Montag, 13. April 2015

Die Geopolitik hinter dem Krieg im Jemen (I+II)

Der in Kanada lebende Soziologe Mahdi Darius Nazemroaya, ein Experte für den Nahen und Mittleren Osten, untersucht die Gründe für den Krieg im Jemen.

Von Mahdi Darius Nazemroaya
Strategic Culture Foundation, I und II 30./31.03.15
Die USA und das Königreich Saudi-Arabien waren sehr beunruhigt, als die jemenitische Bewegung der Huthi – die Ansarallah, was auf Arabisch Soldaten Allahs heißt (s. hier) – im September 2014 die Kontrolle über die jemenitische Hauptstadt Sanaa übernahmen. Der von den USA unterstützte jemenitische Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi musste nachgeben und seine Macht mit den Huthis und einer Koalition von Stämmen aus dem nördlichen Jemen teilen, die sich mit den Huthis verbündet hatten. Hadi hatte sich zu Verhandlungen über eine nationale Einheitsregierung für den Jemen bereit erklärt, und seine Unterstützer USA und Saudi-Arabien wollten den Nationalen Dialog dazu nutzen, die Huthis einzubinden und zu besänftigen.

Die Wahrheit über den Krieg im Jemen wurde auf den Kopf gestellt. Der Krieg und die Vertreibung des Präsidenten im Jemen sind nicht die Folge des "Huthi-Staatsstreichs", sondern das Gegenteil. Hadi wurde vertrieben, weil er mit Unterstützung der Saudis und der USA die Abmachung über die Teilung der Macht rückgängig machen und den Jemen wieder allein und autoritär regieren wollte. Die Vertreibung des Präsidenten Hadi durch die Huthis und ihre politischen Verbündeten war nur die Reaktion auf die von Hadi mit der Unterstützung Washingtons und des saudischen Königshauses geplante erneute Alleinherrschaft.

Die Huthis und ihre Verbündeten stellen einen repräsentativen Querschnitt durch die jemenitische Gesellschaft und die darin herrschenden Mehrheitsverhältnisse dar. Zu dem Huthi-Bündnis gegen Hadi, das im Jemen selbst entstanden ist, gehören sowohl schiitische als auch sunnitische Muslime. Die USA und das saudische Königshaus haben nicht damit gerechnet, dass es den Huthis gelingen würde, Hadi zu entmachten, und die haben ja auch zehn Jahre dafür gebraucht. Zusammen mit dem saudischen Königshaus hat Hadi schon die Huthis bekämpft und jemenitische Stämme manipuliert, bevor er überhaupt Präsident wurde. Als er Präsident geworden war, verschleppte er die Umsetzung der Maßnahmen, die nach der Entmachtung Ali Abdullah Salihs im Jahr 2011 im Nationalen Dialog für den Jemen ausgehandelt worden waren.

Staatsstreich oder Gegenstaatsstreich: Was ist im Jemen geschehen?

Als die Huthis gegen Ende 2014 Sanaa einnahmen, wiesen sie Hadis neue Angebote für eine formelle Vereinbarung über eine Beteiligung an der Macht zurück, weil sie ihn als moralisch verkommene Figur kannten, der frühere Versprechen, die politische Macht zu teilen, bisher immer gebrochen hat. Wegen seiner Kumpanei mit Washington und dem saudischen Königshaus hatte sich Präsident Hadi bei der Mehrheit der jemenitischen Bevölkerung sehr unbeliebt gemacht. Am 8. November 2014 setze ihn sogar seine eigene Partei, der Allgemeine Volkskongress, als Vorsitzenden ab.

Am 20. Januar griffen die Huthis schließlich den Präsidentenpalast und andere Regierungsgebäude im Jenem an und nahmen den Präsidenten Hadi fest. Mit Unterstützung der Bevölkerung bildeten die Huthis bereits am 6. Februar eine Übergangsregierung und zwangen Hadi zum Rücktritt. Sie teilten der jemenitischen Bevölkerung mit, Hadi habe mit Unterstützung der USA und Saudi-Arabiens am 26. Februar einen Putsch geplant.

