Mittwoch, 29. Juli 2015

IS will finnische Sängerin ermorden

Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat
Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de

Bild: Helly Luv
Wikimedia CC
Die Sängerin Helly Luv, Finnin mit kurdischen Wurzeln, hat das videoklipp "Revolution" lanciert. Das empfindet der Islamische Staat (IS) als bedrohlich und nun erhält die Sängerin ständig Morddrohungen. IS hat ihren Namen auf eine "Todesliste" gesetzt.
Mit ihrem Video Risk It All (Riskiere alles) gewann sie vor allem in ihrer Ursprungsheimat, Irakisch-Kurdistan, große Aufmerksamkeit.

Helly Luv (* 16. November 1988 in Urmia als Helan Abdulla), kam nach dem 2. Golfkrieg als Kind mit ihren Eltern nach Finnland. Als Erwachsene fuhr sie in die USA um eine Karriere, in der Musikgenre Pop-, Hip-Hop- und R&B- zu starten. Im Jahr 2015 lancierte sie das Lied "Revolution" das den Kampf der Kurden gegen den IS behandelt. Das Video, in dem Helly Luv kurdische Truppen anführt und Panzer stoppt, wurde nur wenige Kilometer von einem Kampfgebiet entfernt, gefilmt.

Etliche Millionen Menschen haben das Video bereits gesehen. IS sieht die Sängerin als Feindin, weil sie ihr Video als Propaganda für ein freies Kurdistan interpretieren.

Die finnische Boulevard Zeitung Iltalehti behauptet, dass Helly Luv die bekannteste Musikerin Finnlands in der Welt ist.

Gefunden auf Sputnik Sverige. Übersetzung aus dem Schwedischen von Folker Hoffmann (Mowitz), Gegenmeinung/Nachtwandler.

FH

Mittwoch, 8. Juli 2015

Georg Schramm zu Atomenergie, Finanzkrise und Grexit



Georg Schramm schlägt beim Schönauer Stromseminar einen atemberaubenden Bogen von den Machenschaften der Atomwirtschaft über das Syndikat des billigen Geldes bis zum Verrat von europäischen Grundwerten in der Griechenlandkrise, um mit einem persönlichen Dank an Ursula und Dr. Michael Sladek für ihre Beharrlichkeit im Kampf gegen scheinbar übermächtige Strukturen zu enden. „Mir haben diese beiden sehr viel gegeben. Und in Zeiten, wo ich dachte, ich rede immer nur, wusste ich, es gibt Leute, die machen was. Das hat mir und vielen anderen sehr viel bedeutet.“ Georg Schramm, der sich von den Kabarettbühnen zurückgezogen hat, schenkte den Schönauer Energiewendepionieren zum Abschied eine Sternstunde des politischen Kabaretts.

http://www.ews-schoenau.de/mitmachen/...

Mittwoch, 24. Juni 2015

Karl Marx hatte recht

Von Chis Hedges
Übersetzung Susanne Schuster
Auf dem Linken Forum in New York City am Samstag (den 30. Mai 2015) diskutierte Chris Hedges zusammen mit den Professoren Richard Wolff und Gail Dines darüber, warum Karl Marx in einer Zeit des kollabierenden globalen Kapitalismus absolut notwendig ist. Dies sind die Anmerkungen von Hedges, mit denen die Diskussion eröffnet wurde.

Karl Marx legte die besondere Dynamik des Kapitalismus, oder was er die "bürgerliche Produktionsweise" nannte, bloß. Er sah voraus, dass der Kapitalismus in sich die Saat seiner eigenen Zerstörung trug. Er wusste, dass die herrschenden Ideologien - man denke an den Neoliberalismus - geschaffen wurden, um den Interessen der Elite zu dienen, vor allem der Wirtschaftselite, denn "die Klasse, die die Mittel zur materiellen Produktion zu ihrer Verfügung hat, disponiert damit zugleich über die Mittel zur geistigen Produktion" und "die herrschenden Gedanken sind weiter Nichts als der ideelle Ausdruck der herrschenden materiellen Verhältnisse ... der Verhältnisse, die eben die eine Klasse zur herrschenden machen." Er erkannte, der Kapitalismus eines Tages sein Potenzial erschöpft haben und zusammenbrechen würde. Er wusste nicht, wann dieser Tag kommen würde. Marx war "ein Astronom der Geschichte, kein Astrologie", wie Meghnad Desai schrieb. Marx war sich der Fähigkeit des Kapitalismus, sich zu erneuern und anzupassen sehr bewusst. Doch er wusste auch, dass die kapitalistische Expansion nicht ewig aufrechtzuerhalten war. Angesichts der Auflösung des Kapitalismus und der Desintegration des Globalismus vor unseren Augen bestätigt sich Karl Marx' Status als einer der weitsichtigsten und wichtigsten Kritiker des Kapitalismus.

