JERUSALEM POST, 18.10.09
Mohamed ElBaradei, der scheidende Chef der International Atomic Energy Agency / IAEA, betont erneut, dass die von dem iranischen Atomprogramm ausgehende Gefahr übertrieben wird. Der einzige Weg, die Probleme mit Teheran zu lösen, führe über Gespräche. Durch Verhandlungen sollte erreicht werden, dass der Nahe Osten zu einer atomwaffenfreien Zone wird; nur so könne die "Unausgewogenheit" ausgeglichen werden, die sich aus der Tatsache ergibt, dass Israel den Atomwaffensperrvertrag nicht unterzeichnet hat.
"Die Bedrohung durch das iranische Atomprogramm wird aufgebauscht. Ich glaube nicht, dass wir morgen aufwachen und bemerken werden, dass der Iran eine Atomwaffe besitzt," sagte er in einem Interview mit der österreichischen Zeitung DIE PRESSE, das am Sonntag veröffentlicht wurde.
"Präsident Barack Obama hat verstanden, dass Verhandlungen mit dem Iran die einzig mögliche Lösung sind. ... Der Iran möchte nicht nur über Nuklearfragen diskutieren, sondern die ganze Palette der Probleme mit den USA besprechen. Der Iran könnte im Nahen Osten eine wichtige, positive Rolle spielen. In Afghanistan oder auch im Irak," fuhr der Träger des Friedensnobelpreises des Jahres 2005 fort.
Die größte Gefahr für die Region geht nach ElBaradei von der Möglichkeit eines israelischen Luftangriffs auf die Atomanlagen des Irans aus.
"Bomben auf den Iran sind keine Lösung. Ein israelisches Bombardement würde die gesamte Region in einen Feuerball verwandeln," sagte er.
"Wir sollten uns die Frage stellen, warum Länder Atomwaffen entwickeln. Sie versprechen Macht und Prestige. Israel sagt, dass es einen Iran, der im Besitz von Atomwaffen ist, nicht hinnehmen kann. Wenn Sie aber nun mit den Führern der arabischen Länder sprechen, dann sagen diese, dass sie mit Israel, das Atomwaffen besitzt, nicht leben können. Die Lösung: Wir müssen für einen dauerhaften Frieden in der Region sorgen, und der gesamte Nahe Osten muss zu einer kernwaffenfreien Zone werden. Doch das braucht Zeit. Aber wir müssen auch vor Augen haben, dass das Ungleichgewicht, dass ein Land, nämlich Israel, außerhalb des Atomatomwaffensperrvertrags steht, während die anderen Länder an den Vertrag gebunden sind, (auf Dauer nicht bestehen bleiben kann.")
(Wir haben den Artikel komplett übersetzt Den letzten Satz haben wir durch die Anfügung in Klammern so vervollständigt, wie er in dem ElBaradei-Interview mit der österreichischen Zeitung DIE PRESSE wiedergegeben wird. In Kurzfassung ist es nachzulesen unter http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/515810/index.do?from=suche.intern.portal – in Langfassung unter http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/515857/index.do . Anschließend drucken wir den Originaltext aus der JERUSALEM POST ab.)
Quelle: luftpost-kl.de
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