Hadis Rücktritt war ein Rückschlag für die US-Außenpolitik. Dadurch wurden die CIA und das Pentagon gezwungen, ihr Geheimdienst- und Militärpersonal aus dem Jemen abzuziehen. Die Los Angeles Times berichtete am 25. März unter Berufung auf US-Offizielle, als die Huthis das National Security Bureau (das Büro des jemenitischen Geheimdienstes) besetzt hätten, der eng mit der CIA zusammenarbeitete, seien ihnen zahlreiche Geheimdokumente über Operationen Washingtons im Jemen in die Hände gefallen.

Hadi floh am 21. Februar aus der jemenitischen Hauptstadt Sanaa nach Aden und erklärte es am 7. März zur neuen provisorische Hauptstadt. Die USA, Frankreich, die Türkei, und ihre westeuropäischen Verbündeten schlossen daraufhin ihre Botschaften (in Sanaa). Bald darauf verlegten – vermutlich nach Absprache mit den USA – Saudi-Arabien, Kuwait, Bahrain, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate ihre Botschaften von Sanaa nach Aden. Hadi widerrief seinen Rücktritt und erklärte, er werde eine Exilregierung bilden.

Die Huthis und ihre politischen Verbündeten weigerten sich, auf die Forderungen der USA und Saudi-Arabiens einzugehen, die Hadi in Aden und die zunehmend hysterischer reagierenden Saudis in Riad erhoben. Daraufhin bat Hadis Außenminister Riyadh Yaseen, am 23. März Saudi-Arabien und die arabischen Ölscheichtümer, militärisch zu intervenieren, um die Huthis an der Übernahme der Kontrolle über den jemenitischen Luftraum zu hindern. Über sein Sprachrohr, die saudische Tageszeitung Asharq al-Awsat, ließ Yaseen Bombenangriffe und die Errichtung einer Flugverbotszone über dem Jemen ankündigen.

Als die Houthis begriffen, dass ein militärischer Angriff drohte, versuchten sie und ihre Verbündeten in den jemenitischen Streitkräften möglichst schnell möglichst viele Flugplätze wie Al-Anad unter ihre Kontrolle zu bringen. Um Hadi zu neutralisieren, nahmen sie daraufhin am 25. März Aden ein.

Als die Huthis und ihre Verbündeten in Aden eindrangen, war Hadi schon aus der jemenitischen Hafenstadt geflohen. Als am 26. März die saudischen Angriffe auf den Jemen begannen, tauchte Hadi in Saudi-Arabien auf. Von dort aus flog er nach Ägypten, um an der Sitzung der Arabischen Liga teilzunehmen und den Krieg gegen den Jemen zu legitimieren.

Der Jemen und das sich ändernde strategische Gleichgewicht im Nahen Osten

Die Machtübernahme der Huthis in Sanaa fand im gleichen Zeitraum statt, in dem der Irandie Hisbollah, Syrien und der Widerstandsblock, den sie gemeinsam mit anderen lokalen Kräften bilden, weitere Erfolge verbuchen konnten. In Syrien konnte die syrische Regierung ihre Position festigen, und im Irak gelang es, mit Hilfe von Teheran unterstützter irakischer Milizen die ISIL/ISIS/Daesh-Mörder zurückzudrängen.

Die Karte wurde aus dem Originaltext übernommen
Das strategische Gleichgewicht im Nahen Osten verschiebt sich, weil der Iran immer wichtiger für die Sicherheitsarchitektur und die Stabilität wird. Dem saudischen Königshaus und dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu passt es nicht, dass der Iran in Beirut, Damaskus, Bagdad und Sanaa, also schon in vier Hauptstädten der Region, immer mehr Einfluss gewinnt; sie mussten etwas tun, um die iranische Expansion zu stoppen. Infolge des veränderten strategischen Gleichgewichts haben sich die Israelis und das saudische Königshaus mit dem gemeinsamen strategischen Ziel verbündet, den Iran und seine regionalen Verbündeten zu bekämpfen. "Wenn sich die Israelis mit Arabern verbünden, sollten die Nachbarn aufpassen," sagte der israelische Botschafter Ron Dermer am 5. März in der TV-Sendung Fox News zur neuen Allianz zwischen Israel und Saudi-Arabien.

