den Iran gerichtet sind, während die „Menschenrechts“-Aktivisten weiter schweigen.

Der Iran ist ein Land des Friedens. Literatur und Kultur sind eng mit allen Lebenssphären eines iranischen Bürgers verbunden. Der Iran ist zusammen mit dem römischen und griechischen Weltreich die Heimat der alten Zivilisationen der Welt. Ich persönlich bin gegen jede Art von Waffen; ob sie chemisch, nuklear oder sonst was sind. Wenn alle Länder der Welt ihr Militär und ihre bewaffneten Kräfte abschafften, würde kein Krieg ausbrechen und keiner würde sein Leben verlieren. Doch wissen wir alle, dass solch strenge Aussagen nur die eines Schülers der Grundschule sein können. Er sieht seine Umwelt mit den Augen von Unschuld und Reinheit. Wenn Israels „Existenzrecht“ und sein „Recht auf Selbstverteidigung“ wichtig sind, dann ist Irans Recht auf „Frieden und Ruhe“ genau so wichtig.

Wie John Pilger in seinem letzten Artikel empfiehlt, geht und sucht die Atomwaffenlager Israels und nicht des Irans, weil man in den Produktionsanlagen des Iran nichts Entsprechendes findet; trotz alledem, wenn jemand auf aufregende Abenteuer aus ist, dann hat Israel für ihn viel mehr zu bieten.

Quelle:You're waging war against "This" country!

Originalartikel veröffentlicht am 31.3.2010

Über den Autor

Kourosh Ziabari, Ellen Rohlfs und Einar Schlereth sind Mitglieder von Tlaxcala, dem internationalen Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor, die Übersetzerin, der Lektor als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala: http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=10248&lg=de