In einem Vorwort zu "Zur Kritik der politischen Ökonomie" schrieb Marx:
Eine Gesellschaftsformation geht nie unter, bevor alle Produktivkräfte entwickelt sind, für die sie weit genug ist, und neue höhere Produktionsverhältnisse treten nie an die Stelle, bevor die materiellen Existenzbedingungen derselben im Schoß der alten Gesellschaft selbst ausgebrütet worden sind.

Daher stellt sich die Menschheit immer nur Aufgaben, die sie lösen kann, denn genauer betrachtet wird sich stets finden, daß die Aufgabe selbst nur entspringt, wo die materiellen Bedingungen ihrer Lösung schon vorhanden oder wenigstens im Prozeß ihres Werdens begriffen sind.

Marx schrieb, dass das Endstadium des Kapitalismus von Entwicklungen geprägt sein würde, die den meisten von uns gut bekannt sind. Unfähig zu expandieren und Profit auf dem früheren Niveau zu erzeugen, würde das kapitalistische System die Strukturen auffressen, die es aufrechterhielt. Es würde, im Namen des Sparzwangs (Austerität), Jagd machen auf die Arbeiterklasse und die Armen und sie immer tiefer in Verschuldung und Armut treiben, und die Fähigkeit des Staates schmälern, auf die Bedürfnisse einfacher Bürger einzugehen. Es würde Arbeitsplätze, sogar für qualifizierte Facharbeiter und Akademiker, in zunehmenden Maß in Länder mit einem billigen Heer an Arbeitskräften verlagern - und so kam es auch. Die Industrie würde ihre Arbeitsplätze mechanisieren. Dies würde zu einem Angriff auf die wirtschaftliche Situation nicht nur der Arbeiterklasse sondern auch der Mittelschicht - das Bollwerk eines kapitalistischen Systems - führen, der verschleiert würde von der Anhäufung riesiger persönlicher Schulden, weil die Einkommen schrumpften oder stagnierten. Im Endstadium des Kapitalismus würde die Politik der Wirtschaft untergeordnet, was zu politischen Parteien führen würde, die jeglicher politischer Inhalte entäußert und dem Diktat und Geld des globalen Kapitalismus demütig unterworfen waren.

Karikatur:© Kostas Koufogiorgos, www.koufogiorgos.de
Doch Marx warnte, dass eine Wirtschaft, die auf permanentes Schuldenmachen gebaut ist Grenzen hat. Marx wusste, dass ein Punkt kommen würde, wo es keine neuen Märkte mehr geben würde und keine neuen Menschenmengen, die weiter Schulden machen konnten. Genau das passierte mit der Hypothekenkrise. Als die Banken keine neuen Hypothekenkunden hervorzaubern konnten, fiel das Kartenhaus zusammen und das System kollabierte.

Kapitalistische Oligarchen horten indessen ein gewaltiges Vermögen - 18 Billionen US-Dollar sind in Steueroasen versteckt -, das als Tribut von denjenigen eingefordert wird, die von ihnen domininiert, in Schulden und Armut getrieben werden. Marx zufolge würde sich der Kapitalismus am Ende gegen den sogenannten freien Markt wenden, samt den Werten und Traditionen, die zu verteidigen er vorgibt. Er würde im Endstadium die Systeme und Strukturen plündern, die den Kapitalismus ermöglicht haben. Er würde infolge des von ihm verursachten massiven Leidens auf immer schärfere Formen der Unterdrückung zurückgreifen. Er würde in einem rasenden letzten Gefecht versuchen, durch den Ausraub und die Plünderung staatlicher Institutionen seine Profite zu sichern, im Widerspruch zu seinem angeblichen Wesen.