Die von den Israelis und den Saudis gemeinsam betriebene Angstmacherei scheint aber nicht mehr zu wirken. Bei einer Meinungsumfrage, die stattfand, als Netanjahu in Washington gegen einen Atom-Deal mit dem Iran wetterte, bezeichneten nur noch 9 Prozent der befragten US-Bürger den Iran als größten Feind der USA.

Die von der US-Regierung und den Saudis mit dem Krieg im Jemen verfolgten strategischen Ziele

Während das saudische Königshaus den Jemen schon immer als untergeordnete Provinz und Teil seiner Einflusssphäre betrachtet hat, wollen die USA auch weiterhin die Meerenge Bab Al-Mandab den Golf von Aden und die Sokotra-Inseln kontrollieren. Der Bab al-Mandab ist ein wichtiges strategisches Nadelöhr für den internationalen Seehandel und den Öltransport aus dem Persischen Golf über das Arabische und das Rote Meer ins Mittelmeer. Diese Meerenge ist ebenso wichtig für die Seeschifffahrt und den Handel zwischen Afrika, Asien, und Europa wie der Suezkanal.

Bab el-Mandab
Auch Israel ist betroffen, weil die Macht, die den Jemen kontrolliert, auch seine U-Boote daran hindern könnte, durch das Rote und das Arabische Meer in den Persischen Golf vorzudringen und den Iran zu bedrohen. Deshalb hat Netanjahu, als er am 3. März auf dem Capitol Hill in seiner Rede vor den US-Kongress über den Iran gesprochen hat, auch auf die notwendige Kontrolle über den Jemen hingewiesen; die New York Times war die einzige US-Zeitung, die in ihrer Ausgabe vom 4. März Netajahus Rede "wenig überzeugend" fand.

Saudi-Arabien fürchtet sich offensichtlich davor, dass der Jemen völlig unter den Einfluss des Irans gerät, weil der dann auf der arabischen Halbinsel Unruhen gegen das saudische Königshaus schüren könnte. Das befürchten auch die USA, denken dabei aber auch an globale Konkurrenten. Sie wollen verhindern, dass neben dem Iran auch Russland oder China eine strategisch wichtige Position im Jemen beziehen, von der aus sie den Bab al-Mandab und den Golf von Aden überwachen könnten.

Die strategische Bedeutung des Jemen bei der Überwachung wichtiger Seewege wird noch erhöht durch die Raketen, über die sein Militär verfügt. Im Jemen abgefeuerte Raketen können jedes Schiff im Bab al-Mandab oder im Golf von Aden treffen. Deshalb dienen saudische Angriff auf die Raketendepots des Jemen auch den Interessen der USA und Israels. Die Raketen sollen nicht nur zerstört werden, damit sie nicht zur Abwehr saudischer Angriffe verwendet werden können, sie sollen auch nicht in die Hände des Irans, Russlands oder Chinas fallen.

Das Verhalten des saudischen Königshauses im Jemen steht in totalem Widerspruch zu seiner Syrien-Politik. (Während es in Syrien den Sturz Assads betreibt und dessen Gegner unterstützt), droht es den Huthis und ihren politischen Verbündeten mit weiterer militärischer Gewalt, wenn sie nicht mit Hadi verhandeln. Als Reaktion auf die saudischen Drohungen gab es am 25. März im Jemen zahlreiche Proteste gegen das saudische Königshaus. Weil die USA, Saudi-Arabien, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar Hadi wieder zur Macht verhelfen wollen, haben sie im Nahen Osten einen weiteren Krieg angezettelt.