Marx warnte davor, dass riesige Konzerne im Endstadium des Kapitalismus ein Monopol auf globale Märkte haben würden. "Das Bedürfnis nach einem stets ausgedehnteren Absatz für ihre Produkte jagt die Bourgeoisie über die ganze Erdkugel", schrieb er. "Überall muß sie sich einnisten, überall anbauen, überall Verbindungen herstellen." Diese Konzerne, ob im Bankwesen, in der Agrar- und Nahrungsmittelindustrie, der Rüstungsindustrie oder der Kommunikationsindustrie, würden ihre Macht dazu nutzen, jeglichen Angriff auf ihr Monopol zu verhindern, gewöhnlich durch die Vereinnahmung der staatlichen Mechanismen. Sie würden die Preise festlegen, um den Profit zu maximieren. Sie würden Handelsverträge durchpeitschen, wie beispielsweise TPP und CAFTA, um die Möglichkeiten des Nationalstaats, Ausbeutung durch Umweltgesetze und Überwachung der Arbeitsbedingungen zu verhindern, noch stärker schwächen. Und am Ende würden diese Unternehmensmonopole den Wettbewerb des freien Marktes ausmerzen.

Ein Leitartikel in der New York Times vom 22. Mai liefert uns eine Vorstellung davon, was Marx zufolge das Endstadium des Kapitalismus kennzeichnen würde:
Seit dieser Woche sind Citicorp, JPMorgan Chase, Barclays und Royal Bank of Scotland Verbrecher, nachdem sie sich am Mittwoch schuldig bekannt haben, ein Komplott zur Manipulation der internationalen Währungskurse zu schmieden. Laut dem US-Justizministerium ermöglichte es das langfristige und lukrative Komplott den Banken, ihre Profite aufzupolstern, ohne Rücksicht auf Fairness, Recht oder das öffentliche Interesse.
Die Times fährt fort:
Die Banken werden Strafen in Höhe von insgesamt 9 Milliarden US-Dollar zahlen, die vom Justizministerium sowie Land-, Bundes und ausländischen Regulierungsbehörden festgelegt wurden. Das scheint wie ein Geschenk für einen Betrug, der sich über einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren hinzog, von Ende 2007 bis Anfang 2013, als sich die Einnahmen der Banken aus dem Währungsgeschäft auf rund 85 Milliarden US-Dollar beliefen.
Marx begriff, dass das Endstadium dessen, was wir Kapitalismus nennen, überhaupt nicht Kapitalismus ist. Die Konzerne verschlingen Regierungsausgaben, also im Grunde genommen Steuergelder, wie Schweine am Trog. Die Rüstungsindustrie, deren offizielle Verteidigungsausgaben sich auf 612 Milliarden US-Dollar belaufen - die zahlreichen, in anderen Haushalten versteckten Militärausgaben sind darin nicht enthalten, damit machen die tatsächlichen Ausgaben für die nationale Sicherheit mehr als 1 Billion US-Dollar pro Jahr aus - hat die Regierung dieses Jahr dazu gebracht, über die nächsten zehn Jahre 348 Milliarden US-Dollar für die Modernisierung unserer Atomwaffen auszugeben und 12 neue Atom-U-Boote der Ohio-Klasse zu bauen, zu geschätzten Kosten von 8 Milliarden US-Dollar pro Stück. Wie genau mit diesen beiden massiven Rüstungsprogrammen die angeblich größte Bedrohung unserer Zeit bekämpft werden soll - der Krieg gegen den Terror -, ist ein Mysterium. Schließlich besitzt ISIS, soweit mir bekannt ist, nicht mal ein Ruderboot. Wir geben 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr für Geheimdienstinformationen - sprich Überwachung - aus und 70 Prozent davon gehen an private Vertragnehmer wie die Firma Booz Allen Hamilton, die 99 Prozent ihres Umsatzes aus Verträgen mit der US-Regierung erwirtschaftet. Obendrein sind wir der größte Waffenexporteur der Welt.