Den Krieg im Jemen führen die Saudis eigentlich gegen den Iran

Trotz des ganzen Geredes über Saudi-Arabien als regionale Militärmacht ist es allein zu schwach, um sich mit dem Iran anzulegen. Das saudische Königshaus strebt deshalb ein regionales Bündnis an, das stark genug für eine Konfrontation mit dem Iran und dessen Verbündeten ist. Es will Saudi-Arabien mit Ägypten, der Türkei und Pakistan zu einer fälschlicherweise als "sunnitische Achse" bezeichneten Allianz gegen den Iran und dessen regionale Verbündete vereinigen.

Scheich Muhammad bin Zayid Al Nahyan, der Kronprinz des Emirates Abu Dhabi und Stellvertretende Kommandeur der Streitkräfte der Vereinigten Arabischen Emirate, hat am 17. März Marokko besucht, um über eine kollektive Militäraktion der arabischen Ölscheichtümer, Marokkos, Jordaniens und Ägyptens gegen den Jemen zu beraten. Am 21. März hat er mit dem saudischen König Salman ibn Abd al-Aziz über eine militärische Reaktion auf die Vorgänge im Jemen gesprochen. Gleichzeitig hat Hadi Saudi-Arabien und den Golf Cooperation Council / GCC um eine militärische Intervention im Jemen gebeten. Nach den Treffen fand noch ein Gespräch über einen neuen regionalen Sicherheitspakt der arabischen Ölscheichtümer statt.

Von den fünf Mitgliedern des GCC nahm nur das Sultanat Oman nicht an diesem Gespräch teil. Oman will sich nicht an dem Krieg gegen den Jemen beteiligen. Oman mit seiner Hauptstadt Maskat unterhält freundschaftliche Beziehungen zu Teheran. Außerdem lehnt der Oman die Taktik der Saudis und des GCC ab, konfessionelle Unterschiede als Begründung für eine Konfrontation mit dem Iran und dessen Verbündeten zu missbrauchen. Die Mehrheit der Bewohner Omans ist weder sunnitisch, noch schiitisch; als Ibaditen wollen sie sich aus weiteren vom saudischen Königshaus und den anderen arabischen Ölscheichtümern angefachten "Konfessionskriegen" heraushalten.

Saudische Propagandisten hetzten zum Krieg (gegen den Iran) – mit der falschen Behauptung, der Iran wolle Saudi-Arabien einkreisen. Auch die Türkei will sich an dem Krieg gegen den Jemen beteiligen. An dem Tag, an dem die Luftangriffe begannen, erklärte der türkische Präsident Erdogan, weil der Iran versuche, die ganze Region zu dominieren, müssten sich die Türkei, Saudi-Arabien und der GCC gemeinsam dagegen zur Wehr setzen.

Während dieser Vorgänge stellte der ägyptische Präsident Sisi fest, Kairo habe das gleiche Sicherheitsbedürfnis wie Saudi-Arabien und die arabischen Ölscheichtümer. Am 25. März hatte Kairo noch erklärt, es werde sich nicht am Krieg gegen den Jemen beteiligen, aber schon einen Tag später griffen auch ägyptische Kriegsschiffe und Kampfjets den Jemen an.

Auch der pakistanische Premierminister Nawaz Sharif erklärte am 26. März, jede Bedrohung Saudi-Arabiens werde eine heftige Reaktion Pakistans bewirken. Diese Warnung war natürlich an den Iran gerichtet.

Die Rollen der USA und Israels im Krieg gegen den Jemen

Am 27. März wurde im Jemen bekannt, dass auch Israel den Angriff Saudi-Arabiens auf das arabische Nachbarland unterstützt. "Das ist das erste Mal, dass die Zionisten bei einer gemeinsamen Operation mit Arabern kollaborieren," schrieb Hassan Zayd, der Chef der jemenitischen Al-Haq-Partei (s. hier) im Internet, um auf die Interessengleichheit zwischen Saudi-Arabien und Israel hinzuweisen. Die israelisch-saudische Allianz gegen den Jemen ist jedoch nicht neu. Die Israelis haben das saudische Königshaus Haus bereits während des Bürgerkrieges im Nordjemen ab 1962 unterstützt, indem sie den Saudis Waffen für den Kampf der Royalisten gegen die Republikaner im Nordjemen lieferten. (s. hier)

Auch die USA mischen im Hintergrund mit. Während sie einen Atom-Deal mit dem Iran aushandeln, helfen sie gleichzeitig den Saudis beim Schmieden ihres Bündnisses gegen Teheran. Das Pentagon stellt dem saudischen Königshaus "geheimdienstliche und logistische Unterstützung" zur Verfügung. Der Krieg der Saudis gegen den Jemen ist auch Washingtons Krieg. Der GCC hat sich nur auf Druck der USA zum Angriff auf den Jemen entschlossen.

Gespräche über die Bildung einer panarabischen militärischen Streitmacht gab es schon lange, tatsächlich beschlossen hat sie die Arabische Liga aber erst am 9. März. Die Schaffung einer vereinigten arabischen Militärmacht dient vor allem den Interessen der USA, Israels und Saudi-Arabiens. Die Gründung panarabischer Streitkräfte wurde durch die Vorbereitung eines Angriffs auf den Jemen beschleunigt; dabei geht es nicht nur darum, Hadi wieder zur Macht zu verhelfen, sondern vor allem um die Bildung eines Gegengewichtes gegen den Iran, Syrien, die Hisbollah, und den aus ihnen bestehenden regionalen Widerstandsblock.

Teil II


"Der Jemen, das ärmste Land der arabischen Welt, wird gerade zum Schlachtfeld und zum nächsten gescheiterten Staat im Nahen Osten gemacht. Wenn es zu einem Bodenkrieg kommt, was wegen des Kräftemessens zwischen Saudi-Arabien und dem Iran sehr wahrscheinlich ist, wird alles nur noch schlimmer. Beide Mächte unterstützen Gruppierungen, von denen sie glauben, sie für ihre Zwecke einspannen zu können, und wohin diese destruktive Konkurrenz führt, lässt sich gerade in Syrien und im Irak beobachten," war am 6. März in dem US-Magazin Foreign Policy

Die Allianz der Huthis mit dem Iran: Pragmatismus oder religiös begründeter Hilferuf?

Die Huthis kämpfen keineswegs für iranische Interessen. Die Huthi-Bewegung ist politisch unabhängig und entstanden, weil die jemenitische Bevölkerung unterdrückt wurde. Wer meint, die Huthis führten einen Stellvertreterkrieg für den Iran, ignoriert die jemenitische Geschichte und die bisher dort betriebene Politik. "Wenn jetzt im Krieg konfessionelle
Trennungslinien aufbrechen, geschieht das nicht, weil es die im Jemen schon immer gegeben hat, sondern weil ausländische Kriegstreiber sie geschaffen haben," gibt sogar Foreign Policy zu.

Die Huthi-Führer haben schon wiederholt Behauptungen zurückgewiesen, dass sie Anweisungen aus Teheran ausführen. Das hat Offizielle und Medien in Saudi-Arabien und in den Emiraten aber nicht daran gehindert, iranische Statements immer wieder zu manipulieren oder die Huthis mit den Basidsch-e Mostaz'afin (eine iranischen Miliz,) zu vergleichen und sie als "Agenten Teherans" darzustellen.

Die Huthis sind weder iranische Agenten, noch gibt es überhaupt Verbindungen zwischen den Schiiten im Iran und im Jemen. Wer mit solchen Unterstellungen arbeitet, will nur die Motivation der unterdrückten Huthis und die Ursachen des politischen Konfliktes im Jemen verschleiern. Bis in die 1970er Jahre war das saudische Königshaus die Hauptstütze der royalistischen Splittergruppen im Jemen, die überwiegend aus schiitischen Muslimen bestanden.

Außerdem sind die schiitischen Muslime im Jemen keine Imamiten – wie die Mehrheit der Schiiten im Iran, in der Republik Aserbaidschan, im Libanon, im Irak, in Afghanistan, in Pakistan und in einigen Gebieten am Persischen Golf. Außer einigen Gruppen von Ismailiten in den Bezirken Saada, Hajja, Amran, Al-Mahwit, Sanaa, Ibb und Al-Jawf sind die meisten jemenitischen Muslime Zaiditen. Die Ismailiten im Jemen gehören größtenteils zu zwei Sekten der Mustali- Ismailiten, die sich von den Nizari-Ismailiten abgespalten haben.