Die Öl- und Gasindustrie verschlingt mehr als 5,3 Billionen US-Dollar jährlich weltweit an versteckten Kosten, damit fossile Energiequellen weiter verbrannt werden können, laut dem Internationalen Währungsfonds (IWF). Das ist zusätzlich zu den 492 Milliarden US-Dollar an direkten Subventionen von Regierungen in der ganzen Welt durch Abschreibungen, Wertberichtigungen und Schlupflöcher bei Bodennutzungsrechten, wie der IWF bemerkt. In einer vernünftigen Welt würden diese Subventionen investiert, um uns von den tödlichen Auswirkungen der durch die Verbrennung von fossilen Energieträgern verursachten CO2-Emissionen zu befreien, doch wir leben nicht in einer vernünftigen Welt.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete 2013 in dem Artikel "Warum sollten Steuerzahler den Großbanken 83 Milliarden US-Dollar jährlich schenken?", dass Volkswirte ermittelt hätten, dass staatliche Subventionen die Kreditkosten der Großbanken um etwa 0,8 Prozent gesenkt hätten.

"Wenn man die gesamten Verbindlichkeiten der 10 größten US-Banken (nach Wert der Aktiva) damit multipliziert, dann beläuft sich das auf eine steuerfinanzierte Subvention in Höhe von 83 Milliarden US-Dollar pro Jahr", so der Bericht.

Und weiter heißt es: "64 Milliarden US-Dollar davon entfallen auf die größten fünf Banken: JPMorgen, Bank of America Corp., Citigroup Inc, Wells Fargo & Co. und Goldman Sachs Group Inc., eine Summe, die in etwa ihrem durchschnittlichen jährlichen Profit entspricht. Mit anderen Worten: Die Banken, die das Nonplusultra der US-Finanzindustrie darstellen - mit einem Vermögen von fast 9 Billionen US-Dollar, mehr als die Hälfte der Wirtschaftsleistung der USA - würden ohne Sozialhilfe für Unternehmen gerade einmal die Gewinnschwelle erreichen. Die von ihnen veröffentlichten Gewinne sind im Grunde genommen Transferleistungen von Steuerzahlern an ihre Anteilseigner."

Die staatlichen Ausgaben machen 41 Prozent des BIP aus. Die Kapitalisten beabsichtigen, dieses Geschäft an sich zu reißen; das erklärt die Privatisierung ganzer Sparten des Militärs, die rasche Privatisierung der Sozialversicherungssysteme, die Auslagerung von 70 Prozent der geheimdienstlichen Erfassung von Informationen der 16 Nachrichtenagenturen an Konzerne sowie die Privatisierung von Gefängnissen, Schulen und unser katastrophaler profitorientierter Gesundheitsdienst. Keine dieser Auslagerungen von grundlegenden Dienstleistungen macht sie effizienter oder kosteneffektiver. Darum geht es nicht. Sie ernähren sich vom Kadaver des Staats. Dadurch werden die Strukturen zerstört, die den Kapitalismus an sich aufrechterhalten. Marx hat all dies begriffen.

Marx erklärte diese Widersprüche innerhalb des Kapitalismus. Er verstand, das die Idee des Kapitalismus - freier Handel, freie Märkte, Individualismus, Innovation, Selbstentfaltung - nur im utopischen Denken eines echten Gläubigen wie Alan Greenspan funktioniert, aber nie in der Realität. Marx sah voraus, dass die Akkumulation von Vermögen durch eine winzige kapitalistische Elite, bei gleichzeitiger Ausbeutung der Arbeiter dazu führen würde, dass die Massen nicht länger in der Lage waren, die Produkte zu kaufen, die den Kapitalismus vorantrieben. Der Reichtum konzentriert sich in den Händen einer winzigen Elite - das reichste eine Prozent wird im kommenden Jahr mehr als 50 Prozent des globalen Vermögens besitzen.