Nur weil sie von den USA und vom saudischen Königshaus angegriffen wurden, haben die Huthis den Iran um Hilfe gebeten. Das Wall Street Journal hat dazu am 6. März berichtet:
"Die militanten Huthis, die Sanaa, die Hauptstadt des Jemen, kontrollieren, versuchen Verbindungen zum Iran, zu Russland und zu China zu knüpfen, um die Unterstützung des Westens und der Saudis für den abgesetzten jemenitischen Präsidenten auszugleichen. Die von den Huthis eingesetzte Übergangsregierung hat nach Aussage höherer Offizieller Delegationen entsandt, die mit dem Iran über die Lieferung von Treibstoffen und mit Russland über Investitionen in Energieprojekte verhandeln sollen. Eine weitere Delegation soll in den kommenden Wochen China besuchen."
Die Bemühungen der Huthis haben dazu geführt, dass seit 2. März täglich Hilfsflüge zwischen Teheran und Sanaa stattfinden.

Geht es im Jemen um konfessionelle Differenzen, oder dienen die nur als Vorwand?

Die Instabilität im Jemen haben nicht der Iran oder die Huthis zu verantworten; sie wurde durch die Einmischung der USA und der Saudis verursacht; die begann mit der saudischen Invasion im Jahr 2009 und hat sich mit den US-Drohnen Angriffen und der Unterstützung Saudi-Arabiens für das autoritäre Regime Hadis bis heute fortgesetzt.

Der Jemen war nicht in sich bekämpfende islamische Konfessionen aufgespalten. Vor dem Auftauchen der von den USA und den Saudis finanzierten Unruhestifter der Al-Qaida gab es keinerlei Konflikte zwischen schiitischen und sunnitischen Jemeniten. Um das Streben der jemenitischen Bevölkerung nach Unabhängigkeit zu stören, haben die Saudis und die USA Schiiten und Sunniten gegeneinander aufgehetzt.

Berichte, in denen behauptet wird, der Iran unterstütze nur Schiiten, treffen nicht zu. Die palästinensischen Verbündeten Teherans sind überwiegend Sunniten, und im Irak und in Syrien hilft der Iran neben den Regierungen beider Länder ganz unterschiedlichen ethnischen und religiösen Gruppierungen – auch Christen und Menschen, die keine Araber sind. Dazu gehören auch die überwiegend sunnitischen syrischen und irakischen Kurden und der Sutoro-Flügel der Syriac Union Party / SUP. Im Libanon unterstützt der Iran außer der Hisbollah auch noch sunnitische Muslime, die Drusen und christliche Parteien wie die Freie Patriotische Bewegung von Michel Aoun - die größte christliche Partei im Libanon.

Wenn jemand den Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten schürt, dann sind es die USA und die mit ihnen verbündeten arabischen Ölscheichtümer. Früher haben die USA und Saudi-Arabien die Huthis zur Bekämpfung der Muslimbruderschaft im Jemen angestiftet. Während des Kalten Kriegs haben Washington und das saudische Königshaus die jemenitischen Schiiten gegen die Republikaner im Nordjemen und gegen die Volksdemokratische Republik im Südjemen aufgehetzt. Erst als sich die Huthis nicht mehr von Washington und Riad einspannen ließen, wurden sie zu Feinden erklärt.

Die Invasion des Jemen wird vorbereitet

Am 20. März sprengten sich Selbstmordattentäter während des Nachmittagsgebetes in den Moscheen Al-Badr und Al-Hashoosh in die Luft. Mehr als dreihundert Menschen wurden getötet. Abdul Malik al-Houthi beschuldigte die USA, Israel und Saudi-Arabien für alle von ISIL, ISIS, Daesh oder Al-Qaida begangenen Terroranschläge im Jemen verantwortlich zu sein.