Der Angriff auf die Arbeiterklasse findet seit mehreren Jahrzehnten statt. Die Gehälter stagnieren oder sinken seit den 1970-er Jahren. Die produzierende Industrie wurde in andere Länder wie China oder Bangladesch ausgelagert, wo Arbeiter einen Stundenlohn von nur 22 Cent bekommen. Es gibt immer mehr arbeitende Arme in den USA, die sich kaum über Wasser halten können, dazu gezwungen, im globalen Arbeitsmarkt mit Arbeitern zu konkurrieren, die wenig mehr als Leibeigene sind. Branchen wie die Bauindustrie, die einst gut bezahlte, gewerkschaftlich organisierte Arbeitsplätze boten, werden jetzt beherrscht von nicht organisierten, oft illegalen Arbeitern. Konzerne importieren ausländische Ingenieure und Software-Spezialisten, die hochqualifizierte Arbeit zu einem Drittel eines Normalgehalts leisten, unter US-Arbeitsvisa wie H-1B oder L-1. Alle diese Arbeiter besitzen keine Bürgerrechte.

Die Kapitalisten reagieren auf den Kollaps ihrer heimischen Ökonomien, den sie verursacht haben, indem sie zu globalen Kredithaien und Spekulanten mutieren. Sie verleihen Geld zu exorbitanten Zinsen an die Arbeiterklasse und die Armen, selbst wenn sie wissen, dass die Kredite nie zurückgezahlt werden können, und dann verkaufen sie diese gebündelten Schulden, Kreditausfallversicherungen (credit default swaps, CDS), Rentenpapiere und Aktien an Penionsfonds, Städte, Investmentfirmen und Institutionen. Diese Form von Spätkapitalismus ist aufgebaut auf das von Marx so genannte "fiktive Kapital". Er wusste, dass er zur Vernichtung von Geld führen würde.

Als die Subprime-Kunden ihre Kredite nicht mehr bedienen konnten, und diese großen Banken und Investmentfirmen wussten, dass es so kommen würde, kam 2008 der globale Crash. Die Regierung rettete die Banken, größtenteils durch das Drucken von Geld, doch sie ließ die Armen und die Arbeiterklasse - ganz zu schweigen von Studenten, die gerade ihr Studium abgeschlossen hatten - auf einem Berg von Schulden sitzen. Der Sparzwang (Austerität) wurde Politik. Die Opfer des Finanzbetrugs mussten für diesen Betrug zahlen. Nur eine massive staatliche Intervention in die Wirtschaft, inklusive die Nationalisierung großer Konzerne wie AIG und General Motors, rettete uns vor einer schweren Depression, eine Taktik, die Marx ironisch gefunden hätte.

Im Jahr 2008 sahen wir die Inkraftsetzung des Sozialstaats für die Reichen, eine Art von Sozialismus für die Finanzeliten, den Marx vorausgesehen hatte. Doch dies geht einher mit intensivierten und unberechenbaren Konjunkturzyklen, die das System näher an Desintegration und Kollaps rücken. Allein in der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts haben wir schon zwei große Börsencrashs und den Zusammenbruch der Immobilienpreise erlebt.

Die Medienkonzerne arbeiten rund um die Uhr, um einer verwirrten Öffentlichkeit die Fiktion zu verkaufen, dass wir einen Aufschwung haben. Die Arbeitslosenzahlen sind eine Lüge, fabriziert durch eine Reihe von Tricks wie die Tilgung der Langzeitarbeitslosen aus der Statistik, genauso wie beinahe jede Finanzstatistik, die für den öffentlichen Konsum produziert wird. Wir leben vielmehr im Endstadium des globalen Kapitalismus, der sich zwar als widerstandsfähiger entpuppen könnte als wir erwarten, doch dessen Ende schließlich unausweichlich ist. Marx wusste: Wenn erst einmal der Marktmechanismus der einzig bestimmende Faktor für das Schicksal des Nationalstaats sowie der natürlichen Umwelt wird, dann würden beide zerstört werden. Keiner weiß, wann dies passieren wird. Doch sicher ist, dass es passieren wird, vielleicht sogar in unserem Leben.

Antonio Gramsci schrieb: "Das Alte stirbt und das Neue [kann]nicht zur Welt kommen: in diesem Interregnum kommt es zu den unterschiedlichsten Krankheitserscheinungen."

Was danach kommt, liegt an uns.

Danke Tlaxcala
Quelle: http://www.truthdig.com/report/item/karl_marx_was_right_20150531
Erscheinungsdatum des Originalartikels: 31/05/2015
Artikel in Tlaxcala veröffentlicht: http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=15017