Marokko, Jordanien und die arabischen Ölscheichtümer schwiegen zu den Anschlägen, nur Marziyeh Afkham, die Sprecherin des iranischen Außenministeriums, verurteilte den Terror im Jemen. Auch Syrien, der Irak, Russland und China haben sich gegen Terrorangriffe in jeder Form ausgesprochen. Teheran schickte zwei Transportflugzeuge mit humanitären Hilfsgütern in den Jemen, und der Rote Halbmond des Irans flog mehr als fünfzig bei den Terroranschlägen Verletzte zur ärztlichen Behandlung in iranische Krankenhäuser.

Die Einmischung des saudischen Königshauses im Jemen ist misslungen

Die jetzige Huthi-Bewegung ist nur entstanden, weil Saudi-Arabien das autoritäre Regime im Jemen immer unterstützt hat. Die Huthis haben also nur auf die Brutalität der Saudis und des jemenitischen Regimes reagiert. Ihre Bewegung ging aus einem Aufstand hervor, den Hussein Badreddin Al-Houthi 2004 gegen die jemenitische Regierung entfacht hatte.

Die Regime im Jemen und in Saudi-Arabien haben den Huthis fälschlicherweise unterstellt, in Arabien ein Ziaditisches Kalifat errichten zu wollen, um ihre Bewegung zu diskreditieren. Damit konnte jedoch nicht verhindert werden, dass sie noch stärker wurden. Das jemenitische Militär konnte sie schon 2009 nicht bezwingen; daraufhin kamen ihm die Saudis am 11. August 2009 mit der Operation Scorched Earth (Verbrannte Erde) zur Hilfe.

Aber auch das in den Jemen gerufene saudische Militär konnte die Huthis in den Jahren 2009 und 2010 nicht zum Aufgeben zwingen. Als es die Huthis und ihre Übergangsregierung aufforderte, sich Saudi-Arabien unterzuordnen und mit Riad zu verhandeln, wiesen beide dieses Ansinnen zurück, weil sie befürchteten, dadurch an den Rand gedrängt und über den Tisch gezogen zu werden. Dabei wurden sie sogar von Hadis eigener Partei, dem Allgemeinen Volkskongress, und der jemenitischen Baath-Partei unterstützt.

Soll der Jemen geteilt werden?

Bei Aufständen im Jemen haben die USA und Saudi-Arabien immer militärisch interveniert; dabei ist es ihnen sogar gelungen, im Südjemen eine separatistische Strömung in Gang zu setzen. Das jemenitische Militär ist auseinander gebrochen, und zwischen einzelnen Stämmen ist es zu Spannungen gekommen. Es ist sogar schon von einem gescheiterten arabischen Staat die Rede.

2013 hat die New York Times vorgeschlagen, Libyen, Syrien, den Irak und den Jemen in Teilstaaten aufzuspalten. Der Jemen sollte nach einem Referendum im Südjemen wieder zweigeteilt werden. Die New York Times empfahl auch, "einen Teil oder den ganzen Südjemen in Saudi-Arabien einzugliedern". Da fast der ganze saudische Handel übers Meer abgewickelt wird, würden die Saudis durch eine Annexion des Südjemen einen direkten Zugang zum Arabischen Meer erhalten und wären dann weniger abhängig vom Persischen Golf, den der Iran durch eine Blockade der Straße von Hormuz sperren könnte.

Saudi-Arabien und (der abgesetzte jemenitische Präsident) Hadi setzen jetzt auf die Separatisten im Südjemen, die aber nur von einem Zehntel der Bevölkerung unterstützt werden. Mit einer Abspaltung des Südjemen hoffen sie einen totalen Sieg der Huthis verhindern zu können. Dadurch würde sichergestellt, dass Saudi-Arabien und der GCC einen eigenen Zugang (zum Arabischen Meer und) zum Indischen Ozean haben und die USA weiterhin den Golf von Aden kontrollieren können.

Übersetzung: Luftposr-kl.de